Wolmirstedt l Museumsmitarbeiter und SPD-Stadtrat Jörg Bonewitz ist schon lange genervt. Der Unrat, der immer wieder auf der Schlossdomäne verteilt ist, die Graffitischmierereien stoßen ihm oft schon morgens vor Dienstbeginn sauer auf. Auch die laute Musik, die Jugendliche am Abend abspielen, wenn sie sich auf der Terrasse vor der Schlosskapelle treffen, stört.

Ebenso kann Dirk Illgas, Ordnungsfachdienstleiter im Rathaus, von Zerstörungen ein Lied singen. „Der Gebäudestrahler auf der Terrasse muss immer wieder repariert werden.“ Diese Lichtquelle zu zerstören, erfordert ziemlich rohe Gewalt. Auch bei den historisch nachempfundenen Lampen werden regelmäßig die Scheiben eingeworfen.

Stärkere Überwachung gefordert

Ein Stück weit hat die Stadt schon reagiert, beispielsweise Feldsteine auf dem Zugang zur kleinen Terrasse vor der Schlosskapelle verteilt, damit niemand mehr mit dem Auto darauffahren kann. Neben der Kapelle wurde ein Zaunfeld gesetzt, damit der Zugang zum hinteren Mauerbereich erschwert wird. Zudem wurde in den Sommermonaten verstärkt kontrolliert, sodass sich die Jugendlichen bereits zu dieser Zeit an anderen Stellen getroffen haben, zuerst unter der Amtsbrücke, später am Bildungs- und Freizeitzentrum, dann im Innenhof der Julius-Bremer-Straße. Das Problem mit dem Lärm und dem Müll hat sich also verlagert.

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Jörg Bonewitz geht das alles nicht weit genug. Deshalb hat er immer wieder eine stärkere Überwachung der Kulturstätte Schlossdomäne gefordert. Nun hat die Verwaltung vier Varianten erarbeitet. Ob eine davon und - wenn ja - welche tatsächlich eingesetzt wird, wird demnächst den gesamten Stadtrat beschäftigen.

Variante 1: Stichpunktartige Kontrollgänge der Ordnungsbehörden. Zwei bis drei Mal im Monat würden Ordnungsamtsmitarbeiter und Polizeibeamte während der Sommermonate abends die Schlossdomäne kontrollieren. Kämen in diesen Monaten 15 Kontrollgänge zusammen, müsste die Stadt 1380 Euro ausgeben.

Teilweise Videoüberwachung als Favorit

Variante 2: Kontrollen durch externen Sicherheitsdienst. Während der Sommermonate kontrollieren zwei Mal in der Woche Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes die Schlossdomäne, vor allem an den Wochenenden. Bei besonderen Vorkommnissen oder drohender Gefahr werden entweder die Polizei oder das Ordnungsamt der Stadt informiert. Für diese Kontrollgänge müsste die Stadt etwa 800 Euro berappen.

Variante 3: Teilweise Videoüberwachung. Links und rechts des Herrenhauses würden jeweils unterhalb des Dachsimses Kameras angebracht werden. Sie verfügen über einen Blickwinkel von jeweils 180 Grad, einen Bewegungsmelder und übertragen die Bilder über einen kabelgebundenen, externen Internetanschluss an ein Sicherheitsunternehmen. Dieser Anschluss soll vor Hackern geschützt sein, die Daten werden verschlüsselt übertragen und nicht gespeichert. Es sei denn, der Sicherheitsmitarbeiter entdeckt eine Tat, die nicht gesetzeskonform ist, in diesem Einzelfall kann er die Daten speichern. Private Bereiche werden von der Videoüberwachung ausgenommen. Dies ist die Lieblingsvariante der Verwaltung. Dafür werden etwa 15.000 Euro veranschlagt, zuzüglich der Kosten für einen leistungsfähigen Internetanschluss.

Variante 4: Totale Videoüberwachung. Die Schlossdomäne wird durch sieben Kameras komplett überwacht, es gibt eine hochauflösende Bild- und Sprachübertragung. Datenspeicherung wäre möglich. Kosten: etwa 29.300 Euro.