Wolmirstedt l Elbeus Ortsbürgermeister Guido Kratzenberg vollführt verbale Luftsprünge: „Wenn alle Arbeiten erledigt sind, feiern wir ein Fest.“ Der Anlass: Dieses Fest soll das Ende der Tunnelarbeiten krönen. Doch bis es soweit ist, wird noch weit über ein Jahr ins Land gehen. Dann ist womöglich auch die Corona-Pandemie überstanden, sodass es bestenfalls mehrere Gründe zum Feiern gibt.

In Elbeu steht auf jeden Fall die Unterführung im Mittelpunkt, denn sie soll eine neue Fahrbahn bekommen, auf der Autos nicht mehr rumpeln, sondern leise fahren können. Das wird noch dauern, aber der Anfang wird gerade gemacht.

Tunnelmauer wird untersucht

Dafür ist die Fahrspur Richtung Magdeburg seit ein paar Tagen gesperrt. Fachleute beschäftigen sich mit dem Zustand der Tunnelmauer. Die braucht dringend eine Frischekur. Wie die ausgeführt werden kann, wollen die Experten gerade herausfinden.

„Wir erledigen gerade die Vorarbeiten für die Instandsetzung“, erklärt Arno Liebrecht, der zuständige Fachbereichsleiter im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal. Die Experten wollen herausfinden, wie der Beton dauerhaft wieder instandgesetzt werden kann. Der ist in keinem guten Zustand, der Zahn der Zeit sowie Streusalze haben dem Material zugesetzt.

Auch wenn die Fachleute noch nicht sicher sind, auf welche Weise saniert wird, eins ist schon klar: Die Arbeiten werden mehrere Monate dauern. Arno Liebrecht schätzt: „Wir werden Ende 2021 fertig sein.“

Landkreis klinkt sich ein

In den Zeitplan will sich der Landkreis einklinken. Der ist für die Straße und die Gehwege zuständig und wird sich mit dem Wasserstraßenamt darüber verständigen, wann die Straßenbauer in der Unterführung loslegen können. Ob das bereits während der Arbeiten am Tunnelkörper möglich ist oder danach, wird sich zeigen.

Der Landkreis hat unlängst der Straße unter dem Glindenberger Tunnel Asphalt verpasst. Seither sind Fahrgeräusche kaum hörbar. Elbeus Ortsbürgermeister Guido Kratzenberg schwelgt: „Wenn wir so etwas wie Glindenberg bekommen, das wäre ein Traum.“ Die gute Nachricht: Läuft alles gut, wird dieser Traum 2022 erfüllt sein.

Noch gibt es eine weitere Unwägbarkeit. Auch die Trinkwasserleitung führt durch den Elbeuer Tunnel. Die sogenannte Heidewasserleitung versorgt von Colbitz aus die Stadt Magdeburg. Die Kanäle verlaufen links und recht in der Tunnelröhre, jeweils unter den Fußwegen. Ob und inwieweit diese Wasserleitungen berührt werden, wird sich erst im Laufe der Planungen zeigen. Es kommt darauf an, in welcher Tiefe die Erneuerung des Tunnelkörpers notwendig ist.

Fast einhundert Jahre alt

Der Elbeuer Tunnel steht schon beinahe einhundert Jahre, er wurde beim Bau des Mittellandkanals in den 1930er Jahren angelegt. Fuhren zu Beginn seiner Lebenszeit noch Pferdefuhrwerke hindurch, wuchs der Verkehr im Laufe der Jahre zu einem immer größeren Autostrom an. Bis November 2003 führte die Hauptstrecke zwischen Stendal und Magdeburg durch die Elbeuer Unterführung, dann wurde die Ortsumfahrung Wolmirstedt freigegeben. Zuletzt hatten sich rund 28 000 Fahrzeuge täglich (!) durch diese Unterführung und die engen Kurven Elbeus gequält, darunter viele Lkw. Das hatte Spuren im Dorf hinterlassen, Risse an Häusern, kaputtgefahrene Gehwege, angefahrene Laternenmasten.

Mit der Eröffnung der Umgehungsstraße vor 17 Jahren wurde es ruhiger im Dorf. Anwohner sanierten ihre Häuser, die Stadt ließ Gehwege und die Straße erneuern. Doch eins blieb beim Alten: Der Rumpeltunnel.

Dieses Relikt raubt Anwohnern den Schlaf, nervt, lässt Gläser in Schränken klirren. Autos haben gar keine Chance, leise über das alte Kopfsteinpflaster zu fahren. Es rumpelt schon bei geringen Geschwindigkeiten, der Hall wird durch die Tunnelwände verstärkt. Es hat bereits mehrere Bürgerproteste gegeben, immer wieder wurde die Erneuerung der Fahrbahn gefordert oder zumindest eine geräuscharme Zwischenlösung. Bisher ohne Erfolg. Nun können die Elbeuer hoffen. Auf eine leise Straße. Und auf ein gemeinsames Fest