Zerbst l Der Zerbster Tobias Möhring, der erst vor wenigen Tagen selbst Vater geworden ist, hat sich dazu entschlossen, nicht nur zu meckern, sondern auch etwas zu tun. Er startete eine Online-Petition gegen die Schließung des Zerbster Kreissaals. „Ich bin noch immer geschockt“, sagt der 28-Jährige im Gespräch mit der Volksstimme.

Seine Lebenspartnerin sei am Freitag (15. Juni) mit dem Baby aus der Klinik entlassen worden. „Und nur drei Tage später, am Montag haben wir erfahren, dass Helios die Entbindungsstation schließen will und das innerhalb von nur zwei Wochen“, sagt Tobias Möhring.

Sprachlosigkeit

Nichts habe während des Klinikaufenthaltes auf die Schließung hingedeutet. „Ich war sprachlos und entsetzt über die Nachricht“, sagt Möhrings Lebenspartnerin Jenny Griebner. Sie seien so liebevoll behandelt worden. „Es geht auf der Entbindungsstation so familiär zu, man fühlt sich wirklich geborgen, umsorgt und gut aufgehoben“, erklärt Jenny Griebner.

„Als dann die betreuende Hebamme zum Hausbesuch kam und tief traurig und enttäuscht über das vor allem so abrupte Ende war, habe ich mich entschlossen etwas zu tun“, schildert der junge Vater. Man müsse Farbe bekennen und auch den großen Konzernen zeigen, dass sich die Bürger nicht alles gefallen lassen. Ob es am Ende etwas nützt, wisse er nicht, „aber die Verantwortlichen sollen wissen, dass die Zerbster maßlos enttäuscht sind“, sagt Tobias Möhring.

1000 Unterzeichner

Er habe dann überlegt was er unternehmen kann. „Ich bin dann auf dieses Portal für Online-Petitionen gestoßen und habe mich entschlossen, selbst eine Petition gegen die Schließung der Entbindungsstation zu starten“, erzählt Möhring entschlossen.

Innerhalb von nur vier Tagen haben mehr als 1000 Menschen die Petition unterzeichnet „und einer der ersten Unterzeichner war übrigens Bürgermeister Andreas Dittmann“, sagt der junge Vater.

Die Station müsse unbedingt erhalten werden. „In den großen Kliniken ist man doch nur eine Patientin von vielen. Unsere Familienplanung ist ja noch nicht abgeschlossen. Vielleicht trifft es uns selbst auch“, erklärt die junge Mutti. Außerdem sei die räumliche Nähe zur Familie und Freunden wichtig. „Einfach mal kurz vorbeischauen ist in Dessau, Köthen oder Burg dann nicht mehr möglich, erst Recht nicht für Großeletern, die ja meist nicht mehr so mobil sind“, befürchtet Jenny Griebner.

Sie sei so umsorgt worden, wenn Schichtwechsel war, seien die Hebammen und Schwestern ins Zimmer gekommen und haben sich quasi ab- und angemeldet, so dass man immer gewusst habe, wer gerade Dienst hat. „Alle auf der Station waren immer nett und freundlich, man kam sich vor, wie in der Familie“, ist Jenny Griebner noch immer begeistert.

Aufruf zum Mitmachen

„Ich hoffe, dass viele Einwohner unserer Einheitsgemeinde die Petition unterzeichnen“, ruft Möhring zum Mitmachen auf. Am Ende wolle er die Petition persönlich der Klinikleitung übergeben. „Ich überlege, ob ich noch eine Unterschriftenaktion starte“, ist Tobias Möhring fest entschlossen, die Schließung vielleicht doch noch zu verhindern.

Wer die Online-Petition unterzeichnen möchte, findet diese unter diesem Link.