Führerscheinumtausch liegt lahm

Am 19. Januar 2022 läuft erste Frist für den Führerscheinumtausch aus: Anhalt-Bitterfeld sucht Hilfe in Halle

In weniger als einem halben Jahr müssen etwa 10.000 Menschen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ihren alten Führerschein gegen einen neuen umgetauscht haben. Doch durch die Cyberattacke auf den Landkreis stockt das Verfahren.

Von Kaya Krahn
Viele Führerschein müssen balc umgetauscht werden, zuerst die Jahrgänge 1953 bis 1958 an der Reihe: Die Frist  läuft am 19. Januar 2022 aus. Doch nicht nur der „Lappen“ muss weichen, auch alle Kartenführerscheine, die bis Januar 2013  ausgestellt wurden.  In Zerbst ist der Umtausch jedoch vorerst noch nicht möglich.
Viele Führerschein müssen balc umgetauscht werden, zuerst die Jahrgänge 1953 bis 1958 an der Reihe: Die Frist läuft am 19. Januar 2022 aus. Doch nicht nur der „Lappen“ muss weichen, auch alle Kartenführerscheine, die bis Januar 2013 ausgestellt wurden. In Zerbst ist der Umtausch jedoch vorerst noch nicht möglich. Foto: Thomas Kirchner

Zerbst/Köthen - Der EU-Führerschein soll viele Vorteile haben – er soll etwa fälschungssicherer sein und ein Ablaufdatum tragen. Doch viele Menschen haben statt der Plastikkarte noch immer ihren „Lappen“ im Portemonnaie. Das soll sich nun ändern. Der Austausch erfolgt peu a peu und für Auto- und Motorradführerscheine ohne erneute Prüfung. Zuerst sind laut des ADAC Fristen für die Papierführerscheine an der Reihe – wann dort getauscht werden muss, bemisst sich am Geburtsjahrgang des Inhabers.

Danach folgen die Kartenführerscheine, die bis zum 18. Januar 2013 ausgestellt wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde kein „Ablaufdatum“ auf den Karten festgehalten. Das wird sich ändern – die neue Fahrerlaubnis muss jeweils nach 15 Jahren erneuert werden. Laut ADAC sind in ganz Deutschland 15 Millionen Papierführerscheine und 28 Millionen Kartenführerscheine überaltert.

Konkrete Zahlen für Sachsen-Anhalt oder den Landkreis Anhalt-Bitterfeld liegen nicht vor. „Auf die entsprechenden Datenbanken kann aufgrund des Cyberangriffs derzeit nicht zurückgegriffen werden“, sagt Landkreissprecher Udo Pawelczyk. Eine grobe Annäherung ist trotzdem möglich – die Geburtsjahrgänge geben Aufschluss. Insgesamt leben 16 023 Menschen im Kreis, die zwischen 1953 und 1958 geboren sind, davon 8223 Frauen und 7800 Männer.

Etwa 9200 Führerscheine müssten umgetauscht werden

Dies ergibt sich aus Zahlen des Statistischen Landesamtes aus der aktuellen Bevölkerungsstatistik. Es ist nicht davon auszugehen, dass alle diese Menschen einen Führerschein besitzen, aber mindestens 57,45 Prozent. Das ergibt sich aus Daten von Statista, wonach 57,45 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren einen Führerschein besitzen. Statista ist ein Online-Portal für Statistik, das alle möglichen Daten von Markt- und Meinungsforschungsinstitutionen sowie aus Wirtschaft und Ämtern zugänglich macht.

Sollte dieser Prozentsatz des Online-Portals richtig sein, müsste der Landkreis mindestens 9205 Führerscheine austauschen. Und das, obwohl die Verwaltung durch den Cyberangriff noch immer stark eingeschränkt arbeitet. „Ein Führerscheinumtausch ist gegenwärtig nicht möglich“, erklärt der Landkreissprecher auf Nachfrage.

Doch es gibt Hoffnung, dass die Bearbeitung bald wieder an Fahrt aufnehmen könnte. „Wir gehen davon aus, dass in naher Zukunft alle Anträge in Zusammenhang mit Fahrerlaubnisangelegenheiten für Bürger aus Anhalt-Bitterfeld vorübergehend in Halle (Saale) bearbeitet werden können. Ein entsprechendes Amtshilfeersuchen wird von der Stadt Halle gegenwärtig geprüft“, sagt Pawelczyk. Insofern gehe die Landkreisverwaltung davon aus, dass die entsprechenden Umtauschanträge fristgerecht bearbeitet werden können.

Angst scheinen zumindest die Bürger in Zerbst nicht zu haben. Denn obwohl der Kreis wegen der Cyberattacke vorübergehend nicht oder nur eingeschränkt erreichbar war, sind die Anfragen nicht bei der Stadtverwaltung gelandet. „Bei uns sind keine Anfragen zum Führerschein angekommen“, heißt es aus der Zerbster Stadtverwaltung. „Uns hat noch niemand gefragt, wie der Führerscheinumtausch funktioniert“, sagt Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella auf Volksstimme-Nachfrage.

Kein Umtausch ohne vorherigen Termin

Schaut man in andere Landkreise, könnte das aber nur die Ruhe vorm Sturm sein. So rechnet etwa der Salzlandkreis mit 12.000 Antragsstellern bis zum Jahresende. Und auch Magdeburg prognostiziert, dass sich bis Januar noch 7000 Menschen melden werden.

Um im Landkreis Anhalt-Bitterfeld den Führerschein umtauschen zu können, müsste aber ein Termin vereinbart werden. Wann das allerdings wieder möglich sein wird, bleibt vorerst noch offen. Landrat Andy Grabner (CDU) hat betont, alles daran zu setzen, dass sämtliche Dienstleistungen für die Bürger so schnell wie möglich wieder angeboten werden können.

Laut Internetseite der Anhalt-Bitterfelder Landkreisverwaltung kostet der Umtausch der Fahrerlaubnis 25,30 Euro, zuzüglich 5,10 Euro für den Versand des neuen Kartenführerscheins.

Drei Führerscheingenerationen sind noch im Umlauf. Nur der EU-Führerschein soll bleiben.
Drei Führerscheingenerationen sind noch im Umlauf. Nur der EU-Führerschein soll bleiben.
Foto: dpa