Feuerwehr

Schilfbrand in Barleben bei Magdeburg sorgt für eine Schneise der Verwüstung

Während des Großfeuers vom Mittwochnachmittag am Adamsee in Barleben wurde nicht nur Flora und Fauna vernichtet. So fielen den Flammen auch ein Boot und der dazugehörige Unterstand des ansässigen Anglervereins zum Opfer. Doch konnte die Feuerwehr Schlimmeres verhindern.

Von Sebastian Pötzsch
Der Schilfbrand wütete auf einer Fläche von rund vier Hektarn Foto: Feuerwehr Barleben

Barleben. Während des Großfeuers vom Mittwochnachmittag am Adamsee in Barleben wurde nicht nur Flora und Fauna vernichtet. So fielen den Flammen auch ein Boot und der dazugehörige Unterstand des ansässigen Anglervereins zum Opfer. Doch konnte die Feuerwehr Schlimmeres verhindern.

Es ist Mittwoch gegen 13.30 Uhr, als sich eine riesige schwarze Rauchwolke über Barleben erhebt. Nur kurze Zeit später geht der Alarm bei der Freiwilligen Feuerwehr ein: Ödlanbrand am Adamsee. Nur wenig später trifft das erste Fahrzeug ein, das zweite folgt kurz darauf. Sofort nimmt Danny Fritze die Lageerkundung und eine Priorisierung vor. „Das ist ganz wichtig. Der Schutz von Leib, Leben und Sachgütern steht im Vordergrund“, wird der Einsatzleiter später gegenüber der Volksstimme berichten.

Rauchwolke schwebt über dem Landkreis Börde

Vor Ort bietet sich den Kameraden zunächst ein verheerendes Bild. „Der Schilfgürtel am Westufer des Sees stand über mehrere hundert Meter in Flammen“, berichtet der Feuerwehrmann weiter. Die große Rauchwolke ist bis nach Magdeburg zu sehen, wie Leser gegenüber der Redaktion berichten. Die sechs bis sieben Meter hohen Flammen breiten sich von Süden her immer weiter aus. Außerdem sorgen die starken Winde in diesem Nachmittag für extremen Funkenflug. Es besteht die Gefahr, dass auch die Häuser des Hundevereins sowie des benachbarten Anglervereins in Flammen aufgehen.

Während die Barleber Kameraden ihre C-Schläuche ausrollen, werden die Feuerwehren aus Ebendorf und Wolmirstedt nachalarmiert. „Das Problem war, dass keine Wasserentnahmestellen in der Nähe waren“, erklärt Danny Fritze. Der See selbst kommt als Wasserspender nicht infrage - wegen der Feuersbrunst ist kein Rankommen an den Uferbereich.

„Zum Glück hatten wir einen Schlüssel, um auf das Gelände des Anglervereins zu gelangen. Dadurch konnte Schlimmeres verhindert werden“, erzählt der Einsatzleiter weiter. Doch dafür steht ein Auto mitten in der Einfahrt auf das Gelände. Bald ist die Spaziergängerin gefunden und macht den Weg für die Tanklöschfahrzeuge frei.

Derweil sind C-Schläuche ausgelegt und die Löschangriffe können starten. Ziel ist der Schutz der zwei erwähnten Vereinshäuser. Nicht nur Wasser kommt zum Einsatz. Einige Kameraden haben sich mit Schippen und Patschen bewaffnet, um die Flammen zu bekämpfen.

Gegen 14 Uhr sind sechs Fahrzeuge vor Ort und verteilen sich über eine Länge von mehreren hundert Metern über die insgesamt vier Einsatzbereiche. Ein sogenannter Pendelverkehr zum Ablösen der einzelnen Einsatztrupps wird eingerichtet.

Boot und Unterstand sind Raub der Flammen

Etwa eine halbe Stunde nach Eintreffen der ersten Kameraden ist die Gefahr eines Übergreifens auf die Vereinshäuser gebannt. Weitere 20 Minuten später steht auch der Schilfgürtel nicht mehr in Vollbrand. Vereinzelt lodern zwar Flämmchen auf, die nun aber von der Kameraden der Wolmirstedter Feuerwehr gelöscht werden.

Nach knapp dreieinhalb Stunden heißt es schließlich „Feuer aus“. Jetzt steht auch das gesamte Ausmaß fest: Rund vier Hektar Schilf sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Doch nicht nur das: Auch ein Boot des Anglervereins und der dazugehörige Trailer samt Unterstand wurde ein Raub der Flammen.

Am späten Nachmittag trifft auch Mario Niemitz ein. Als Schatzmeister des Anglervereins „Friedfischteam“ verschafft er sich einen Überblick über den Schaden. „Dass es unser Boot erwischt hat, ist ziemlich traurig“, sagt er gegenüber der Volksstimme. „Doch zum Glück hatte die Feuerwehr einen Schlüssel von unserem Tor. Nur so konnte der Brand kurz vor Erreichen unseres Vereinshauses gestoppt werden.“ Vor versammelter Mannschaft dankt er den rund 30 im Einsatz befindlichen Kameraden für die Rettung des Gebäudes.

Der Sicherheit wegen halten die Vereinsmitglieder bis 21.30 Uhr eine sogenannte Brandwache. Auch beim Hundeverein in der Nachbarschaft wird bis zum späten Abend aufgepasst.

Unterdessen sorgen Nachrichten in den sozialen Netzwerken für Unruhe in Barleben. So geistern Gerüchte um Brandstiftung herum. Auch Jürgen Kaftan, Vorsitzender des Friedfischteams, setzt am Abend eine entsprechende Nachricht ab und fordert Ermittlungen durch Ordnungsamt und Kriminalpolizei.

Doch am Donnerstagvormittag rudert er zurück: „Ich war selbst nicht vor Ort. Aber die Bilder haben den Verdacht auf Brandstiftung nahegelegt“, sagt der Vorsitzende und fügt hinzu: „Ohne Beweise oder Indizien muss man mit solchen Behauptungen sehr vorsichtig sein.“ Immerhin seien Polizeibeamte vor Ort gewesen, aber wenig später wieder losgefahren.

Eine Nachfrage beim Pressesprecher ergab keinen Eintrag über eine Einsatz von Beamten vor Ort. „Dann wird auch keine Brandursachenermittlung erfolgen“, erklärt Matthias Lütkemüller am Donnerstag gegenüber der Volksstimme.

Und wie sieht das die Feuerwehr? „Ich kann das nicht einschätzen, da die Einsatzkoordinierung höchste Priorität hatte“, berichtet Danny Fritze und spricht damit die drei vermeintlichen Brandherde an, die in den sozialen Netzwerken kolportiert werden.

Wohl auch Vogelbrut verbrannt

Jürgen Kaftan indes ist nicht nur wegen des verbrannten Bootes traurig. Der rein materielle Schaden belaufe sich auf 500 bis 600 Euro. Doch seien neben Material und Flora mit Sicherheit auch Fauna ein Raub der Flammen geworden. „Viele Wasservögel haben bereits mit dem Brüten begonnen. Da dürfte vieles verbrannt sein.“

Übrigens: Ein Kamerad musste während des Einsatzes vom Rettungsdienst versorgt werden und kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus.