Hermsdorf l Ein Schwan mit Blut am Schnabel und am Federkleid, der hinter dem Einkaufszentrum Elbe-Park gestrandet war, sorgte am Freitag für allerhand Aufruhr. Dass er sich auch nicht von vorbeifahrenden Autos beunruhigen ließ, sorgte tierliebe Passanten. Dem Tier muss geholfen werden, sagten sie sich.

Doch wer hilft in diesem Fall? Alles, was naheliegend war, brachte keinen Erfolg. So hatte ein Mitarbeiter eines Geschäftes, der namentlich nicht genannt werden möchte, innerhalb von zwei Stunden zahlreiche Stellen kontaktiert und war der Verzweiflung nahe – ebenso wie seine Kollegen. „Die Feuerwehr sei nicht zuständig, weil es keine Tierrettung im Landkreis gibt“, fasste er seine Erkenntnis nach seinem Anruf in der Leitstelle zusammen. Ebenso wiesen ihn ein Tierheim, der Zoo und der Naturschutzbund (Nabu) aus verschiedenen Gründen ab oder nannten ihm andere Ansprechpartner. „Auch bei der Unteren Jagdbehörde habe ich angerufen, aber da war die Sprechstunde zu Ende“, so der junge Mann.

Veterinäramt ist zuständig

Erfolgversprechend waren Anrufe beim Ordnungsamt der Hohen Börde und bei der Polizei. Dort wollten sich die Mitarbeiter nach Aussage des jungen Mannes kümmern. „Irgendwann hat auch jemand vom Veterinäramt bei uns angerufen, der sich kümmern wollte. Den hatten wir aber nicht verständigt“, fügt er hinzu.

Das bestätigten auf Nachfrage der Volksstimme auch die Mitarbeiter des kreislichen Veterinäramtes. Bereits am späten Vormittag war ein Mitarbeiter telefonisch durch einen Mitarbeiter der Gemeinde Hohe Börde über den auffälligen Schwan informiert worden. Außerdem wurde mitgeteilt, dass sich die Ordnungsbehörde mit einem Jäger in Verbindung setzen wird. Die Veterinärbehörde hat in diesem Zuge mögliche Hilfestellungen der tierärztlichen Versorgung angeboten.

Nach Aussage der Mitarbeiter der Veterinärbehörde ist das Ordnungsamt grundsätzlich für herrenlose Tiere zuständig, aber nicht für Wildtiere, zu denen auch Schwäne gehören.

Tierarzt fand den Schwan nicht

Darauf hat auch das Ordnungsamt der Gemeinde Hohe Börde nach eigener Aussage in mehreren Telefonaten mit der Leitstelle des Landkreises am Freitag hingewiesen. „Da alle eigenen Versuche unseres Ordnungsamtes scheiterten, die zuständigen Stellen des Landkreises zu erreichen, setzte sich der Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit dem örtlichen Jagdpächter in Verbindung, welcher zusicherte, sich um den verletzten Schwan zu kümmern“, hieß es am Montag aus der Gemeindeverwaltung.

Über die Leitstelle wurde dann jedoch der Bereitschaftsdienst der Veterinärbehörde gegen 14 Uhr erneut bezüglich des Schwans informiert. Da das Problem mit den Beteiligten vor Ort nicht gelöst werden konnte, wollte sich der bereitschaftsdiensthabende Tierarzt selbst ein Bild vor Ort machen. Das scheiterte allerdings, weil der Schwan gegen 16.30 Uhr am gemeldeten Fundort und im Umfeld nicht zu finden war.

Nach Angaben des ursprünglichen Finders war das Tier am Nachmittag aber noch vor Ort. Er saß inzwischen nur im Gestrüpp unweit der Autobahn. Beim Dienstantritt des jungen Mannes am Sonnabendmorgen war der Schwan weg. Ob ihm letztlich doch jemand geholfen hat oder ob der Schwan allein das Weite gesucht hat, bleibt unklar. Wie aus der Veterinärbehörde, für die Hilfeleistungen für Schwäne selten sind, zu erfahren war, ist es möglich, dass er sich selbst wieder aufgerappelt hat.