Zerbst l In Kürze sollten sie eigentlich starten: die Zerbster Kulturfesttage. Vom 19. Februar bis zum 21. März war die Durchführung der traditionsreichen Veranstaltungsreihe geplant. Inzwischen steht fest, dass die 56. Auflage coronabedingt vorerst nicht stattfindet, stattdessen wird über ihre Verschiebung in den Herbst hinein nachgedacht. Das betrifft ebenfalls den Zerbster Heimatverein, der wie verschiedene andere Vereine und Institutionen der Stadt stets bei der Ausgestaltung des Programms mitwirkt.

Um dennoch Präsenz zu zeigen, hatte Schatzmeister Hartmut Luschgy die Idee, das Kunstfenster auf der Breite zu nutzen, um für den Heimatverein zu werben. So präsentiert sich jener in den nächsten sechs Wochen in der gläsernen Galerie mit verschiedenen Ausstellungsstücken. Neben der bebilderten Sage vom Kiekinpott finden sich Banner, die von der Stadtmauer und ihren Toren sowie jenen für Zerbst und seine Bewohner so verhängnisvollen Tagen kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges erzählen.

Auf der Suche nach jüngeren Mitstreitern

Entdecken lässt sich ebenfalls eine Architektenzeichnung vom Zerbster Markt, die um 1920 entstanden ist. Unterdessen hängen an den Wänden Originalradierungen unter anderem von Pallmann und Körtge, die die noch unzerstörte Nicolaikirche oder auch den Blick auf das Heidetor zeigen. Bei den Zeichnungen handelt es sich um Schenkungen von Achim Dorn und Gudrun Kirchner, wie Irene Stephan erzählt.

Sie ist Vorsitzende des Heimatvereins, der derzeit 45 Mitglieder zählt und stetig auf der Suche nach weiteren Mitstreitern ist – vor allem nach jüngeren in Anbetracht des hohen Altersdurchschnitts. Um diese zu erreichen, seien sie mittlerweile auch auf Facebook aktiv, sagt Hartmut Luschgy. Vereinsmitglied Annegret Mainzer kümmere sich um die seit Mai freigeschaltete Seite. „Und wir bereiten einen Internetauftritt vor“, berichtet er von der geplanten Vereins-Homepage.

Unterdessen schaut Irene Stephan etwas wehmütig auf die vergangenen Monate zurück, in denen die Pandemie die angedachten Aktivitäten stark ausbremste. Außer dem Vortrag von Helmut Hehne zum Thema „Bilder und Geschichten unserer Vorfahren im Zerbster Land“, der aufgrund der regen Resonanz bei seiner Premiere im Januar wiederholt wurde, konnte nur noch die Mundart-Lesung in der Essenzenfabrik stattfinden und das auch nur unter Einhaltung der geforderten Abstands- und Hygieneregeln mit begrenzter Gästezahl. Die Gedenktafel für die Opfer des Luftangriffs auf Zerbst am 16. April 1945 wurde ebenfalls in aller Stille und ganz ohne Öffentlichkeit am Gräberfeld auf dem Heidetorfriedhof platziert. Zudem verwaisten die Ausstellungsräume im erhaltenen Schlossflügel durch Corona völlig.

Rundes Jubiläum steht 2022 an

So dient das Kunstfenster jetzt dazu, den Heimatverein wieder stärker ins Bewusstsein der Bürger zu rücken. Immerhin steht 2022 ein rundes Jubiläum an und zwar das 30-jährige Bestehen des Vereins, der in dieser Zeit schon einiges initiiert hat – angefangen bei der Umbenennung von Straßen nach bedeutenden Zerbstern bis hin zur Herausgabe eines Stadtführer sowie eines immerwährenden Kalenders. „Beides kann man bei uns kaufen“, merkt Hartmut Luschgy an. „Wir besitzen auch fast alle Zerbster Heimatkalender“, ergänzt er. Wer in der Schriftenreihe einen Artikel suche, könne sich ebenfalls gern an den Verein wenden.