Volksstimme: Herr Müller, Sie sind der neue Tierheimleiter. Wie kam es dazu, dass Sie sich dieser Aufgabe stellen?
Otfried Müller:
Unsere Tierheimleiterin hat im November gekündigt und ohne Tierheimleiter wäre dieses Tierheim geschlossen worden. Das wollten wir auf gar keinen Fall riskieren. Zum Glück hat die Akademie für Tierschutz im November in München den Lehrgang „Grundlagen für die Leitung von Tierheimen“ angeboten. Daran habe ich teilgenommen und die Prüfungen erfolgreich abgeschlossen. Anschließend wurde ich vom Vorstand des Wolmirstedter Tierschutzvereins zum Tierheimleiter berufen. Meine eigene Vorstandstätigkeit ruht seither.

Was gehört zu Ihren Aufgaben als Tierheimleiter?
Dazu gehört vor allem die Organisation des Tierheimbetriebes. Darunter verstehe ich, das Personal anzuleiten, für das Tierwohl zu sorgen, die Gesundheits- und Hygienebestimmungen umzusetzen. Bei all dem stehen mir zwei geringfügig beschäftigte Mitarbeiter zur Seite, eine davon ist meine Stellvertreterin Karin Schulz. Außerdem sind weitere Ehrenamtler regelmäßig vor Ort. Die Arbeit als Tierheimleiter erledige ich ebenfalls ehrenamtlich. Als pensionierter Polizist ist mir das möglich.

Wie sieht der Alltag im Tierheim aus?
Grundsätzlich ist von 8 bis 16 Uhr jemand vor Ort. Die Hauptarbeit fällt morgens und nachmittags an. Jeweils zwei Stunden lang werden die Tiere gefüttert sowie die Räume und Zwinger gereinigt. Besucher sind stets willkommen, es ist jedoch besser, wenn sich vorher anzumelden. Dann kann bei Bedarf auch außerhalb der Öffnungszeiten jemand vor Ort sein.

Tierheimarbeit muss tagtäglich erledigt werden. Gibt es genug Helfer?
Tatsächlich, es ist viel Arbeit und wir sind für jede helfende Hand dankbar. Jeder, der sich bei uns einbringen möchte, ist gern gesehen, auch, wenn er nur einmal im Monat Zeit hat. Wichtig ist nur, dass wir mit dieser Hilfe zuverlässig planen können. Wir wollen wieder verstärkt die ehrenamtlichen Wege beschreiten, bemühen uns aber auch um Bundesfreiwillige.

Wieviele Tiere werden zurzeit im Tierheim betreut?
Derzeit sind drei Hunde und 32 Katzen bei uns untergebracht. Außerdem nehmen wir regelmäßig Pensionshunde auf.

Das Tierheim verfügte mehrere Monate lang über keine Betriebserlaubnis. Daraufhin haben Gemeinden ihre Verträge gekündigt. Wie ist der Stand der Dinge?
Die Betriebserlaubis wurde zum 1. August 2017 wieder erteilt. Der Vertrag mit der Gemeinde Barleben war ohnehin nicht gekündigt worden, der ruhte. Mit Wolmirstedt haben wir seit dem 1. Januar wieder einen Vertrag geschlossen. Da wir im Sinne der Gefahrenabwehr Fundtiere dieser Gemeinden aufnehmen, bekommen wir eine Jahrespauschale. Barleben zahlt einen Euro pro Einwohner, Wolmirstedt 70 Cent, das sind 20 Cent mehr als im alten Vertrag vereinbart waren. Damit fließen aus Wolmirstedt etwa 8400 Euro, aus Barleben etwa 9500 Euro. Die anderen Gemeinden haben sich andere Tierheime als Partner gesucht.

Steht damit ausreichend Geld zur Verfügung?
Nein, mit zwei Verträgen kann das Tierheim nicht aufrecht erhalten werden. Auch wenn wir viel ehrenamtlich arbeiten, brauchen wir trotzdem qualifizierte Fachkräfte und außerdem stehen einige Baumaßnahmen an. Wir sind über Sponsoren sehr dankbar und wollen uns in diesem Jahr außerdem um Fördermittel bemühen, die wir 2019 einsetzen wollen.

Gibt es Sponsoren, die den Wolmirstedter Tierschützern regelmäßig zur Seite stehen?
Ja, die gibt es. Ohne die großen und kleinen Spender wären wir im letzten Jahr überhaupt nicht über die Runden gekommen. Wir hatten vier sehr große Spender, die Geldbeträge an uns überweisen ließen. Für die Spendensammlung waren Firmenjubiläen und Geburtstage Anlass. Die vielen „kleinen“ Spender, die uns bei notwendigen Amputationen bei Katzen oder bei Futterspendenaufrufen zur Seite standen, haben sehr beeindruckt. Neben allen anderen möchte ich an dieser Stelle jedoch die Gutenberg-Schule erwähnen. Diese Schule hat uns bereits nach einem Spendenlauf 800 Euro überreicht und nach ihrem Weihnachtsmarkt mit weiteren 170 Euro unterstützt. Über dieses Engagement der Kinder freuen wir uns besonders. Hierfür sind wir sehr dankbar und hoffen auch weiterhin auf solche Unterstützung.

Welche Baumaßnahmen streben Sie an?'
Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass fünf unserer Hundezwinger als Kranken- und Quarantänestation nutzbar sind. Es kann immer passieren, dass Hunde, die ihrem Halter weggenommen werden müssen, krank sind. Diesen Tieren wollen wir gute Bedingungen bieten. Außerdem soll die jetzige Hundequarantänebox vergrößert werden. Vielleicht richten wir auch einen neuen Arztraum ein. Außerdem möchten wir die Fußböden in den Katzenzimmern beschichten, damit dort noch besser gereinigt werden kann und Krankheitskeime keine Chance haben. Ich möchte jedoch betonen: Alle geplanten Maßnahmen sind Investitionen in die Zukunft. Die Standards erfüllen wir jetzt schon.

In den Katzenzimmern spielen viele junge, hübsche Katzen. Sind die Miezen vermittelbar?
Ja. Sie sind gesund und wir hoffen, dass sie schnell jemanden finden, der ihnen ein Zuhause geben möchte. Im Mai rechnen wir schließlich wieder mit vielen neuen Maikatzen.

Wer im Tierheim mitarbeiten möchte, kann sich im Tierheim unter 039201/223 14 melden.