Elbeu l Verschreckt stehen Mutterschafe mit ihren Lämmern auf dem etwa 8000 Quadratmeter großen Gelände von Gordon Kuhnert, das direkt an die Wohnbebauung in Elbeu angrenzt – lediglich durch einen kleinen Bach davon getrennt. Hin und wieder schert eines der noch sehr schreckhaften Tiere hilflos blökend aus. Es handelt sich um eine Mutter, die beide Kinder verloren hat. Das geht dem Besitzer und Julia Kamp vom Wolfskompetenzzentrum sowie Jäger Oliver Grundt sichtlich nahe. Auf dem Gelände liegen ein ausgeweidetes Schaf und die Reste eines Lamms, vom dritten Jungtier fehlt jede Spur. „Das ist kein schöner Anblick“, stellt Oliver Grundt fest. „Es ist schon sehr wahrscheinlich, dass wir es hier mit einem Wolfsangriff zu tun haben, wobei die Diagnose abzuwarten ist.“

Ähnlich äußert sich die Expertin. „Ich habe eine DNA-Probe genommen, die wir einschicken werden“, sagt sie. „Für gewöhnlich können aber zehn Werktage vergehen, ehe wir entsprechende Daten vorliegen haben.“ Die genaue Analyse des Kompetenzzentrums benötige möglicherweise noch einmal etwa vier bis sechs Wochen.

Spuren am nahen Wasserlauf

Der Besitzer hat das Dilemma am frühen Morgen entdeckt und danach Kontakt zu den beteiligten Experten aufgenommen. Die Kadaver liegen noch genau so, wie er sie entdeckt hat. Daher kann Julia Kramp das Geschehen gut nachvollziehen. Am nahen Wasserlauf entdeckt sie Spuren. „Hier könnte der vermutete Wolf in das Gehege gekommen sein“, stellt sie fest.

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Die beiden Männer sind überrascht. Gleich nebenan gibt es Einfamilienhäuser, die Isegrimm wohl nicht gestört haben. „Das sehen wir so“, erklärt die Fachfrau vom Kompetenzzentrum. „Aus der Sicht eines Wolfes ist es hier eher ruhig.“ Das Gelände liegt nachts im Dunkeln und wird nur zwei Mal am Tag vom Besitzer aufgesucht. „Ab der Dämmerungszeit sind die Tiere unbewacht“, sagt Gordon Kuhnert. Für ihn selber ist es der erste Vorfall dieser Art. „Ich hätte auch nicht damit gerechnet, dass hier ein Raubtier so nah an der Besiedlung zuschlägt“, bringt er vor. „Die Schafe halte ich eigentlich nur als Liebha-berei für meine Tochter. Sie wird garantiert sehr um ihre Lieblinge trauern.“

Nach dem Vorfall sollen die Tiere erst einmal in einem Stall unterkommen. Dann werden es wohl nur noch fünf Muttertiere und acht Lämmer sein. Letztere sind erst ein bis zwei Wochen alt.

Schutzzäune werden gefördert

Die Expertin prüft auch den unter Strom gesetzten Zaun.„Empfehlenswert sind zur Wolfsabwehr 3000 bis 8000 Volt“, erzählt sie dabei. Gordon Kuhnert machen die Erkenntnisse nachdenklich. Gewerblich züchtet er Angus-Rinder, die auf Wiesen rings um Elbeu stehen. Das sind 50 Muttertiere mit ebenso vielen Kälbern. Ihr Schutz liegt ihm nun erst recht am Herzen.

„Die entsprechenden Schutzzäune werden zu einhundert Prozent gefördert“, macht ihm die Expertin noch vor Ort etwas Hoffnung. „Dazu ist eine Stellungnahme vom Wolfskompetenzzentrum nötig, die wir dann natürlich erarbeiten. Im Regelfall gilt, dass der Zaun nicht teurer sein sollte als der Tierbestand dahinter.“

Jäger Oliver Grundt macht sich Gedanken zu der vermuteten Wolfsattacke. „Es wäre durchaus möglich, dass es sich um die selben Tiere – vielleicht einen Junggesellenverband – handelt, die auch schon in einer Kiesgrube bei Meitzendorf zugeschlagen haben (Volksstimme berichtete)“, sagt er. „Die Biss-Spuren sehen für mich ähnlich und recht typisch aus.“ Er vertraut jedoch auf die Analyse der Experten. Beide Tatorte liegen übrigens in seinem Revier.