Wolmirstedt l In Wolmirstedt gibt es noch fünf Litfaßsäulen. Die meisten wirken eher trostlos, ihre beste Zeit scheint vorbei zu sein. Dass eine Litfaßsäule auch anders aussehen kann, zeigt die AWG in der kleinen Geschwister-Scholl-Straße.

Die Geschichte der Litfaßsäulen begann vor 165 Jahren in Berlin. Der Drucker Ernst Litfaß durfte die erste „Annonciersäule“ 1855 in Berlin aufstellen. Das Ziel: Er wollte damit der wilden Plakatierung Einhalt gebieten, seine Idee setzte sich schließlich in Deutschland, Europa und der ganzen Welt durch.

Inzwischen fließen die Nachrichten auch durch andere Kanäle. Veranstaltungen werden zwar immer noch mit Hilfe von Plakaten, aber auch in Zeitungen, Radiosendern und im Internet angekündigt. Aktuelle Nachrichten haben die Litfaßsäule schon lange verlassen. Öffentliche Aushänge werden traditionell höchstens noch in eigens dafür angefertigten Schaukästen aufgehängt. Ist die Litfaßsäule also nur ein Relikt aus dem vorvorherigen Jahrhundert, droht sie, aus der Geschichte zu kippen??

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Stark beschmierte Telefonzelle

Eigentlich könnte sie noch gute Dienste tun, denn wild plakatiert wird noch immer. Die stark beschmierte Telefonzelle in Wolmirstedts Fußgängerzone gibt Plakaten Raum, obwohl die Scheibe der Zelle längst eingeschlagen wurde. Offenbar ist sie als Werbeträger trotzdem attraktiv, weil sie günstig im Blickfeld der Passanten steht. Auch leere Schaufensterscheiben werden immer wieder plakatiert.

Dieses wilde Plakatieren ist eigentlich noch ein genauso großes Ärgernis, wie zu Ernst Litfaß’ Zeiten, zumal die Plakate oft weit über die Zeit hinaus hängen bleiben oder die Spuren des Klebemittels nicht vollständig entfernt werden.

Die AWG hat die Litfaßsäule in der kleinen Geschwister-Scholl-Straße zum Schmuckelement umfunktioniert. Sie zeigt eine Landschaft mit Schattenfiguren. Diese Schattenfiguren gestaltet der Künstler Ronny Claus, die AWG hat sie in verschiedenen Formen überall im Stadtgebiet an oder in der Nähe ihrer Gebäude verteilt, als Wandbilder oder lebensgroße Aufsteller oder als Gestaltung der Litfaßsäule. Diese Säule hat wohl noch eine lange Zukunft vor sich.

Hingegen sind die Tage der Litfaßsäule auf der Verkehrsinsel zwischen Bandau- und Badewitzstraße gezählt. Sie wird wohl das Jahresende nicht mehr erleben. Die anderen Litfaßsäulen an der Ecke zwischen Friedensstraße und Lustgraben, in der Bahnhofstraße und in der Ecke zwischen Farsleber Straße und Zur Grube bleiben bestehen. Sie sind mit einer weißen Banderole beklebt und können weiterhin als Werbeträger benutzt werden. Wie Wolmirstedt das genau handhaben möchte, ist noch nicht besprochen. Die Säulen gehörten lange einem Werbe-Unternehmen.

In der Sondernutzungsgebührensatzung der Stadt ist lediglich aufgeführt, dass für Plakate im A1-Format oder kleiner an Lichtmasten je Plakat 80 Cent pro Tag fällig sind.