Wolmirstedt l Matthes schnappt sein Deutschheft, geht zum Tisch, auf dem ein Laptop platziert ist. Auf dessen Bildschirm lacht ermutigend Grundschullehrerin Brita Großmann. Matthes schlägt das Heft auf und hält die Aufgaben in die Kamera. Die Lehrerin überfliegt die Seite, sieht, sie ist fehlerfrei und lobt: „Klasse Matthes, alles richtig!“

Während der Schulschließungen im Zuge der Corona-Krise war es immens wichtig geworden, dass sich Lehrer und Schüler über einen Bildschirm kontaktieren können. An der Gutenberg-Grundschule steckte diese Möglichkeit gerade in den Kinderschuhen, als Kindern im März von einem auf den anderen Tag der Schulbesuch untersagt war. Doch wie sollten sie weiterlernen, den Kontakt zu Lehrern und Lehrerinnen halten?

Seit Jahren in den Startlöchern

Digitales Lernen erschien als Ausweg. In der Gutenberg-Schule steht es seit Jahren in den Startlöchern, war aber noch nicht so weit in den Klassenzimmern angekommen, dass Lehrer und Kinder umgehend auf Bildschirmkontakt setzen konnten. Corona hat die Entwicklung wesentlich befeuert.

„Wir standen plötzlich vor der Frage: Wie übermitteln wir den Kindern die Aufgaben“, erinnert Schulleiterin Doreen Haensch.

Andere Wege gesucht

Zunächst veröffentlichte die Schule Briefe auf der Schulinternetseite. Doch nur wenige Eltern und Kinder kamen auf die Idee, dort nach Aufgaben zu suchen. Also suchten die Pädagogen andere Wege, verschickten Aufgaben mitunter sogar per Post.

Das kann nur eine Übergangslösung sein, war in der Gutenberg-Grundschule schnell klar, im Jahr 2020 muss es andere Möglichkeiten geben.

Das Internet ist längst Alltag und in fast jedem Kinderzimmer angekommen und muss sich also auch fürs Lernen in Corona-Zeiten nutzen lassen. Brita Großmann zögerte nicht. Die Grundschullehrerin sagte: „Ich richte das für jede Klasse ein.“

Postfächer angelegt

Die Cloud war schon da, eine Art Wolke, in der alle Daten abgelegt werden können. Doch noch fehlte der Gegenpart, der Erdboden, das digitale Klassenzimmer, in dem Aufgaben gestellt und gelöst werden. Also machte sich Brita Großmann an die Arbeit, legte zunächst für jeden Lehrer, jeden Schüler ein eigenes Postfach an.

Dann erarbeitete sie für jede Klasse eine Art Pinnwand, die auf dem Bildschirm sichtbar ist, auf der für jedes Unterrichtsfach ein Ordner abgelegt ist. Kinder wie Matthes konnten also den Deutsch-Ordner anklicken und haben dort ihre Aufgaben gefunden. Nachdem sie alle gelöst haben, konnten sie die Aufgaben elektronisch an den Deutschlehrer schicken, der kontrollierte und Matthes das Ergebnis mitteilte.

Doch auch die Lehrer untereinander brauchten Austausch, der im Lehrerzimmer nicht mehr möglich war. Sie mussten den Unterricht miteinander abstimmen, auch Schulleiterin Doreen Haensch wollte mit allen Kollegen gleichermaßen im Kontakt bleiben. Also richtete Brita Großmann auch die Möglichkeit ein, Videokonferenzen abzuhalten. Damit war es allen Pädagogen möglich, sich von zu Hause aus zuzuschalten und auf dem Bildschirm mit den anderen in Kontakt zu treten.

Weiterarbeiten ermöglicht

„Das ersetzt natürlich nicht den direkten Kontakt“, hat Schulleiterin Doreen Haensch festgestellt, „aber es hat uns ermöglicht, weiterzuarbeiten.“ Dabei stellte sich heraus, dass viele Lehrer die Videokonferenzen gern in den Abendstunden abhalten wollen. Also verabredeten sie sich mitunter um 20 Uhr. „Auf diese Weise kann ich auch mit den Eltern kommunizieren“, erzählt Brita Großmann, „Hausaufgaben geben und kontrollieren und sogar die Kinder Tests schreiben lassen.“

Inzwischen sind die Kinder wieder in die Grundschule zurückgekehrt, Lehrer und Schüler befinden sich gemeinsam im Klassenraum. Ob das in Zukunft so bleibt oder Corona doch noch einmal zu anderen Maßnahmen zwingt, weiß derzeit niemand. In Magdeburg beispielsweise wurden zwischenzeitlich schon wieder Schulen geschlossen.

Bei einem erneuten Lockdown könnte der Unterricht jedenfalls an der Gutenberg-Grundschule wieder zu Hause fortgeführt werden, der Kontakt über das Internet und den Bildschirm gehalten werden. Schulleiterin Doreen Haensch jedenfalls ist beruhigt: „Wir sind gewappnet, wenn es wieder eine vollständige oder teilweise Abkehr vom Regelunterricht gibt.“

Noch keine Videokonferenzen

Diesen Zustand strebt auch Ines Vogler an, die Schulleiterin der Diesterweg-Grundschule. Dort gibt es zwar bereits eine Webseite sowie Dienst-E-Mail-Adressen der Kollegen, aber der Unterricht lässt sich nicht an den Bildschirm verlagern. Auch Videokonferenzen sind noch nicht möglich.

„Wir müssen uns schnell fortbilden“, sagt Ines Vogler, „damit wir beim nächsten Mal besser gewappnet sind.“ Sie hofft zwar, dass die Schulen nicht noch einmal ganz oder teilweise geschlossen werden, aber eine Garantie gibt es nicht. „Wir wollen ebenfalls in die Lage kommen, dass wir von zu Hause aus miteinander arbeiten können.“ Die Organisation für die Fortbildung ist bereits angeschoben.