Zerbst l „Lehrermangel – Die Zukunft unserer Kinder und Schulen ist in Gefahr!“ ist der Aufruf an Marco Tullner überschrieben. Über 4100 Bürger haben ihn unterzeichnet. „Eine stattliche Zahl“, wie Florian Sens findet. Sein Sohn besucht die dritte Klasse der Walternienburger Grundschule, wo die Situation genauso angespannt ist wie an der Zerbster Astrid-Lindgren-Grundschule. Es fehlt an Pädagogen, um alle Fächer und Stunden abzudecken.

Lehrer fehlen

Ähnlich schaut es in Lindau aus. „Unsere Schule wird im Moment kommissarisch durch die Klassenlehrerin der ersten Klasse verwaltet“, informiert Yvonne Grübler. Ein Lehrer für Musik und Ethik fehle ebenfalls, erklärt die Vorsitzende des Elternrates. Aufgrund der Personalnot können in diesem Schuljahr zudem keine Arbeitsgemeinschaften mehr angeboten werden. „Die Kinder haben keinen Schulchor mehr und auch keine Theatergruppe oder Tischtennis“, heißt es in der Schilderung an den Bildungsminister. „Pädagogische Mitarbeiter würden uns schonmal reichen, um den Lehrern Betreuungsstunden abzunehmen“, weist Yvonne Grübler auf die Fahrschüler hin, die bis zur Abfahrt des Schulbusse beaufsichtigt werden müssen.

Bewerbungsverfahren dauert lange

„Im Vergleich zu anderen Grundschulen ist die personelle Besetzung in Dobritz zufriedenstellend“, sagt Katrin Wecke. Dennoch sei auch an ihrer Bildungseinrichtung der Lehrermangel spürbar. „An vier Tagen in der Woche werden Lehrer von uns an andere Grundschulen abgeordnet“, erläutert die Elternratsvorsitzende.

„Ich möchte gar nicht dran denken, dass bald die Erkältungszeit beginnt“, graust es Yvonne Grübler vor Krankheitsausfällen, die die Situation noch verschärfen. „Das Hauptproblem ist das jetzige Bewerbungsverfahren. Das muss so geregelt werden, dass es schneller geht“, findet nicht nur Florian Sens.

In der aktuellen Ausschreibungsrunde sind zwar Stellen für Walternienburg (eine) und Astrid-Lindgren (zwei) ausgeschrieben und nachrangig eine für Lindau. Bis diese wirklich zu einer Einstellung von Lehrern führen, wird es wohl Anfang 2019 sein, wie die Pressesprecherin des Landesschulamtes Silke Stadör gegenüber der Volksstimme unlängst erklärte.

Stadtrat plant Willensbekundung

„Sachsen-Anhalt hat noch Kapazitäten, das Bewerbungsverfahren zu optimieren“, sagt Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). Dass trotz der Krisensituation Initiativbewerbungen nicht gesichtet werden und am Online-Verfahren festgehalten wird, kann er nicht verstehen. Bei diesem werden Kandidaten von vornherein ausgeschlossen, weil sie an einer Stelle keinen Haken setzen können, womöglich aber durchaus geeignet sind, wie er darlegt.

So setzte Dittmann selbst seine Unterschrift als 52. auf die Liste, die im Rathaus auslag und die zu den über 4100 Unterschriften hinzukommt, die ihm die Eltern jetzt überreichten und die er Marco Tullner persönlich übergeben will. Dann möchte er dem Bildungsminister auch die Willensbekundung in die Hand drücken, die der Stadtrat auf seiner Sitzung am 26. September verabschieden will. In dieser wird unter anderem die Verbesserung der Unterrichtsversorgung gefordert.