Zerbst l Um Planungssicherheit sollte es gehen, als in dieser Woche beim Bauauschuss der zweite Entwurf und die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes „Flugplatz Zerbst/Anhalt“ Windkraftanlagen beschlossen werden sollte.

Doch es kam anders. Denn mit einem Gefühl der Sicherheit hat wohl niemand die Sitzung verlassen.

Rückblick

Was war passiert? Der Bebauungsplan für den ehemaligen Militärflughafen wurde vorgestellt, der dann in seiner Gesamtheit, also für das ganze Gelände, gelten soll und nicht nur für Teilbereiche, für die es bisher vorhabenbezogenen Bebauungspläne gibt. Im Bebauungsplan wurden als Beispiele für die Flächennutzung Freiflächenphotovoltaikanlagen, Gewerbe, Luft- und Motorsport, die Bioraffinerie, ein Sondergebiet Energie, Wiesen- und Weidehaltung, das Infozentrum „Regenerative Energien“, Kompensationsflächen, auf denen die Versiegelung von Natur ausgeglichen werden kann, und eine Gewächshausanlage angegeben. Die Liste der Nutzungsmöglichkeiten ist nicht zufällig so lang. Sie soll vor allem verhindern, dass Anlieger gegen neue Nutzungen vorgehen können. Wie beim Antrag auf eine Schweinemastanlage auf dem Gelände. Die Bürger wehrten sich mit allen Mitteln. „Um solchen nicht gewollte Anliegen vorzubeugen, wollen wir alle möglichen Nutzungen für das Gelände festlegen“, erklärte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD).

Interessant wurde es dann bei den Erläuterungen zu dem Sondergebiet Energie. Denn der Inhaber des Geländes, die Getec Green Energy, will hier als innovatives Unternehmen im Sinne grüner Energie in der Zukunft durchaus Projekte umsetzen. Angedacht ist beispielsweise ein riesiger Energiespeicher, eine Art Batterie, die so viel Strom speichern könnte, dass Zerbst vor einem Blackout bewahrt werden könnte. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Ausblick

Ebenfalls Zukunftsmusik ist die Idee dort eine Anlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm aufzubauen. Und genau bei dieser Projekt-Idee schieden sich dann die Geister.

Wozu Klärschlamm bearbeiten und nicht weiter auf die Felder aufbringen? Genau das wird aber ab 2029 nicht mehr möglich sein. Die von der EU erlassenen „Klärschlammverordnung“ verbietet das. Wohin also künftig mit dem Klärschlamm? Die Getec Green Energy hat über Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit der Uni Magdeburg und Hochschulen verschiedene Verfahren untersucht, wie Klärschlamm verwendet oder bearbeitet werden kann. Verbrennung ist eine Möglichkeit. Das Verfahren wäre laut Angaben der Getec auch die erträglichste Variante bei der Phosphorrückgewinnung.

Kritik

Doch genau das will Straguths Ortsbürgermeister Edgar Grund verhindern. Auch einige Ausschussmitglieder äußerten sich kritisch, wie beispielsweise Christiane Schmidt. Der Straguther Ortschaftsrat hatte bereits über die Unterlagen abgestimmt zu. Allerdings unter der Bedingung, dass es keine Verbrennung oder Verkohlung geben darf. Der Ort wird angehört, weil der Flugplatz in die Gemarkung fällt, ebenso wie in die von Pulspforde.

Im Bebauungsplan soll nun die Anmerkung „verfahrensoffen“ beigefügt werden. Bei einem konkreten Bauantrag könnte dann immer noch die Erlaubnis verweigert werden.

Klärschlammtourismus

Es sei falsch, jetzt schon alle Ideen im Keim zu ersticken, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann. Denn es müsse künftig mit dem Klärschlamm etwas passieren. Es gehe dabei nicht um eine großindustriellen Anlage, die auf dem Flugplatz errichtet werden könnte. „Ich will keinen Klärschlammtourismus in die Region holen“, erklärte er.

Straguths Ortsbürgermeister Grund hingegen sieht rot bei dem Thema. Er argumentierte mit Gestank und Krankheitserregern im Rauch bei Verbrennungsverfahren. Einen wissenschaftlichen Beleg blieb er schuldig. „Wir wohnen hier auch, da werden wir uns doch nichts hierher bauen, was uns selbst krank macht“, argumentierte Dittmann dagegen.

Weil vielen noch wichtige Informationen zu dem Projekt fehlten, soll der Bebauungsplan für den Flugplatz von der Zustimmung zur Idee einer Klärschlammaufbereitungsanlage zur Phosphorrückgewinnung abgekoppelt werden. Erst wenn zu der Anlage konkretere Informationen vorliegen, soll darüber abgestimmt werden.

Edgar Grund kündigte indessen an, dass der Ortschaftsrat von Straguth das positive Votum revidieren werde. Er werde kurzfristig eine entsprechende Sitzung einberufen.