Landwirtschaft

Von der Prärie nach Mose: Bisonherde weidet im Wolmirstedter Ortsteil

Ein wenig amerikanisches Western-Feeling: Das gibt es im Wolmirstedter Ortsteil Mose. Auf einer Weide von Landwirt André Schmidt weidet seit Jahren eine echte Bisonherde.

Von Steffi Pretz 09.08.2021, 18:38
Diese Bisons gehören Landwirt André Schmidt und weiden in Mose.
Diese Bisons gehören Landwirt André Schmidt und weiden in Mose. Fotos (3): Steffi Pretz

Mose - Mächtig, mit viel zotteligem Fell und durchaus Respekt einflößend zieht in Mose auf der Weide des Landwirtes André Schmidt eine Bisonherde die Blicke auf sich. Vor elf Jahren wurde der Landwirt in der Bauernzeitung auf einen Artikel aufmerksam, in dem angekündigt wurde, dass eine Herde amerikanischer Bisons zu verkaufen war. Der Landwirt war gleich an der Haltung dieser imposanten Tiere interessiert und da die notwendigen Grünflächen vorhanden waren, grasten die Büffel, wie sie auch genannt werden, schon bald auf seiner Weide.

Der Bison ist das größte Landsäugetier Amerikas. Durch intensive Jagd vor allem wegen ihres Fells und ihrer Zungen wurde ihr Bestand in der Wildnis sehr dezimiert und man findet Bisons heute nur noch in wenigen Gegenden wie dem Yellostone-Nationalpark und dem Wood-Buffalo-Nationalpark. Weniger als 700 Bisons überlebten bis 1874. Heute ist der Bestand der mächtigen Säugetiere in der Wildnis wieder auf über 300000 anstiegen, was einem hohen Engagement des Staates und auch früheren Umweltschützern zu verdanken ist.

Die Herde, die als lebendige Rasenmäher beim Moseraner Landwirt ein schönes Leben haben, besteht derzeit aus sieben Tieren, zwei Weibchen und fünf Männchen, von denen eins noch ein Kalb ist. Drei der Bisons sind noch von der Ursprungsherde, wie sie einst erworben wurde, alle anderen sind schon Nachkommen aus eigener Fortpflanzung. Ein Bisonkalb, was nach neunmonatiger Tragzeit das Licht der Welt erblickt, wird bis zu zwei Jahren von der Mutter gesäugt.

Gesunder Respekt vor der ungeheuren Kraft

Die Bisons seien in ihrer Haltung nicht mit Hausrindern oder Pferden zu vergleichen, erklärt der Besitzer. „Es sind und bleiben Wildtiere, die keinen Bezug zum Menschen aufbauen. Sie können blitzschnell angreifen, fühlen sie sich in die Enge getrieben.“

Zwar würden die Tiere ihre Besitzer am Gang erkennen, aber auf die Weide und überhaupt nah an die Tiere würde niemand gehen. Das sei einfach gefährlich, weiß auch Ehefrau Sabine zu berichten. „Die mächtigen Tiere leben als eigenständige Herde, die Weide ist ihr Territorium, das sie gegen „Eindringliche“ auch verteidigen würden. Vor derart viel Masse, gepaart mit ungeheurer Kraft, sollte jeder Mensch einen gesunden Respekt haben und die Tiere nur von weitem beobachten. Auch wenn sie träge scheinen, können die Kolosse trotz ihrer Körpermasse eine Geschwindigkeit von knapp 50 Kilometern pro Stunde erreichen

Eine Eskalation zwischen einem Bison und einem Menschen hätte tragische Folgen für den Zweibeiner. Rivalen werden einfach überrannt oder mit dem mächtigen Schädel zerstoßen. Der Bulle, der als Alphatier diese Herde anführt, beschützt seine „Leute“ und natürlich vor allem seine zwei „Mädchen“, erklärt Sabine Schmidt.

Wenn das Bullenkalb nach ungefähr fünf Jahren geschlechtsreif und ausgewachsen ist, könnte es durchaus zu Rivalenkämpfen mit dem jetzigen Anführer der Herde kommen, erklärt André Schmidt. Bei einer Lebenserwartung von bis zu 27 Jahren wäre dieses Szenario durchaus realistisch. Aber jetzt leben alle Tiere erst einmal friedlich zusammen und grasen die Weide ab. Genau wie Hausrinder sind Bisons auch Wiederkäuer. Auf ihrem Speiseplan stehen Gras und Kräuter, aber auch ab und zu Triebe, Blätter und Rinden von Bäumen.

Mit warmem Fell ausgestattet

Im Winter erhalten sie vom Landwirt zusätzlich Heu. Die Natur hat die Tiere mit einem warmen Fell ausgestattet, was je nach Jahreszeit als Sommer- oder Winterfell mehr oder weniger dicht ausfällt. Dennoch gibt es zum Schutz vor der Witterung auch einen Unterstand, den die Tiere bei Bedarf aufsuchen. André Schmidt ist fasziniert von den imposanten Tieren mit ihren Eigenarten und freut sich jeden Tag beim Anblick seiner kleinen Herde.