Jersleben l Ganz frisch unterzeichnet ist der Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Niedere Börde und dem Sportverein (SV) Blau-Weiß 90 Jersleben. Er sagt aus, dass der Verein seit 1. Juli Mieter des Jersleber Sportplatzes und des daneben stehenden Vereinsheims ist. Vorher war das nicht so. Die Gemeinde Niedere Börde stellte den Sportlern den Platz zuvor zur Verfügung – gegen eine sehr geringe Nutzungsgebühr.

Im Zuge der Haushaltskonsolidierung entschieden sich die Gemeinderäte der Niederen Börde im vergangenen Jahr jedoch dafür, die Sache mit den Sportstätten anders zu handhaben. Das hatte die Verwaltung vorgeschlagen. Denn die Gemeinde Niedere Börde war noch einige der wenigen, die ihren Sportlern die Nutzung von Plätzen und Sporthallen fast kostenlos möglich machte – in Jersleben zahlte sie bislang beispielsweise alle anfallenden Betriebskosten selbst. Als sich die Gemeinderäte 2015 dazu entschieden, freiwillige Leistungen drastisch zu reduzieren, damit die Gemeinde aus dem Haushaltsdefizit herauskommt, war klar, dass sich irgendwann auch bei der Nutzung der Sportstätten etwas ändern müsse. Den Beginn machte der Sportverein Jersleben in diesem Jahr.

Er hat zwar einen Vertrag mit der Gemeinde, dem keine Nutzungsgebühren anhängen. Die Betriebskosten für Platz und Vereinsheim müssen die Sportler aber von nun an alleine tragen. Und das ändert einiges für den Verein, der insgesamt 50 Mitglieder, davon 35 aktive, zählt. Sieben Neuzugänge gab es in der letzten Zeit. Die Herrenmannschaft setzt sich vor allem aus Spielern zusammen, die aus der Umgebung Jerslebens, auch aus Magdeburg, kommen. Torsten Ehrling beispielsweise stammt aus Glindenberg.

„Wir lieben unseren Sportverein einfach“, sagt der junge Mann und erklärt damit auch, warum er neben Studium in Riesa und Praktikum in Magdeburg den Stress auf sich nimmt, jedes Wochenende in die Heimat zu fahren. Lange Zeit war er Trainer der Jersleber Fußballmannschaft. Im Juni entschied allerdings Dietmar Renner, seinen Posten als Vereinsvorsitzender des SV Blau-Weiß 90 Jersleben aus privaten Gründen niederzulegen. Und so wurde Torsten Ehrling neuer Vorsitzender des Vereins, als sein Stellvertreter rückte Fabian Müller auf, der außerdem vom früheren Spieler zum Trainer gemacht wurde. Er arbeitet derzeit vorübergehend unter der Woche in Berlin, fährt jedes Wochenende in seinen Wohnort Glindenberg und findet dort noch die Zeit, seine Posten im Verein auszuüben. Neuer Kassenwart ist seit Juni Ronny Schleiermacher.

Die jungen Männer müssen sich nun nicht nur ihren neuen Aufgaben widmen, sondern auch dafür sorgen, dass genug Geld für Strom, Wasser, Heizung, Versicherung und sonstige Ausgaben für Sportplatz und Sportlerheim in die Kasse kommen. Die Mitgliederbeiträge wurden deshalb bereits angehoben, wenn sie im Vergleich zu anderen Vereinen auch noch moderat sein mögen.

Das reicht jedoch noch nicht für die jährlichen Betriebskosten, die in den vergangenen Jahren zwischen 3500 und 4000 Euro jährlich lagen, so teilte es die Gemeinde dem Verein mit. „Wir sind derzeit verstärkt auf Sponsorensuche“, sagt Torsten Ehrling. Geld werde natürlich nicht nur für die laufenden Kosten der Sportstätte benötigt, sondern auch für Investitionen, die ein Sportverein stets hat – neue Trikots, Gebühren für Spielanmeldungen und vieles mehr. Zudem müsse der Gemeinschaftsraum des Sportlerheims demnächst erneuert werden, beispielsweise muss er neu gestrichen werden. Schäden, die Sturm „Paul“ Ende Juni verursacht hat, beseitigt noch die Gemeinde Niedere Börde. So stürzten vier Bäume um und das Vordach des Vereinsheims wurde durch Hagel zerstört.

Weiterhin fehlen den Jersleber Fußballern bei Heimspielen nach wie vor dringend Parkplätze. An einer gemeinsamen Lösung mit der Gemeinde Niedere Börde und dem Erholungscenter Jersleber See der Gemeinde Barleben wird derzeit gearbeitet. Um Fans und Freunde des Vereins noch besser informieren zu können, sitzen die Fußballer außerdem gerade an einer neuen Internetseite.

Mit der künftigen Finanzierung ihrer Sportstätte sind die Jersleber Fußballer in der Gemeinde Niedere Börde übrigens nicht alleine. So soll beispielsweise der Meseberger Sportplatz samt Sporthalle ab 1. Januar 2018 an den dortigen Sportverein vermietet werden. Der Groß Ammensleber Sportplatz wiederum konnte an einen Hundesportverein verpachtet werden, der außerhalb der Niederen Börde ansässig ist. Auch für weitere Sportstätten sollen in der Zukunft adäquate Lösungen gefunden werden.

Informationen und Kontakt zum SV Blau-Weiß 90 Jersleben erhalten Interessenten und potentielle Sponsoren vor allem über den Facebook-Auftritt der Fußballer unter www.facebook.com/jersleben