Wolmirstedt l Um es gleich vorweg zu nehmen: Sollten sich alle Wolmirstedter plötzlich ein Elektro-Auto anschaffen, würde das lokale Netz angesichts des immensen zusätzlichen Strombedarfs wohl in die Knie gehen. Da hilft auch das große Umspannwerk im Norden der Stadt erst einmal nicht. Das agiert überregional, ist nur indirekt für Wolmirstedts Stromversorgung zuständig. Erst einmal muss vor Ort investiert werden, im lokalen Stromnetz, und dafür sind die Stadtwerke verantwortlich. Wie weit die für eine steigende Elektromobilität gerüstet sind, ließ sich Stadtwerke-Chef Harald Luther nicht entlocken. Er verwies an „die große Politik“.

Das Thema scheint noch in den Kinderschuhen zu stecken. Im gesamten Landkreis Börde sind 168 Elektro-Autos und 535 Hybridfahrzeuge zugelassen. Angesichts einer steigenden Zahl von Elektro-Autos müssten die Stadtwerke also mehr Energie, mehr Infrastruktur bereitstellen. Allerdings agieren die Stadtwerke nicht autark, werden von der Avacon beliefert. „Den zusätzlichen Bedarf würden die Stadtwerke an die Avacon melden“, sagt deren Sprecherin Corinna Hinkel. Die Avacon ist für das Hochspannungsnetz verantwortlich, also auf der „mittleren Ebene“ tätig. Die Investitionskette müsste offenbar von unten her angeschoben werden.

Die Zukunft der Elektro-Autos ist in aller Munde. Bei Bedarf könnte jeder sein Auto in der Garage laden, aber womöglich funktionieren dann weder Waschmaschine noch Föhn. Zukunftsträchtiger wären also sogenannte Schnellladesäulen oder angemessene Hausanschlüsse. Dafür müssen mitunter vor Ort stärkere Kabel gelegt, leistungsstärkere Transformatoren errichtet werden, erklärt Andreas Mötzing, der unter anderem für das große Umspannwerk in Wolmirstedt verantwortlich ist. Doch solche Ausweitung der Infrastruktur klingt derzeit nach viel Zukunftsmusik.

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Strom wird "steckdosentauglich"

Setzte diese Zukunftsmusik ein, wäre das letztendlich auch im Wolmirstedter Umspannwerk spürbar. Das agiert mit seinem Höchstspannungsnetz im 220- und 380-Kilovoltbereich „ganz oben“ in der Strom-Hierarchie. Von diesem Höchstspannungsnetz bekommt auch die Avacon ihren Strom, der anschließend für die Stadtwerke und somit für die Kleinabnehmer wie Einfamilienhäuser oder Kleinbetriebe „steckdosentauglich“ heruntertransformiert wird.

In diesem Umspannwerk und seinem Höchstspannungsnetz wird längst für die Zukunft gebaut. Verantwortlich ist „50 Hertz“ als Übertragungsnetzbetreiber in der ostdeutschen Region. Dieses Höchstspannungenetz, sammelt, führt und verteilt den Strom - der stammt auch von den großen Windparks der Ostsee.

Das Netz spannt sich bis ins Erzgebirge und den Thüringer Wald, von Helmstedt bis an die polnische Grenze. Fünf 380-Kilovolt-Leitungen treffen in Wolmirstedt zusammen, hier wird der Strom transformiert, umgespannt, in sämtliche Himmelsrichtungen wieder verteilt (siehe Grafik).

Der Strom stammt aus mehreren Quellen, von Windrädern, aus Kraftwerken, Biogasanlagen, Wasserkraftwerken, selbst die überschüssige Energie der Solaranlagen auf den Dächern von Einfamilienhäusern wird in dieses Netz eingespeist. „Die hohe Spannung von 380 Kilovolt ist nötig, um große Strecken zu überwinden“, sagt Andreas Mötzing.

220-Kilovolt-Leitungen werden ersetzt

Derzeit werden 220- durch 380-Kilovolt-Leitungen ersetzt. Die Bautätigkeiten sind in der Region Wolmirstedt deutlich erlebbar (gewesen). Neue Masten für die 380-Kilovolt-Leitung wurden errichtet, Masten der alten 220-Kilovolt-Leitung zurückgebaut.

Die neue Trasse wächst parallel zur alten. Dafür wurde durch den Wald zum Teil eine Schneise geschlagen. In Bereichen, die der neuen Leitung gefährlich werden können, sind Bäume gefallen, Vogelhorste wurden erhalten. „50 Hertz“ spricht von einem ökologischen Schneisenmanagement. Die Arbeiten sind fast fertig. Die letzte der neuen 380-Kilovolt-Leitungen wird voraussichtlich im März in Betrieb gehen.