Wolmirstedt l Der ehemalige Sport- und Freizeitpark in der Colbitzer Straße steht noch immer als Ruine am nördlichen Stadtrand. Schuttberge prägen das Bild. Die sind inzwischen die Folge der Umbauarbeiten eines Speditionsunternehmens, das das Areal vor über einem Jahr gekauft hat. Der Spediteur möchte daraus eine Lkw-Halle errichten. Die eigentliche Zerstörung des Gebäudes ist jedoch einem Feuer geschuldet. Das tobte in der Nacht zum 5. September 2012.

Das ist fast sechs Jahre her, große Teile des Sportparks wurden vernichtet, die Feuerwehren konnten nicht mehr viel retten. Die Öffentliche Versicherung Sachsen-Anhalt (ÖSA) hat den Betreibern noch immer keinen einzigen Cent des Schadens bezahlt. Der Grund: Die Versicherung sieht den Verdacht auf Eigenbrandstiftung offenbar noch immer nicht ausgeräumt. Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen bereits 2013 eingestellt. Demnach gab es damals keinen hinreichenden Tatverdacht.

Streit beschäftigt Gerichte

Dennoch beschäftigt der Streit um die Versicherungssumme seither die Gerichte, denn die ÖSA will nach wie vor nicht bezahlen. Erst vor gut einer Woche, am Donnerstag, 12. April, wurde der Fall erneut vor dem Oberlandesgericht Naumburg verhandelt. Der Senat hat die Parteien angehört und zwei Zeugen vernommen, teilt Gerichtssprecher Henning Haberland mit. Doch auch dieses Mal gab es vorerst keine Einigung zwischen der ÖSA und den beiden ehemaligen Betreibern, zwei Wolmirstedtern.

Für die beiden ist dieser Kampf zäh. Sechs Jahre währt er nun schon. Sie beteuern nach wie vor, diesen Brand nicht gelegt zu haben.

Wer hat Brand gelegt?

Dass es Brandstiftung war, wird hingegen nicht angezweifelt. Die Frage dreht sich im Wesentlichen darum, ob die Betreiber, einer der beiden Betreiber oder Dritte gezündelt haben.

Laut Akten gab es zwei kleinere Feuerherde im Untergeschoss und einen großen Brandherd im Obergeschoss. Oben wütete das Feuer so stark, dass nicht mehr erkennbar war, ob die Sauna für den Ausbruch des Feuers verantwortlich gewesen sein könnte.

Im Untergeschoss wurden indes „strittige Einbruchspuren“ gefunden. Beispielsweise lagen Paletten unter kaputten Fenstern, die könnten beim Einsteigen behilflich gewesen sein. Allerdings ist nicht klar, ob diese Paletten schon länger dort lagen.

Wiederaufbau ist vom Tisch

Der Fall ging schon mehrmals zwischen dem Landgericht Magdeburg und dem Oberlandesgericht Naumburg hin und her. Die ehemaligen SFP-Betreiber hatten unter anderem deshalb Berufung eingelegt, weil sie gefordert hatten, der möglichen Brandlegung durch Dritte solle intensiver nachgegangen werden.

In den Monaten nach dem Brand wollten sie den Sport- und Freizeitpark eigentlich wieder aufbauen. Die Option ist lange vom Tisch. Sie mussten das Gebäude sichern und auch dafür die Kosten aufbringen.

Inzwischen wären die Betreiber unter Umständen zu einem Vergleich bereit. Die ÖSA hat diese Möglichkeit bislang abgelehnt. Nun, nach der jüngsten Verhandlung, will die ÖSA die schriftliche Äußerung des Senats abwarten. Erst dann will die Versicherung entscheiden, ob und welche weiteren Schritte in Betracht gezogen werden, sagt eine Sprecherin auf Volksstimme-Nachfrage. Es ist also weiterhin alles offen.

„Sollte es zu Vergleichsverhandlungen kommen“, sagt Henning Haberland, „wird der Senat wird die Parteien darin voraussichtlich durch einen schriftlichen Vergleichsvorschlag unterstützen.“