Mehraufwand an St. Nicolai

Abbrucharbeiten in luftiger Höhe

30 000 Euro und sieben Einzelprojekte - so war die Maßnahme 23 des Förderkreises St. Nicolai für dieses Jahr an der Kirchenruine geplant. "Zwei Teile laufen uns jetzt finanziell aus dem Ruder", erklärt Förderkreisvorsitzender Walter Tharan zum aktuellen Stand.

Von Antje Rohm

Zerbst l Einen Arbeitsplatz in luftiger Höhe haben in diesen Tagen Maik Felgenträger und Thomas Weymann von der Heidetor Zerbst GmbH. Gut 16 Meter hoch stehen sie auf einer frei hängenden Arbeitsbühne. Von außen über die Mauer der Nicolaikirche hinweg wird sie von einem Kran gehalten. Kollege Andreas Schulze sichert zusätzlich vom Turm aus. Ihr Auftrag: Abbruch eines überhängenden Arkadenrestes am Nordturm der Nicolaikirche.

Unbestimmte Kostenerhöhung

"Ursprünglich wollten wir den Arkadenbogen stabilisieren und befestigen lassen, aber erhalten", erklärt Walter Tharan. Als die Rüstung stand, stellte sich heraus, "dass dieser Bereich mit vertretbaren Mitteln nicht mehr haltbar ist", so der Vereinsvorsitzende. Notwendig ist der Komplettabbruch.

Das bedeute zum einen eine "unbestimmte Kostenerhöhung". Zum anderen dränge die Zeit. Am ersten Dezember-Wochenende wird im Innern von St. Nicolai für den diesjährigen Zerbster Weihnachtsmarkt aufgebaut. Der Weihnachtsmarkt selbst findet vom 8. bis 11. Dezember statt. Danach muss umgehend weiter gearbeitet werden, damit der Verein auch gegenüber seinen Fördermittelgebern fristgerecht abrechnen kann. Gefördert haben bei "M 23" das Land Sachsen-Anhalt, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Lotto-Toto, der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die Stadt Zerbst.

Veranstaltungszelt und Bestuhlung

Das zweite Projekt, dass den ursprünglich veranschlagten Kostenrahmen sprengen wird, ist, so Walter Tharan, die Überdachung des Aufgangs zum Südturm. Die Treppe selbst war im vergangenen Jahr entstanden. Jetzt soll ein Dach die Besucher vor möglicherweise herabfallenden Putzteilen und vor Taubenkot schützen.

Geplant war die Fertigstellung bis zum Weihnachtsmarkt. Ob das gelingt, kann der Förderkreis-Vorsitzende noch nicht sagen.

Vor allem zur Dachgestaltung hatte es zwischenzeitlich noch einmal eine Diskussion mit den Denkmalschützern gegeben. Mit letztlicher Einigung "und auch bei allen anderen Dingen sind wir konform", erklärt Walter Tharan zu den bei den Arbeiten an der Kirchenruine stets notwendigen Abstimmungen.

Mit dem Anbau eines Kopfes am Unionsdenkmal, einem Wetterschutz für das Garprader-Epitaph und neuen Informationstafeln zu St. Nicolai außen an der Kirche sind die ersten Projekte der aktuellen Maßnahme bereits realisiert. "Demnächst bestellt" wird ein Zelt, das Künstlern, zum Beispiel mit sensiblen Instrumenten, bei Veranstaltungen in der Kirche Wetterschutz bieten soll - ein weiterer Schritt zum Ausbau als Kulturzentrum.

Dazu soll auch eine transpor-table Bestuhlung beitragen, der letzte Teil von "M 23". Jener, auf den sich die finanziellen Veränderungen an Turm und Dach niederschlagen werden. "Wir müssen sehen, wie viel Geld übrig bleibt", sagt Walter Tharan. Und in dem Zusammenhang ausdrücklich auch Danke an alle Spender, die den Förderkreis immer wieder unterstützen. Nur so können überhaupt die Eigenanteile für die geförderten Maßnahmen aufgebracht werden.