Wolmirstedt l Im Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium ist der Zeitdruck groß. Am 4. Mai beginnen bereits die Abi­turprüfungen. Nur anderthalb Wochen zuvor, am 23. April, wird der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Das ist knapp. Schulleiter Carsten Koslowski sieht sein Lehrerkollegium und die Abiturienten trotzdem gut vorbereitet. Die prüfenden Lehrer können die Abituraufgaben an den bisher erteilten Unterricht anpassen. Dazu ermuntert ausdrücklich auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner: „Die schwierigen Bedingungen der Prüfungsvorbereitung durch die Schulschließung sollen berücksichtigt werden.“

Bleibt das Problem, den Abstand zu wahren. „In jedem Raum werden nur acht Schüler sitzen“, sagt Carsten Koslowski. Das bedeutet für die Lehrer, dass sie quasi „eine Schallplatte verschlucken“ können. Wird ein Kurs von 24 Schülern belegt, werden sie denselben Stoff dreimal vermitteln, zeitversetzt, für jede Achtergruppe erneut.

Acht Schüler im Raum

Auch während der Abiturprüfungen werden nur acht Schüler in einem Raum sitzen. Derzeit besuchen 93 Schüler die zwölfte Klasse, insgesamt lernen am Gymnasium 897 Mädchen und Jungen.

In den vergangenen Wochen haben sie vor allem über die Plattform Moodle mit ihren Lehrern kommuniziert. Damit lassen sich Aufgaben per Computer verschicken, Telefonkonferenzen abhalten und mehr. Viele Möglichkeiten haben sich erst durch das Lernen im Homeoffice offenbart, nicht nur den Schülern. „Diese Wochen waren auch für unsere Lehrer eine riesengroße Fortbildung.“

Das hat auch das Team der Gemeinschaftsschule „Gottfried-Wilhelm Leibniz“ erlebt. Vize-Schulleiterin Katrin Franke schwärmt regelrecht von der Entwicklung digitaler Lernmethoden: „Manche Kollegen waren richtig kreativ, um den Schülern Abwechslung zu bieten.“

Kochanleitungen veschickt

So haben sie im Hauswirtschaftsunterricht Kochanleitungen verschickt, die Kinder haben sie zu Hause getestet und das Ergebnis sogleich der Lehrerin kurz vorm Verspeisen via Bildschirm präsentiert. Auch Lieder und Gedichte wurden auf diese Weise vorgestellt. „Die Lehrer haben jedem Schüler zu fast allen Aufgaben ein Feedback gegeben“, sagt Katrin Franke, „das war mühsam, hat aber Eltern und Kinder gefreut.“

Allerdings werden nicht alle Mädchen und Jungen gleichermaßen beschult in den Unterricht zurückkehren. Manche verfügen zu Hause nicht über die nötige Technik, das erforderliche Datenvolumen. Ein Smartphone genügt für Unterricht im Homeoffice nicht.

Und noch etwas mussten Lehrer und Schüler lernen: Den Stoff zu strukturieren, häppchenweise zu lernen. „Wir haben am Anfang den Stoff für eine Woche verschickt“, sagt Katrin Franke, „das hat viele überfordert.“ Schließlich seien die Pädagogen dazu übergegangen, mindestens zweimal die Woche kleinere Aufgabenpakete zu senden.

Warten auf das Land

Wie aber geht es ab Donnerstag weiter? Die beiden Gemeinschaftsschulen „Gottfried-Wilhelm Leibniz“ und „Johannes Gutenberg“ warten auf einen Erlass des Landes Sachsen-Anhalt. „Montag werden wir konkrete Schritte beraten“, sagt die stellvertretende Gutenberg-Schulleiterin Manuela Nebelung,

Das will auch die Leibniz-Schule so handhaben. Fest steht nur, dass die neunten und zehnten Klassen ab Donnerstag kommen, am 11. Mai startet die Prüfungszeit für die Sekundarstufen.

Noch ist nicht klar, wie die Schülerbeförderung und die erforderlichen Hygienemaßnahmen umgesetzt werden. Bildungsminister Marco Tullner verspricht: „Den Schulen werden Schutzmasken und Desinfektionsmittel als Grundversorgung zur Verfügung gestellt.“