16-jährige sammelt Erfahrungen beim Freiwilligen Ökologischen Jahr in Deetz

Anna-Sophie, Schlappi und Pantus fühlen sich auf dem Jugendbauernhof sehr wohl

Von Petra Wiese

Nach der Schule und vor dem Start in Ausbildung und Beruf bietet es sich an für junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren, die Interesse an ökologischen Themen, Natur und Umwelt haben, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr zu absolvieren. Er-fahrungen fürs Leben sammelt derzeit eine junge Langensteinerin auf dem Europa-Jugendbauernhof in Deetz.

Deetz l In der Regel sind es zwei FÖJlerinnen, die ein Jahr auf dem Europa-Jugendbauernhof in Deetz verbringen. Seit 2002 ist die Einrichtung als Einsatzstelle im Rennen. Vermittelt über die Stiftung Umwelt, Natur und Klimaschutz waren es für dieses Freiwillige ökologische Jahr, das am 1. September 2012 begann und bis zum 31. August dieses Jahres geht, sogar drei Mädchen auf dem Jugendbauernhof. Von dem Trio ist allerdings nur eine junge Dame übrig geblieben, während die anderen beiden die Sache in Deetz abbrachen.

Dafür ist Anna-Sophie Hoppe umso engagierter. Die 16-Jährige aus Langenstein bei Halberstadt hat schon im August mit einem Praktikum angefangen. Der Leiter des Jugendbauernhofes, Ulrich Weimeister, kann das Mädchen nur loben. Sie ist fleißig, packt mit an und bringt sich ein. Sie wusste, auf was sie sich in Deetz einlässt. "Wir erklären den Bewerbern von vornherein, was sie machen müssen", so Weimeister. Das Aufgabengebiet ist vielfältig, reicht von der Kinderbetreuung, über das Füttern der Tiere, Ackerarbeit, Küchendienst und Putzen bis hin zur Ausgestaltung von Hoffesten.

Was auf dem Jugendbauernhof von den FÖJlern abverlangt wird, "ist auch als Lebensschule nicht schlecht", findet Ulrich Weimeister. Die jungen Menschen sollen Erfahrungen sammeln. Sie sollen sich ein stückweit finden und das Jahr vor allem zur Berufsfindung nutzen. "Wir stellen die FöJler so oft frei, wie sie es brauchen für Bewerbungen, Vorstellungsgespräche etc.", so Weimeister, "wir möchten, dass sie am Ende des Jahres tatsächlich einen Ausbildungsplatz oder ein Studium gefunden haben."

Anna-Sophies Wunschberuf war tiermedizinische Fachangestellte. Als sie sich beim Arbeitsamt erkundigte, schlug man ihr das Freiwillige ökologische Jahr vor. Ein Jahr Zeit, etwas für die Zukunft zu finden. Inzwischen hat sich das Mädchen mit dem Realschulabschluss umorientiert, was die Berufsvorstellungen angeht. Auf ihre mehr als 100 Bewerbungen hatte sie lediglich zwei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten. "Von den meisten gab es gar keine Antwort", zeigte sie sich enttäuscht. Deutschlandweit bewarb sie sich in Tierkliniken und Tierarztpraxen, aber ohne Erfolg. Zu jung und ohne Führerschein sind die Chancen für solche Bewerber sehr gering.

Nun hat es der Zufall so gewollt, dass der Cousin ihres Vaters ein Steuerbüro betreibt, erzählte Anna-Sophie, wie sie etwas anders für sich fand. Die Mutti fragte sie, ob sie sich das nicht mal anschauen wollte. Ein Praktikum könne nicht schaden, befand Anna-Sophie schließlich und schnupperte ein paar Tage Büroluft. Es lief gut, sie fand Gefallen. Wenn es klappt, will sie im April den Ausbildungsvertrag unterschreiben, und dann kann sie nach Abschluss ihres Jahres in Deetz in Wernigerode anfangen.

Bis dahin gibt es noch einiges zu tun auf dem Jugendbauernhof. Gerade hilft auch die FöJlerin bei den "Winterarbeiten" im Haus. Die Flure werden renoviert und die Türen gemacht, Gebrauchsspuren an den Möbeln beseitigt und andere Kleinigkeiten. Die Versorgung der Tiere steht täglich auf dem Programm. Aber gerade der Umgang mit Tieren ist eine Freude für Anna-Sophie. Im Rahmen ihres Jahres muss sie auch ein Projekt vorweisen können. Hier hat sie sich die Kaninchen vorgenommen. Eine Pferdebox hat sie zum Kaninchenkindergarten umgebaut, und "Schlappi" hat sie von zu Hause mitgebracht, die sich quasi um den Nachwuchs kümmert. Kommen Besucher auf den Bauernhof, können sie sich den Kaninchenkindergarten anschauen. Der Entenstall soll nun noch als Auslauf für die Langohren umfunktioniert werden.

Noch ein Tierchen ist Anna-Sophie - und nicht nur ihr - inzwischen ans Herz gewachsen. Pantus heißt der Neuzugang auf dem Jugendbauernhof. Ein verirrter Frischling, der hier ein neues Zuhause gefunden hat. Der Kleine ist gar putzig anzuschauen und wird nun von den Mitarbeitern aufgepäppelt. Nicht nur die Tiere machen der 16-Jährigen Spaß, auch die Challenge mit den Ferienkindern oder die Begegnung mit den Jugendlichen im Workcamp haben ihr gefallen. "Ich fühle mich wohl hier", so Anna-Sophie, die in der Zeit die FöJler-Wohnung in Deetz bewohnt. "Ich bin selbständiger geworden", sagt sie, die sich selber als "Mama- oder Familienkind" bezeichnet und natürlich auch ihre Familie und ihren Freund vermisst.

Ulrich Weimeister findet es gut, wenn die Mädchen von weiter weg kommen und sich von zu Hause abnabeln können. Eine Bewerbung für das nächste Jahr liegt ihm schon vor. Jemand von ganz weit weg aus Bremen. Aber das wird sicher nicht die einzige Bewerbung bleiben. Interessenten können sich jederzeit melden.

Infos zum Freiwilligen ökologischen Jahr in Sachsen-Anhalt unter www.foej-lsa.de