Zerbst l „Ja, eine große“, bestätigt Mario Rudolf im Volksstimmegespräch die Aussage, dass ihn Unzufriedenheit zur Politik gebracht hat. Der 47-jährige Garitzer ist schlank, wirkt jugendlich, ist energiegeladen. Parteipolitik sei nicht seins, sagt er. Eigentlich wollte er nie einer Partei angehören.

Der Moment, der Mario Rudolf dazu bewegt, sich politisch zu engagieren, liegt 17 Jahre zurück. 1999 ging es nach einem Strukturwandel in der Kommunallandschaft um die Existenz des Garitzer Kindergartens. „So bin ich in die Politik gekommen“, erzählt der Beamte und Sportfan. „Wir gründeten einen Elternverein, den Landkinder e.V.“, erzählt er. Der konnte immerhin erreichen, dass die Kommune sich zum Kindergarten bekannte. „Noch heute gibt es den Kindergarten. Wir konnte dort was bewirken.“ 2001 habe er sich zum Ortsbürgermeister wählen lassen. Doch auch als solcher konnte er die großen Bewegungen nicht maßgeblich beeinflussen. Aber er merkte: „Wenn man nichts macht, kann man nichts erwarten.“ Mit den anstehenden Eingemeindungen nach Zerbst 2010 engagiert sich Rudolf in der Volksinitiative. „Wir haben darüber versucht, die Gesetzesgebung zu kippen. Das ist uns misslungen.“ Das sei der Punkt gewesen, an dem viele der Mitglieder den Entschluss fassten: „Wir müssen da hin, wo die Gesetze gemacht werden“, so Rudolf weiter. „Und das ist im Landtag.“ Leider sei es in Sachsen-Anhalt so, dass man eine Partei sein müsse, um zur Wahl zugelassen zu werden. „So haben wir 2010 die Partei Freie Wähler gegründet.“ Das sei nur mit sehr viel Engagement gegangen, sagt er. Er baute Kontakte zu Wählergemeinschaften im Land auf, besuchte diese, stellte die Idee vor. Es gelang, genügend Menschen zu überzeugen, einen Landesverband zu gründen und daraus die neue Partei. Rudolf ist Gründungsmitglied und seitdem Vorsitzender. Parteistrukturen wolle die Partei nicht haben. Man wolle Politik anders gestalten. Natürlich brauche man Rückhalt, aber den habe man, so Rudolf. „In den Wählergemeinschaften.“ Rund 2500 Bürger seien landesweit dort engagiert, schätzt er. „Diese entsenden Parteimitglieder. Das sind nicht sehr viele, deswegen haben wir nur 150 Mitglieder. Aber jeder steht für 10 oder 15 Bürger“, so Rudolf.

Natürlich sei es sehr schwer für eine Newcomer-Partei, in den Landtag gewählt zu werden. „Da fehlt es zum Beispiel am finanziellen Background“, sagt Rudolf.

Beim jetzigen zweiten Wahlkampf kann die Partei immerhin auf Wahlkampfkostenrückerstattung zugreifen, weil es ihnen damals gelang, aus dem Stand 2,8 Prozent zu holen. Dass er sich erneut zur Wahl stellt, erklärt er so: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Zudem sehen wir immer noch nicht, dass es einen Kurswechsel gibt“, so Rudolf. Die kostenfreie Kinderbetreuung zählt für die Freien Wähler zu einem der Kernthemen. „Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg“, betont Rudolf mit Blick auf die Finanzierung. Auch die Schullandschaft ist ihm wichtig. „Es ist in meinen Augen kein Problem, auf dem Land kleine Schulen von 40 Schülern zu betreiben.“ Es koste auch nicht mehr, denkt er. Man müsse es nur anders organisieren. In Bayern gebe es schon Zwergschulen.

Zur Flüchtlingspolitik erklärt er: „Klares Nein zu Wirtschaftsflüchtlingen.“ Eine Million sei zu viel. Eine Obergrenze sei wichtig. „Zunächst brauchen wir eine Übersicht, wer überhaupt hier ist.“ Dann kann gezielt geholfen werden. Denn: „Wer Hilfe wirklich braucht, soll sie bekommen.“