Zerbst l „Das ist der Markt Nummer 16. Da habe ich bis 1973 drin gewohnt“, meldet sich Elke Plassa. Als Kind fand sie das mehrstöckige Gebäude mit den alten, knarzenden Dielen „etwas gruselig“. Auch an den Luftschacht in der Küche und die Toilette auf jeder Etage erinnert sie sich genauso wie an die Gitter auf den Treppenpodesten, die den freien Blick nach unten gewährten. „Da haben sich ganz wenige draufgestellt.“ Elke Plassa erzählt ebenfalls von den Geschäften im Erdgeschoss. Einen Stoffladen gab es da mal und „ich glaube einen Schuhladen“.

„Das abgerissene Haus bewohnte früher die Familie Glytzner“, weiß Robert Walk. „Herr Glytzner war Eisenwarenhändler und bekannt in Zerbst“, wird Klaus-Dieter Heringshausen konkreter. Er persönlich kennt den Markt 16 ebenfalls sehr gut. „Ich habe dort selber zehn Jahre gewohnt.“ Er berichtet vom Fotoladen, in dem Schwarz-Weiß-Bilder entwickelt wurden, und zählt auch das Schuhgeschäft auf, an das sich Elke Plassa nur vage entsinnt.

„Nach dem Luftangriff auf Zerbst im April 1945 befand sich vorm Gebäude ein riesiger Bombentrichter und die Vorderfront war beschädigt“, schildert Klaus-Dieter Heringshausen. Wie Elke Plassa erzählt er von der roten Hausnummer, die nur denkmalgeschützte Objekte erhielten. Warum ausgerechnet der Markt 16 eine trug, können beide nicht sagen. Allerdings erinnern sie sich noch an den eingemauerten Holzbalken mit den geschnitzten Figuren. „Dieser liegt jetzt im Museum“, erklärt Klaus-Dieter Heringshausen.

Bilder

Das bestätigt Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach. Genau genommen handelt es sich sogar um zwei Balken, die in den Kreuzgängen ihren Platz in der Dauerausstellung gefunden haben. „Sie sind um 1450 datiert“, erklärt sie. Als besonders bezeichnet sie das herausgearbeitete Motiv der „Judensau“, wie man es sonst nur von sakralen Gebäuden kennt, wie beispielsweise der Zerbster Nicolaikirche, wo eine solche Sandsteinfigur bis heute erhalten ist.

Im September 1995 startete schließlich der Abriss vom Markt 16. Aufgrund des Zustandes des Hauses sei jener genehmigt worden, schrieb die Volksstimme damals. Im Oktober 2011 folgte der Abriss des nebenstehenden Gebäudes, Markt 14. In diesem befand sich die Autowerkstatt Schrödter, bevor danach das Frisörgeschäft „Figaro“ einzog, wie Robert Walk erzählt.

An den Frisörladen „Neue Linie“ entsinnt sich Andreas Indenbirken. „Als kleiner Stift habe ich mir dort für 80 Pfennig einen Faconschnitt oder für 1,20 Mark einen Rundschnitt machen lassen“, verrät er.

Auch Heike Thiem, Hans-Günther Beelitz, Helmut Lehmann, Harald Neupert und Wolfgang Dompke aus Zerbst sowie Lothar Platte aus Schora haben das gesuchte Heimatfotomotiv richtig auf dem Markt eingeordnet.

Über den unter allen Anrufern verlosten Sachpreis – einen Biber-Ticket-Gutschein – darf sich Robert Walk freuen. Der Gewinn kann werktags zwischen 9 und 17 Uhr in der Lokalredaktion auf der Alten Brücke 45 abgeholt werden.