Streik

Zusteller kämpfen für gerechte Löhne

Eine Angleichung ihrer Löhne fordern die Mitarbeiter der Barleber DHL Delivery GmbH. Dafür haben sie Dienstag demonstriert.

Barleben l „In der vergangenen Woche hat es einen Tarifabschluss gegeben. Der macht uns allerdings nicht glücklich und wir wollen weiter kämpfen!“, sagt Andreas Kögler. Der stellvertretende Regionalvorsitzende der Postgewerkschaft DPVKOM spricht vor Mitarbeitern der in Barleben ansässigen DHL Delivery GmbH, einem Subunternehmen der Deutschen Post AG. Sie veranstalteten am gestrigen Dienstag eine Demonstration vor dem Sitz ihrer Firma.

Knapp 60 Mitarbeiter beschäftigt die Delivery GmbH – alle von ihnen legen ihre Dienstwege zwar mit Fahrzeugen der Post zurück und tragen DHL-Aufdrucke auf ihrer Arbeitskleidung, gehören aber nicht direkt der Deutschen Post an. Sie werden nicht nur nach den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche bezahlt, sondern im Osten Deutschlands auch wesentlich geringer entlohnt als im Rest der Bundesrepublik. Deshalb gibt es regelmäßig Bestrebungen von Gewerkschaften, die Gehälter wenigstens annähernd anzugleichen.

In der vergangenen Woche verhandelte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nun bereits in der achten Runde mit Arbeitgeberverbänden für den Speditions- und Logistikbereich. Beschlossen wurde dabei für Mitteldeutschland eine Einkommenserhöhung in zwei Schritten von 3,5 Prozent ab dem 1. September 2017 und noch einmal 3 Prozent ab dem 1. Oktober 2018. „Das ist gut, aber nicht zufriedenstellend“, ordnet Andreas Kögler das Ergebnis ein. Derzeit erhalte ein Paketzusteller im Osten nämlich durchschnittlich 10 Euro pro Stunde – durch den Tarifabschluss werde das laut Kögler nicht viel mehr. Im Vergleich dazu verdienen Zusteller für die gleiche Arbeit im Westen Deutschlands rund 16 Euro und im Süden sogar 18 Euro. Und auch dort verhandeln die Gewerkschaften immer neu, eine Angleichung an die Gehälter anderer Bundesländer rückt also in immer weitere Ferne.

Auch eine von Verdi durchgesetzte Anhebung der Jahressonderzahlung für Paketzusteller im Jahr 2018 auf 750 Euro und 2019 auf 900 Euro kritisiert Kögler in Teilen. Ihm zufolge müssten Mitarbeiter für diese Prämien zuerst bestimmte Auflagen erfüllen, beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Krankentagen nicht überschreiten. Die vorbehaltlose Zahlung von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, so wie bei festangestellten Postmitarbeitern üblich, wäre in seinen Augen sinnvoller.

Zu Wort meldete sich bei der Demonstration auch Ingo Kutsch als Geschäftsführer der Delivery GmbH Barleben. Er sei sehr zufrieden mit den Leistungen seiner Mitarbeiter und werde deshalb den Dialog mit Gewerkschaftern und Arbeitervertretern auch weiter führen. Gespräche werden in dem Unternehmen in Zukunft vor allem fällig sein, weil die Gewerkschaft Verdi mit einer Klage gegen das sogenannte Stücklohnprinzip Erfolg hatte.

„Der Stücklohn soll ab 1. Januar 2018 wegfallen“, erläuterte Paul Hänsel als Betriebsratsvorsitzender der Delivery GmbH seine Kollegen. Der Stücklohn ist eine Art Zuverdienst, den die Mitarbeiter verdienen, indem sie auf ihren Fahrten zusätzlich Kataloge ausliefern oder beispielsweise Waren von Kunden wieder mitnehmen. „Die meisten von uns sind auf diesen Stücklohn angewiesen“, so Hänsel. Gemeinsam mit der Postgewerkschaft und der Geschäftsführung wolle man nun bis zum Jahresende eine Ersatzlösung schaffen, die das Stücklohnprinzip aufgreife. Das sicherte auch Geschäftsführer Ingo Kutsch zu.