Dahlenwarsleben l Das Problem war bereits Thema in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag. Das Dahlenwarsleber Ratsmitglied Dominik Richter hatte angesprochen, was während einer ersten Vorabnahme der einstigen Baustellen vor wenigen Tagen festgestellt wurde: Die Pflasterarbeiten im Zuge der Schließungen ehemaliger Gräben, in die die Lerrohrsysteme in den vergangenen Monaten verlegt wurden, müssen nachgebessert werden.

So waren zur ersten sogenannten Oberflächenabnahme Vertreter der bauausführenden Firmen, der Gemeindeverwaltung sowie des Ortschaftsrates zusammengekommen, um auch die Frage zu erörtern, ob denn noch Nachbesserungen notwendig sind. Laut Richter ist der Bedarf riesig und sogleich begann er mit der Aufzählung. So gebe es beispielsweise Stellen, an denen nunmehr gar kein Pflaster mehr vorhanden ist. Außerdem seien teils nicht originale Pflastersteine verwendet worden, also andere, also vorher dort verlegt worden waren. „Das sieht aus wie ein Flickenteppich“, merkte der Kommunalpolitiker an, der auch im Dahlenwarsleber Ortschaftsrat sitzt. Außerdem seien nunmehr ganze Straßen defekt, weil diese durch neu entstandene Unebenheiten nun zur Huckelpiste geworden sind. Diese Stellen seien „handwerklich einfach schlecht gemacht und sehen blöd aus“, sagt Dominik Richter auch gegenüber der Volksstimme. So sind viele der neu gesetzten Betonsteine auf Fußwegen oder Straßen mit Sand verfugt. Doch laut dem Politiker hätte es sogenanntes Grus sein müssen, also eine Art grobkörniges Steinmehl.

Spuren von Rüttelplatten

Auch seien sogenannte Rammschläge offenbar nicht berücksichtigt worden. Ein Rammschlag ist jene veranschlagte Höhe, die Steine benötigen, um sich mit der Vibrationsplatte auf ein bestimmtes Niveau herunterrütteln zu lassen. Eine Vibrations- oder Rüttelplatte ist eine motorbetriebene Baumaschine, die zur Bodenverdichtung eingesetzt wird. Dabei vibriert eine Stahlplatte, die über die Oberfläche von Pflasterungen gezogen beziehungsweise geschoben wird. „Doch hier ist alles krumm und schief, damit können wir uns nicht zufrieden geben“, pflichtet Ortsbürgermeister Philipp Voß seinem Ortschaftsratskollegen bei und verweist in diesem Zusammenhang auf die Spuren dieser Rüttelplatten. Sie sind teils großflächig auf den Oberflächen der Betonpflastersteine zu erkennen. „Dass diese Maschine solch krassen Spuren hinterlässt, ist mir neu“, sagt Ortschef Voß und Dominik Richter fügt hinzu: „Die haben wohl vergessen, die erforderliche Gummimatte einzusetzen.“

Die jüngst entdeckten Schadstellen würden sich im Prinzip im gesamten Ort finden, vor allem aber im Telzweg, in der Peterstraße, der Krugstraße sowie am Eichplatz. „Dabei haben wir noch nicht einmal alles gesehen. Nach über drei Stunden haben wir nur ungefähr die Hälfte des Ortes geschafft“, berichtet Dominik Richter.

Doch ist es nicht so, dass die Übrigbleibsel von Baustellenprojekten immer eine Zeit benötigen, um vollends zu verschwinden? Pflastersteine können sich im Laufe der Zeit setzen und Fugen sich durch Wind und Wetter verfüllen. Doch Richter sieht das anders: „Die Anwohner haben vor noch nicht allzu langer Zeit Ausbaubeiträge bezahlt, als ihre Straßen erneuert wurden. Und nun bekommen sie so etwas vor die Nase gesetzt.“

Probleme sind bekannt

Ina Stimpel kennt die Probleme. „Wir werden da auch nicht lockerlassen“, sagte die zuständige Fachdienstleiterin der Gemeindeverwaltung bereits auf der Gemeinderatssitzung. Die jüngste Oberflächenabnahme sei nur eine Vorabnahme von insgesamt zwei weiteren, die noch folgen würden. Wie sie weiter erklärte, kommen diese Fehler während solcher Bauprojekte immer mal wieder vor. Erfahrung mit dem Breitbandausbau hat die Fachfrau übrigens bereits vor zwei bis drei Jahren gesammelt, als sie in der Verwaltung der Einheitsgemeinde Sülzetal den dortigen Glasfaserausbau mit begleitete.

So würden Fehler wie Unebenheiten in den Straßen und Fußwegen in den nächsten Wochen und Monaten natürlich durch die Baufirma behoben. Doch Probleme bereiten wohl die verschiedenen Pflastersteine, wie sie nun an mehreren Stellen im Ort vorkommen. Ina Stimpel geht davon aus, dass während der Zeit, als die Gräben gebuddelt wurden, aufgenommene Betonquader von Langfingern entwendet wurden. Um die Löcher vorerst zu stopfen, wurden zunächst artfremde Steine verwendet. Deshalb müssten nun Steine der selben Sorte bestellt werden. „Es ist aber oft so, dass bestimmte Sorten gar nicht mehr geliefert werden, weil diese aus dem Programm genommen wurden“, erklärte die Fachdienstleiterin und fügte hinzu: „Und es kann auch mal sein, dass Steine im Laufe der Jahre vom Hersteller verändert werden, obwohl die Bezeichnung gleich bleibt.“ Nur deswegen ganze Straßen und Fußwege neu zu pflastern sei nicht zu vertreten.

Kein einheitliches Bild

Dafür sei der Vorschlag erörtert worden, die Versiegelung am Ende eines betreffenden Weges aufzunehmen, mit neuen Steinen zu versehen und mit den alten Steine jene Stellen zu stopfen, bei denen aktuell kein einheitliches Bild herrscht. „Wir werden das alles noch klären müssen“, sagte Stimpel und betonte noch einmal, dass noch zwei geplante Abnahmen folgen würden und dann ganz genau hinzuschauen.

Von der Baufirma war am Freitag niemand zu erreichen.