Elbeu l Reinhard Jacob liebt seine Bienen, ein Leben ohne sie wäre für ihn unvorstellbar. Wäre er mit seinen geliebten Bienen verheiratet, würde der 72-Jährige inzwischen eiserne Hochzeit feiern. „Mit 13 Jahren habe ich mit Bienen angefangen. Und solange es noch geht, will ich das weiter machen.“

Der Rentner hat in seinem Leben verschiedene Jobs ausgeübt. Er war Mathe- und Physiklehrer, danach im Großhandel als Versandleiter tätig. Danach machte er den Straßenbetriebsbaumeister und arbeitete dann halbtags als Hausmeister. Seiner Leidenschaft für Bienenzucht ist er immer treu geblieben.

„Für mich ist es ein abwechslungsreiches Hobby voller Überraschungen. Jedes Bienenvolk ist anders, manche sind ruhig, manche wieder aggressiv. Jedes Jahr ist auch immer anders, die Wetterverhältnisse ändern sich. Das ist spannend.“ Etwa 45 Bienenvölker betreut er, pro Volk können sich 50.000 Bienen tummeln. „Außerdem habe ich auch in etwa 35 kleinere Völker in Reserve“, fügt Reinhard Jacob hinzu.

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Sobald es draußen um die 12 Grad sind, geht er mit seinen Bienen auf Reisen, besucht umliegende Wiesen und Felder. Bei einem Landwirt in Wulfenstedt summen die Bienen. Zur Saatgutvermehrung des Raps‘ auf der einen Seite und zur Erzeugung von Rapshonig auf der anderen Seite verbringen die summenden Völker mehrere Wochen vor Ort.

Weiter geht es mit der Robinie und der Akazie, mit seinen Bienen zieht er zu sogar bis zu den Linden in der Colbitzer Heide.

Das Wetter immer im Blick

Währenddessen hat der aufmerksame Imker ständig das Wetter im Blick, kontrolliert die Temperaturen und Niederschläge. Sorgfältig protokolliert er alles. Wie flugfreudig Bienen sind und in welcher Stimmung, hinge von der Kombination aus Wetter, Anzahl der vorhandenen Blüten und Zustand des Insektenvolkes allgemein ab. „Wenn es heiß ist, fliegen die Bienen eher wenig“, erklärt der Wolmirstedter.

Im Sommer kümmert er sich um die Königinnenzucht. Danach erntet Reinhard Jacob den Honig und schleudert ihn. Bei einer schlechten Ernte gibt es nur 30 Kilogramm Honig pro Bienenvolk, bei einer guten doppelt so viel. Um die sieben bis neun Honigsorten gewinnt er, darunter Rapshonig, Weidenhonig, Obstblütenhonig oder Akazienhonig.

Ab Juli bereitet der Imker die Bienen auf den Winter vor. „Ich nehme die Honigräume ab und beginne mit der Fütterung für den Winter.“ 18 Kilogramm Zucker bekommt jedes Bienenvolk, das lagern sie als Winterfutter ein. Auch eine Gesundheitskontrolle sei wichtig, vor allem die Varroamilbe ist ständiger Feind der Bienen.

Im Winter muss der Imker nur gelegentlich bei den Bienen nachschauen, ob alles in Ordnung ist. Zeit für andere Arbeiten: So vermarktet Reinhard Jacob seinen Honig und baut Rähmchen sowie Beuten für das nächste Jahr.

Mit dem vergangenen Jahr ist der Imker recht zufrieden: „Es war ein moderates Jahr, ich habe meine Bienen durchbringen können. Leider ist eine Königin ausgefallen, das hat einen anderen Bienenschwarm angelockt. Dann gab es eine regelrechte Invasion, also Krieg zwischen den Bienenvölkern“, berichtet Reinhard Jacob. Wäre der Ausfall nicht gewesen, hätte es ein sehr gutes Bienenjahr werden können. Besonders gut waren der Raps, Robinie und Linde. Doch alles danach fehlte, weil der heiße trockene Sommer die Pflanzen austrocknen ließ. Dafür erntete er besonders viel Waldhonig, der sehr malzig und kräftig schmecke.

Sorge aufgrund des Bienensterbens

Reinhard Jacob macht sich auch angesichts des Insekten- und Bienensterbens große Sorgen: „Wir müssen die Bienen erhalten, denn sie sind für Natur und uns Menschen sehr wichtig. Ein Großteil der Pflanzen werden vor allem von Bienen bestäubt.“ Darum sei es wichtig, etwas zum Erhalt der Bienen zu tun. Jeder Einzelne könne aktiv werden: „Möglichst im Garten nicht nur die hoch gezüchteten Blumen, sondern vor allem einfache Blumen, die den Bienen Nektar und Pollen geben.“

Am besten sei es, selbst zu imkern. Er selbst habe vor allem von seinem Großvater und Vater vieles gelernt. „Entscheidend ist, dass man sich dafür interessiert und viel Zeit mitbringt.“ Sein Wissen gibt er an drei anderen Paten weiter, die mit dem Imkern neu begonnen haben.

Außerdem ist Reinhard Jacob stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins in Wolmirstedt. Derzeit hat der Verein etwa 25 Mitglieder. „Wir tauschen uns untereinander aus und geben uns gegenseitig Hilfe.“ Waren die meisten früher noch über 60 Jahre alt, sind jetzt sehr viel Jüngere dabei. „Aber die Jüngeren haben meist viel mit Arbeit und Familie zu tun und können daher nur wenige Bienenvölker betreuen,“ erklärt Jacob.

Mit dem Alter werde es für den 72-Jährigen immer schwerer mit der Bienenzucht. „Doch meine Frau und meine Tochter helfen mir sehr viel dabei“. Auch die kleinen Enkel packen schon mit an. Der 72-Jährige hofft darauf, dass seine Enkel die Bienenzucht mal übernehmen werden.