Farsleben l „Risse steigen stets in den Gebäudeteil hinauf, der sich senkt“, erklärt Kreisdenkmalpfleger Erhard Jahn. Im Falle der Farsleber Kirche heißt das, der östliche Giebelteil sackt ab. Ursache ist der Untergrund, der auf jede Feuchtigkeitsänderung empfindlich reagiert. „Einsturzgefahr besteht nicht“, beruhigt Erhard Jahn, „mit diesen Setzungsrissen kann und muss man leben.“

Keine Einsturzgefahr

Die Risse zeigen sich vor allem im glattgestrichenen Innenputz. Im Außenmauerwerk, das unverputzt ist und aus Feldsteinen besteht, sind sie nicht zu erkennen. Jahn weiß: „Die Mauern arbeiten mit.“

Die Bewegungen der Kirche sind dem Kreisdenkmalpfleger bekannt, auch Werner Teige und Eberhard Schwenecke vom Gemeindekirchenrat können darüber Geschichten erzählen. Sie erinnern sich gut an die Zeit, als der Dachstuhl eingestürzt war. Die Kirche wurde erst 1997 wieder in Form gebracht. „Auch da haben wir Riesen-Setzungsrisse vorgefunden“, erinnert sich Erhard Jahn.

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Boden reagiert auf Feuchtigkeit

Ursache ist der Baugrund, der offenbar von einer Tonschicht durchzogen ist. In trockenen Zeiten zieht sich der Boden zusammen, nahestehende Bäume entziehen zusätzlich Feuchtigkeit. Bei Regen quillt der Untergrund auf.

Dem nebenstehenden Pfarrhaus ist diese Bodenbewegung schon zum Verhängnis geworden, es ist in den 60er Jahren zusammengefallen. Große Risse zeigen sich auch heute in einer Mauer des Nachbargrundstücks. Betroffen sind auch die Gebäude von Webers Hof.

Kirche 1997 stabilisiert

Die Kirche immerhin wurde während der Sanierung 1997 stabilisiert. Damals wurde das Fundament freigelegt und dabei festgestellt, dass es unterm Kirchenschiff nur 70 bis 80 Zentimeter tief in die Erde reicht und sehr schmal ist. Das Fundament bekam eine Stahlbewährung, die mit Beton ausgegossen wurde, das Kirchenschiff einen Ringanker aus Stahlbeton und einen Querbalken im Innern. „Die Mauern hatten sich so nach außen gewölbt, als hätte die Kirche einen Bauch“, beschreibt Eberhard Schwenecke den Anblick. Die weitere Neigung der Wände ist inzwischen gestoppt.

Damals haben Mittel aus dem Dorferneuerungsprogramm geholfen, außerdem viel Eigeninitiative der Farsleber Bürger, der regionalen Unternehmen und der Feuerwehr. Maler, Fliesenleger und mehr waren in Aktion. „Es waren so viele Leute dabei, die hatten die Kirche bis dahin noch nie von innen gesehen“, beschreibt Eberhard Schwenecke. Gottesdienst wurde erstmals wieder Weihnachten 1997 gefeiert

Boden soll verfestigt werden

Im Gegensatz zu damals ist die Ausbesserung des aktuellen Risse geradezu eine Kleinigkeit. Der Putz muss abgeschlagen und die Fugen mit Quellmaterial verfüllt werden. Die Finanzierung läge in den Händen der Kirchengemeinde, bisher ist den Farslebern allerdings kein Signal der Pfarrerin bekannt.

Um weitere Setzungen zu verhindern, müsste der Baugrund grundsätzlich verbessert werden. „Dazu müsste man in eine Tiefe von fünf bis zehn Metern gehen und den Boden mit Injektionen festigen“, erklärt Jahn. Das würde ungeheure Kosten verursachen.

Die Farsleber Kirche stammt etwa aus dem Jahr 1755, wurde 1882 erneuert. Eine Besonderheit ist: sie trägt keinen Namen.