Wolmirstedt l Bernd Kowol betreibt sein Taxiunternehmen seit der Wende, ist seit beinahe 30 Jahren als Fahrdienstleister unterwegs. Pausenzeiten kennt er kaum, dem Bild des wartenden Taxifahrers entspricht er nicht. Wer mal schnell von einer Party abgeholt werden möchte, ist gut beraten, das vorher anzumelden. Spontan ist meist nicht viel zu machen.

Dasselbe berichtet Henrik Wolff. Auch er betreibt ein Taxiunternehmen in Wolmirstedt, seit 13 Jahren. Auch seine Autos sind ständig unterwegs. Sein Telefon klingelt mitunter im Minutentakt. Eine Mutter möchte, dass am Wochenende die Kinder von der Kinderparty heimgefahren werden, eine alte Dame wird aus dem Krankenhaus entlassen und bittet um eine Fahrt. Henrik Wolff notiert die Daten sorgfältig, verspricht, zur rechten Zeit werde ein Fahrer vor der Tür stehen.

Die meisten Fahrten seien Krankenfahrten, sagen übereinstimmend beide Unternehmer. So begleiten Taxifahrer ihre Kunden oft über einen längeren Zeitraum, mitunter über Jahre, zur Dialyse, Bestrahlung oder Chemotherapie. Unterwegs bieten Henrik Wolff, Bernd Kowol und die anderen Taxifahrer nicht nur den Platz im Auto an, sondern die Fahrer haben auch ein offenes Ohr. Ein Vertrauensverhältnis wächst, besteht manchmal über Jahre. Oft erleben Taxifahrer, dass es den Menschen guttut, während der Fahrt zu reden, die Sorgen loszulassen, wohlwissend, dass die Kummerworte den Innenraum des Taxis nicht verlassen. „Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet“, sagt Bernd Kowol.

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Krankenfahrten von den Kassen bezahlt

Selbstverständlich ist es für Taxifahrer auch, älteren oder kranken Menschen zu helfen, über den Fahrdienst hinaus das Leben etwas zu erleichtern.

Die Krankenfahrten werden in der Regel von den Kassen bezahlt, kümmern müssen sich die Versicherten jedoch selber, Verbindungen zwischen Kassen und Taxiunternehmen gibt es nicht. Auch der Preis für die gefahrenen Kilometer ist nicht verhandelbar, sondern an einen Tarif gebunden.

Den Zahlen nach sind zumindest in Wolmirstedt und den Ortsteilen genug Privatautos vorhanden. 11.800 Einwohnern stehen 9150 Fahrzeuge zur Verfügung. Das war vom Landkreis zu erfahren. Trotzdem haben die Taxifahrer gut zu tun. Sowohl Bernd Kowol als auch Henrik Wolff würden sich über mehr Fahrer freuen. „Doch Fahrer zu finden, ist eine Katastrophe“, weiß Henrik Wolff.

So geht es gar nicht anders, beide Chefs sitzen selbst ständig im Auto, tagsüber, frühmorgens, spätabends, an Wochenenden, Feiertagen. Bernd Kowol wird bald 70, ein wenig will er noch unterwegs sein. Auch wenn ihn eines nervt: Die vielen Autofahrer auf den Straßen, die immer glauben im Recht zu sein.

Sowohl Henrik Wolff als auch Bernd Kowol haben mehrere Autos und Fahrer am Start, darunter auch Großraumfahrzeuge für mehrere Personen und Gepäck. Rollatoren können problemlos transportiert werden, das ist besonders für die Krankenfahrten nötig.

Und dann gibt es ja auch noch die kuriosen Geschichten, die Taxifahrer im Laufe ihres Berufslebens erleben, doch beide Unternehmer lassen sich keine solcher Geschichten entlocken. Erleben sie wenigstens - wie in Filmen oft gezeigt - knutschende Pärchen auf der Rückbank? „Klar“, sagt Henrik Wolff und setzt noch einen drauf. Er lässt sich manchmal selbst mit seiner Frau nach Hause chauffieren, von einem Fest: „Dann knutschen meine Frau und ich auch auf der Rückbank.“