Barleben l Stefanie Böttcher tröstet bei Kummer, hilft bei familiären oder schulischen Problemen, vermittelt bei Streitigkeiten und hat immer ein offenes Ohr für ihre Schützlinge. Sie organisiert auch Projekte und Ferienprogramme. Aus dem Unterrichtsalltag ist die Schulsozialarbeiterin für die Kinder und Jugendlichen, die an der Barleber Gemeinschaftsschule lernen, nicht wegzudenken.

So sehen das auch Celina, Lucie, Eve, Yasmin und Sarah aus der 6. Klasse. Als sie davon gehört haben, dass die Stelle von Stefanie Böttcher wie die von rund 400 anderen Schulsozialarbeitern in Sachsen-Anhalt derzeit auf wackeligen Beinen steht, wollten sie selbst aktiv werden. In zwei Gruppen sind die Kinder auf eigene Faust durch Barleben gelaufen, haben in Geschäften vorgesprochen und an privaten Haustüren geklingelt, um möglichst viele Unterschriften zu sammeln. Und sie wollen weitermachen.

Aktionsbündnis hat sich gegründet

Hintergrund: Mit dem 31. Juli 2020 läuft das Programm aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Förderung der Schulsozialarbeit und Netzwerkstellen im Land aus. Um diese nun fest und dauerhaft zu verankern, hat sich vor kurzem ein Aktionsbündnis gegründet. Darin haben sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen-Anhalt, der Landeselternrat und der Landesschülerrat, die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege sowie die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung zusammengeschlossen. Mit einer Unterschriftenaktion wollen sie die Landesregierung auffordern, „umgehend ein Konzept zur nachhaltigen Implementierung der Schulsozialarbeit in Sachsen-Anhalt vorzulegen“, alle Schulen flächendeckend mit Schulsozialarbeitern zu versorgen und bestehende Schulsozialarbeiterprojekte sowie die Netzwerkstellen weiterzuführen. Ihr Ziel: Bis zum 15. April wollen sie landesweit insgesamt 100.000 Unterschriften sammeln.

In Barleben haben sich schon fast 400 Leute in die Unterschriftenlisten eingetragen. Dass es bereits so viele Unterstützer gibt, dazu haben auch die fünf Mädchen beigetragen. „Ich war total überrascht und stolz“, sagt Stefanie Böttcher. Die Aktion der Schülerinnen zeigt, wie wichtig ihnen ihre Schulsozialarbeiterin ist. „Frau Böttcher hilft uns bei allem“, „Sie ist cool und nett“, „Sie hat immer ein Ohr für uns“, rufen die Schülerinnen im Gespräch mit der Volksstimme durcheinander. Bevor sie zurück in ihre Klassenräume gehen, umarmen sie ihre Frau Böttcher zum Abschied noch schnell.

Andere Schüler wollen nachziehen

Inzwischen wollen auch andere Klassen nachziehen und ebenfalls Unterschriften sammeln, um das Aktionsbündnis zu unterstützen. „Die Schulsozialarbeit ist über Jahre aufgebaut worden und nicht mehr wegzudenken“, sagt Stefanie Böttcher. Manchmal sei so viel zu tun, dass ein Schulsozialarbeiter eigentlich gar nicht ausreiche, fügt die Magdeburgerin hinzu. Sie ist seit Oktober 2017 an der Gemeinschaftsschule in Barleben tätig, Träger der Schulsozialarbeit dort ist der Paritätische.

Weitere Informationen zum Aktionsbündnis „Schulsozialarbeit dauerhaft verankern“ sind online zu finden.