Meitzendorf l Schritte hallen durch den Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Meitzendorf. Dazu mischt sich Kinderlachen. Auf dem ersten Blick wirkt das Treiben wie Sportunterricht und es ist dem auch recht nahe, doch was die Kinder hier vollführen sind Zirkusübungen.

Dies geschieht im Rahmen des Zirkusprojekts „Awolino“, wie die Betreuerin und Zirkuspädagogin der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Juliane Schieweck erklärt: „Wir treffen uns hier jede Woche, um den Kindern Zirkuselemente beizubringen. Hauptsächlich sollen die Kleinen aber Spaß dabei haben.“ Und den haben sie definitiv, wie man an den strahlenden Kinderaugen sieht.

Die Awolinos teilen sich in zwei Gruppen. Die Kinder bis sechs Jahre treffen sich in Begleitung ihrer Eltern. „Bei ihnen ist das noch mehr eine Art Zirkus spielen. Aber alleine mit Jongliertüchern und Bällen kann man Geschichten erzählen“, erklärt Juliane Schieweck, wie man bereits die Jüngsten für das Zirkusprojekt gewinnen und begeistern kann.

Anschließend sind die Großen dran

Im Anschluss folgt das Training der „Großen“, also der Kinder ab sechs Jahren. Etwa 20 von ihnen kommen dazu regelmäßig zusammen. Unter sie hat sich auch Niels Klatt gemischt. Mit seinen 15 Jahren ist er zwar bei Weitem der Älteste, doch das stört ihn nicht, wie der Meitzendorfer sagt: „Das Jonglieren macht mir sehr viel Spaß. Deshalb komme ich regelmäßig zum Trainieren her. Außerdem kann ich den Kleinen hier helfen.“

Bevor sie mit den eigentlichen Übungen anfangen, folgen zunächst spielerische Lockerungs- und Aufwärmübungen in Form von „Feuer, Wasser, Sand“. „Wer möchte was machen?“, fragt die Zirkuspädagogin, die von den Kindern und deren Eltern „Jule“ genannt wird, dann ihre Zöglinge und sie verteilen sich auf verschiedene Stationen im Saal, vom Drahtseil über Jonglage bis hin zum Balancieren auf großen Bällen.

Etwa 20 Minuten trainiert jede Gruppe an ihrer Station, während sie zwischendurch Ratschläge und Hilfe von Juliane Schieweck bekommen. Mit ihrer unterhaltsamen, liebenswürdigen und lustigen Art schafft sie es, die Kinder für die verschiedenen Übungen zu begeistern. Dennoch versucht sie, sich im Hintergrund zu halten. „Die Kinder werden kreativer, wenn sie zwar eine Anleitung haben, sich aber vor allem untereinander helfen“, sagt die Oschersleberin. Gerade auf dem Drahtseil erweist sich die gegenseitige Hilfestellung als wichtig, auch wenn ein paar Mädchen schon ohne Probleme über das dünne Seil spazieren.

Bevor es an die nächste Station geht, gibt es eine Trink- und Naschpause. Auf den Tisch kommen dabei gesunde Sachen, beispielsweise Orangen- und Mangostückchen. „Essen und Trinken ist ganz wichtig für unsere kleinen Akrobaten“, sagt Juliane Schieweck, während sie das Obst schneidet. Frisch gestärkt kann es dann an die nächste Station gehen.

Das Zirkusprojekt wurde 2011 von Jens Klamm alias „Caro Curioso“ ins Leben gerufen. Er und seine Kolleginnen von der Awo haben das Konzept seitdem auf den gesamten Landkreis Börde ausgeweitet und bilden die Kinder in diversen Ortschaften zu Awolinos aus.

Und auch für Auftritte sind die kleinen Artisten zu haben. „Wir sind beispielsweise beim Fest der Vereine in Meitzendorf aufgetreten. Das hat den Kindern sehr viel Spaß gemacht und war ein magischer Moment“, erinnert sich Juliane Schieweck.