Jersleber See l Die frostige Kälte der vergangenen Wochen hat eine dünne Eisschicht auf dem Jersleber See zurückgelassen. Dort, wo sie unter den warmen Strahlen der Sonne bereits wieder getaut ist, haben auf der Suche nach Pflanzenteilen oder kleinen Fischen am Freitagmorgen hunderte Wasservögel ihre Köpfchen untergetaucht. Vom Ufer aus beobachtete einer die Tiere ganz genau durch sein Fernglas – und das nicht ohne Grund. Hobby-Ornithologe Herbert Bilang zählte, welche und wie viele Vögel sich auf dem Gewässer befinden.

Einmal im Monat unterwegs

Von September bis April ist der gebürtige Altmärker jeweils einmal im Monat in seinen drei Zählgebieten unterwegs. Dazu gehören neben dem Jersleber See auch die ehemalige Kiesgrube auf der anderen Seite der Kanalstraße sowie der Verlauf der Elbe bei Lostau. „Von Kindesbeinen an bin ich Laien-Ornithologe, ich mache das seit mehr als 60 Jahren“, sagt Herbert Bilang. Was ihn antreibt, sei schlicht das Interesse an der Natur und an den „Piepmätzen“, wie der 75-Jährige die Vögel auch liebevoll nennt. „Man muss dafür brennen!“ Außerdem habe das Ganze auch einen wissenschaftlichen Nutzen.

An diesem Wochenende finden sogar bundesweit Vogelzählungen an Gewässern jeglicher Art statt – ob an Flüssen, Seen oder Stauseen. Die Zählung konzentriert sich auf diesen bestimmten Zeitraum, um die Fehlerquote möglichst gering zu halten, erklärt Herbert Bilang.

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So habe er beispielsweise einen Pulk von etwa 500 Saatgänsen, die an diesem Morgen über seinen Kopf und den Jersleber See hinweggeflogen sind, zwar für sich selbst in seinem kleinen Heft notiert, jedoch nicht für die Vogelzählung berücksichtigt. Das obliege demjenigen, in dessen Zählgebiet die Tiere auch tatsächlich zu Boden gehen.

Auch Wintergäste im Fokus

Bei seinen monatlichen Beobachtungen bekommt Herbert Bilang einen guten Überblick sowohl über die heimischen Vogelarten als auch über die sogenannten Wintergäste. Diese kommen in den kälteren Monaten zur Futtersuche aus dem Norden in unsere Gefilde, beispielsweise aus Skandinavien. Gebrütet wird jedoch andernorts.

Die Mehrzahl der Vögel, die Herbert Bilang am Freitagmorgen auf dem Jersleber See beobachten konnte, waren Blessrallen. Der Wahl-Colbitzer zählte etwa 550 Tiere. Unter den Schwarm mischten sich einige Tauchenten und ein Pärchen Schnatterenten. Auch zu sehen waren 8 Kormorane, ein Paar Höckerschwäne, 46 Silbermöven, 2 Lachmöven sowie ziemlich genau 18 Haubentaucher. Etwas weiter am Ufer warteten auch ein Silberreiher und vier Graureiher auf die passende Gelegenheit, sich einen Fisch aus dem flachen Wasser zu schnappen.

Seit zehn Jahren am Jersleber See

„Der Jersleber See ist ein sehr wertvolles Gewässer für heimische Wasservögel und Wintergäste“, betont Herbert Bilang. Dort zählt der Hobby-Ornithologe die Vögel bereits seit etwa zehn Jahren. „Momentaufnahmen sind gut, aber sie spiegeln natürlich keine Entwicklung wieder“, sagt er.

Die Zahlen übermittelt Herbert Bilang an die Landeskoordination Sachsen-Anhalt des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) – einem gemeinnützigen Zusammenschluss aller landesweiten und regionalen ornithologischen Verbände in der Bundesrepublik.