Vandalismus

Wer schützt vor Vandalismus auf der Wolmirstedter Schlossdomäne?

Die Zerstörung der Mauer unterhalb der Freilichtbühne sowie des Torbogens der Schlosskapelle wird tausende Euro kosten. Lassen sich Täter fassen?

Unbekannte haben Steine aus dem rechten Mauerbogen am Fuß der Kapelle entfernt. Der Schaden ist repariert.
Unbekannte haben Steine aus dem rechten Mauerbogen am Fuß der Kapelle entfernt. Der Schaden ist repariert. Foto: Gudrun Billowie

Von Gudrun Billowie

Wolmirstedt l Schlossdomäne und Ohrepromenade sind bei den Wolmirstedtern sehr beliebt, Bürger kürten das Areal im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes zu den schönsten Orten der Stadt. Doch ausgerechnet diese Orte sind immer wieder Zielscheibe von Vandalismus. In den zurückliegenden Tagen wurden große Steine aus dem rechten Mauerbogen am Fuße der Schlosskapelle herausgebrochen, ebenso aus der Mauer unterhalb der Freilichtbühne (Volksstimme berichtete). Die materiellen Schäden werden von Fachleuten repariert, trotzdem bleibt die Angst, die historischen Gemäuer könnten erneut beschädigt werden. Wer schützt sie?

Das ist zuallererst eine Frage der Zuständigkeiten. Grundsätzlich gilt: Die öffentlichen Flächen kontrolliert das Ordnungsamt der Stadt. Das gilt unter anderem für die Schlossdomäne, die Ohrepromenade, den Bereich der Amtsbrücke.

In der Bevölkerung und im Rathaus ist hinlänglich bekannt, dass diese Bereiche besonders in den Abendstunden als Treffpunkt größerer Menschengruppen dienen. Selbst in den vergangenen Wochen wurden sie von Bürgern beobachtet, trotz pandemiebedingter nächtlicher Ausgangssperre.

Doch in den Abendstunden sind die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht mehr unterwegs. Es sei denn, es werden besondere Vorkommnisse gemeldet. „Dann gibt es eine Rufbereitschaft“, erklärt Ordungsamtsmitarbeiter Frank Schröder. Dann kann es sein, dass beispielsweise Platzverweise ausgesprochen werden.

Darüber hinaus gibt es eine Videoüberwachung auf der Schlossdomäne. Die wurde installiert, nachdem im März 2019 der Bronze-Gerberbrunnen mit Hilfe von Pyrotechnik gesprengt wurde. Lässt sich daraus erkennen, wer die Mauersteine aus der Schlosskapelle entfernt hat? Da war offenbar rohe Gewalt im Spiel. Neben diesem Mauerbogen führt ein Trampelpfad hinauf zum Burgberg, ein offizieller Weg ist das nicht. Wer also klettert dort herum?

Die Frage lässt sich mit Hilfe der Videoüberwachung nicht beantworten, denn die zeichnet nicht dauerhaft auf. Die zuständige Wach- und Schließgesellschaft schaltet sich nur punktuell zu, in unregelmäßigen Abständen. Die Bilder werden nur festgehalten, wenn den Mitarbeitern beim Blick auf die Monitore etwas auffällt. Das Herabfallen der Mauersteine aus der Schlosskapelle wurde nicht entdeckt.

Privatrecht in Bürgerhaus und Schlossgarten

Noch verzwickter verhält es sich im Schlossgarten des Bürgerhauses. Der gehört der Stadt, ebenso wie das Bürgerhaus. Hier gilt privates Recht. Das Bürgerhaus wird vom Schranke-Verein betrieben. Vereinsvorsitzende Christina Laqua und ihr Team sind jeden Tag vor Ort, werfen stets einen Blick in den Schlossgarten. Dabei ist ihnen die Zerstörung der Mauer am Fuße der Freilichtbühne aufgefallen, schon länger haben sie Spuren nächtlicher Besucher im Schlossgarten entdeckt: leere Flaschen, leere Verpackungen, anderer Müll. Sowohl die Spuren der Besucher als auch die zerstörte Mauer haben sie im Rathaus gemeldet, an die zuständige Kulturfachdienstleiterin Erika Tholotowsky.

Springt in diesem Fall das Ordnungsamt ein? Weit gefehlt. Auch wenn Fachdienst Kultur und Ordnungsamt unter dem Dach des Rathauses agieren, ist das Ordnungsamt der Stadt außen vor. Der umfriedete Schlossgarten ist kein öffentlicher Platz, wird wie ein Privatplatz oder Privatgarten behandelt. Da muss also der Kulturfachdienst des Rathauses sehen, wie er den Schlossgarten vor Einbruch und Zerstörung geschützt werden kann. Die zuständige Leiterin ist derzeit nicht im Dienst, kann also keine Auskunft über die Pläne geben.

Wie soll es nun weitergehen? Schlossdomäne und Ohrepromenade sind schließlich nicht das erste Mal Zielscheibe von Zerstörern. Innerhalb der vergangenen Jahre wurden bereits neu aufgestellte Bänke gestohlen, Papierkörbe zerstört sowie der Gerberbrunnen gesprengt. Wer schaut, dass die Plätze überwacht sind? Die Polizei?

Kann die Polizei bei der Überwachung helfen?

„Die Polizei ist zwar nicht direkt für Überwachung und Kontrolle zuständig, jedoch gern bereit, die städtischen Ordnungshüter zu unterstützen“, stellt Polizeisprecher Matthias Lütkemüller klar. Das bestätigt Jens Kaulfuß, der zusammen mit Marco Rath als Regionalbereichsbeamter in Wolmirstedt unterwegs ist. „Natürlich begleiten wir bei Bedarf das Ordnungsamt.“ Bisher aber haben die städtischen Ordnungshüter jedoch nicht um polizeiliche Hilfe gebeten.

Bleiben noch die Sozialarbeiter. Keven Kirschner, der für den Jugendclub zuständig ist, kennt die Treffpunkte im Bereich der Schlossdomäne. In diesem Jahr war er noch nicht vor Ort, aber in der Vergangenheit hat er beobachtet, es sind keine Jugendlichen, sondern eher Erwachsene, die dort zusammenkommen. Er sieht nicht, dass er ihnen eine Perspektive geben kann, zumal sie für den Jugendclub zu alt erscheinen. Außerdem sei bei diesen Treffen oft Alkohol im Spiel.

Bürgermeisterin setzt auf Sozialarbeiter

Und nun? Bürgermeisterin Marlies Cassuhn setzt trotzdem auf Sozialarbeiter. „Nachdem das Problem bekannt ist, werden wir agieren.“ Sie sieht als sinnvoll an, dass sich die Sozialarbeiter mit den Gruppen in Verbindung setzen, sowohl mit denen, die sich auf öffentlichen Plätzen treffen, als auch mit denen, die womöglich in den Schlossgarten eingedrungen sind. „Wir sollten den Jugendclub als Alternativtreffpunkt bieten.“ Darüber wird es demnächst Gespräche geben.

Der Schaden an der Schlosskapelle ist inzwischen repariert. Eine Fachfirma hat die Mauersteine wieder eingesetzt. Das kostete 2200 Euro. Weitere rund 1000 Euro werden für die Reparatur der Mauer unterhalb der Freilichtbühne gerechnet. Die Schäden wurde der Versicherung gemeldet und werden voraussichtlich ersetzt.