Irxleben l Friedlich grasen die Schafe auf der Weide an der Bundesstraße 1 unterhalb des Kreuzberges bei Irxleben in Richtung Magdeburg. Kleine Lämmer springen munter umher. Und doch fällt beim genaueren Hinsehen auf, dass einige der Lämmer hinken, andere sogar nur im Gras liegen und sich ab und an mühsam und ungeschickt von einer Seite auf die andere drehen.

Bei einem Gang über die Wiese klärt Besitzer Aziz Hassan, der die Flächen für die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt von seinen Tieren beweiden lässt, auf: „Mehrere Lämmer sind schwerverletzt. Ich nehme sie jeden Tag mit nach Hause und bringe sie am anderen Tag wieder her, damit die Mütter sie nicht vergessen.“

Den Tag nie vergessen

Den Nachmittag des 1. April, ein Mittwoch, wird er vielleicht nie vergessen können. „Als ich mit meinem Sohn hier ankam, sah ich, dass die Schafe irritiert sind, einige liefen in die eine Richtung, die anderen in die andere“, erzählt er rückblickend. Zuerst dachte er, dass ein Wolf auf der Weide sein Unwesen treibt, aber als er sich auf den Weg über die Wiese macht, wurde er, wie er sagt, Augenzeuge, wie ein Hund gerade ein Lamm in der Schnauze hatte und es hin und her schleuderte. Nach seiner Aussage sah der Hund aus wie ein Pitbull, er hatte rotbraunes Fell, war klein und trug ein rotes Halsband. Er verjagte den Hund und sah einen Mann in der Nähe des Parkplatzes auf dem Kreuzberg am Zaun stehen. „Der Besitzer hat sich anscheinend amüsiert, wie sein Hund die Lämmer gerissen hat und die Schafe jagte“, beschreibt Aziz Hassan.

Er wollte den Hundehalter stellen, doch als er mit dem Auto die Verfolgung aufnehmen wollte, waren Mann und Hund schon verschwunden. Zwei Truckfahrer auf dem Parkplatz hatten wohl nichts gesehen.

Ohne Hilfe wäre der Hund nicht in das Schafsgehege gekommen, der Besitzer muss ihn also über den Zaun gehoben haben. „Ich weiß nicht, was in so einem Menschen vorgeht. Macht ihm das Spaß, wenn er den Hund auf die Schafe hetzt? Kennt er mich, will er mir schaden?“ – Viele Gedanken gehen Aziz Hassan durch den Kopf und jedes Mal, wenn er seine Weiden wieder verlässt, geht er mit einem unguten Gefühl, sogar mit Angst.

Vier Lämmer sind tot

Denn der Vorfall am 1. April, den vier Lämmer nicht überlebten und weitere sieben mit schweren Verletzungen, sollte nicht der einzige bleiben. Am frühen Morgen des 3. April fand er nochmals ein totes und zwei schwerverletzte Lämmer und vermutet, dass der Hund nochmals da war. „Die Verletzungen waren immer gleich, er geht vor allem an die Vorderbeine, manchmal auch an die Hinterbeine“, so Aziz Hassan. Parallelen zu dem Drama der ersten Apriltage sieht er zu einer Begebenheit, die sich im vergangenen Jahr auf seinen Weiden zugetragen hat. Betroffen waren damals zwei Mutterschafe, die ebenfalls an den Vorderbeinen Verletzungen aufwiesen. „Damals habe ich gedacht, sie haben sich am Zaun gerissen oder an der Hecke“, sagt er. Kurze Zeit später habe ihn ein Passant gefragt, ob er einen Kampfhund habe, er habe ihn auf seiner Weide herumlaufen sehen.

Eine Anzeige hat Aziz Hassan bei der Polizei erstattet, hofft aber auch darauf, dass jemand etwas gesehen hat und Hinweise geben kann – zur Tat selbst sowie zu Hund und Besitzer. Deshalb hat er an Bäumen rund um seine Weiden und auf dem Parkplatz auf dem Kreuzberg Plakate aufgehängt, auf denen die Tat beschrieben ist. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde die Meldung vielfach geteilt. Der Schafhalter bittet darum, dass sich diejenigen, die einen Hund sehen, auf den seine Beschreibung passt, telefonisch unter der Nummer 0171/341 67 71 bei ihm melden oder die Polizei informieren.