Reise in die NVA-Zeit

Auf Zeit-Reise in die Kantine: Neueröffnung bei den Fläminger Entenspezialitäten in Reuden-Süd

Ein gastronomisches Angebot mehr gibt es jetzt in der Einheitsgemeinde Zerbst. In Reuden-Süd kann man in der neu hergerichteten Kantine einkehren. Geöffnet ist sogar täglich.

Von Petra Wiese
Auf Zeitreise kann man in der am Donnerstag eröffneten neuen Kantine bei den Fläminger Entenspezialitäten gehen. Der Reudener Ortsbürgermeister Elard Schmidt (l). brachte Michael Bügener und Sandra Schmidt als Geschenk zwei Uniformen aus NVA-Zeiten für die Gaststätte mit.
Auf Zeitreise kann man in der am Donnerstag eröffneten neuen Kantine bei den Fläminger Entenspezialitäten gehen. Der Reudener Ortsbürgermeister Elard Schmidt (l). brachte Michael Bügener und Sandra Schmidt als Geschenk zwei Uniformen aus NVA-Zeiten für die Gaststätte mit. Foto: Petra Wiese

Reuden-Süd - In die Kantine „Zur Zeit-Reise“ wird seit Donnerstag in Reuden-Süd eingeladen. Eine kleine Zeitreise soll es durchaus sein für die Gäste. Der Stil der ehemaligen Kantine, die es schon zu DDR-/NVA-Zeiten hier gab, wurde beibehalten. Das Objekt war einst Gaststätte für die Offiziere und Soldaten, die in dem NVA-Objekt zwischen Grimme und Reuden dienten. 

Auch die Bewohner der Wohnblöcke vor dem Objekt durften in die Gaststätte. Kathrin Selcho erinnert sich noch genau. Sie kam als 16-Jährige 1979 nach Grimme. Ihr Vater war Kommandeur und baute das Objekt mit auf. Auch Feiern mit den russischen Generälen fanden hier statt. Bis zur Wende war die Gaststätte in Betrieb. 

Kurzzeitig war Ruhe, dann ging der Kantinenbetrieb weiter. 1994 machte sich Kathrin Selcho selbständig und betrieb die Kantine bis zum vergangenen Jahr. Verändert hatte sich bis dahin nichts. Und das hätte die Pächterin auch gar nicht stemmen können. Nun nahm sich Michael Bügener, Geschäftsführer der Fläminger Entenspezialitäten, der Sache an und ein bisschen Geld in die Hand.

Ziehharmonikawand quer durch den großen Raum

Etwa ein Jahr dauerte jetzt die Sanierung. Alles wurde erneuert. Von den Fenstern angefangen, über den Fußboden, die Be- und Entlüftung, das Lager, die Beleuchtung. Eine moderne Küche hat das Objekt jetzt, und auch die Sanitäranlagen sind neu. Bügener, seine Mitarbeiterin Sandra Schmidt, Regionale Verkaufsleitung, und auch Kathrin Selcho, die Bügener im vergangenen Jahr übernommen hat, überlegten gemeinsam, wie die Kantine im alten Stil hergerichtet werden kann.

Was daraus geworden ist, kann sich sehen lassen. Der große Raum kann mit der alten Ziehharmonikawand geteilt werden. Verschiedene Sitzgruppen erwarten die Gäste. An den Wänden laden Regale mit Getränken aus DDR-Zeiten und alte Kinoplakate ein, in der Vergangenheit zu schwelgen, sich zu erinnern.

Da passte das Geschenk von Reudens Ortsbürgermeister Elard Schmidt zur Eröffnung wie die Faust aufs Auge. „Was Historisches“ brachte er mit – zwei NVA-Frauenuniformen, Originale aus seinem Privatbestand. Eine Schenkung, solange die Kantine geöffnet ist. 

Von Entenroulade bis zur Bockwurst und Bulette

Michael Bügener hofft nun, dass die Kantine angenommen wird. Schließlich könne die Region noch das ein oder andere gastronomische  Angebot gebrauchen. Überzeugen will man außerdem mit vielen Entengerichten auf der Speisekarte – Entenroulade, Entenbulette, Entenbockwurst, Entensülze und noch einiges mehr.

Die Küche versorgt natürlich auch die Mitarbeiter des Betriebes. Für die gibt das Unternehmen pro Essen übrigens 1,50 Euro dazu. Im Gastraum der Kantine finden derweil etwa 75 Personen Platz. Hier kann auch für Feiern oder Seminare gebucht werden. Und schon zum Frühstück werden Gäste empfangen. Von 8 bis 14 Uhr ist von Montag bis Donnerstag geöffnet, Freitag von 8 bis 22 Uhr, und Sonnabend/Sonntag gibt es von 11 bis 14 Uhr Mittagstisch.

In den angrenzenden Raum wird demnächst noch der Werksverkauf umziehen. Hinterm Gebäude sollen später noch Einblicke in alte NVA-Hinterlassenschaften gewährt werden. Michael Bügener, für den das Projekt eine „Herzenssache“ ist, denkt noch daran, einen Spielplatz einzurichten, wenn Familien oder Großeltern mit Kindern kommen. Und in der Hoffnung, dass vielleicht bald das Radwegenetz ausgebaut und Reuden-Süd angebunden wird, sind auch Fahrradständer auf der Liste.