Zerbst l Seit 1991 hat Torsten Jerchel sein Geschäft auf der Breite, im Februar 1992 war alles ausgebaut und eingerichtet. Und eigentlich von Anfang anfand sich immer irgendetwas im Schaufenster. Das hielt sich zunächst im kleinen Rahmen bis der Umfang immer mehr zunahm.

Die Themen, die berücksichtigt werden, sind vielseitig. Die reichten über das Zerbster Schloss, Rathaus, Markt, die Störche und den Storchenhof in Loburg, Heimatverein, Zirkusfreunde. Seit zwei Jahren ist nun der Sport an der Reihe. „Zerbst war und ist eine Sportstadt“, sagt Torsten Jerchel. Da gab es einige Zerbster, die die Sportgeschichte mit gestaltet haben, und es bis heute tun. Solche Menschen und deren Engagement zu würdigen, darum geht es Torsten Jerchel. Und er will erinnern, Geschichte aufleben lassen, bevor sie in Vergessenheit gerät.

Von Boxen über Fußball zum Turnen

Durch die Patienten im Geschäft hat Torsten Jerchel natürlich viele Kontakte. Der Zerbster kennt die Leute, und da ergibt sich einiges, wie nun auch die „Sportfenster“. Eigentlich fing es mit Boxen an. Bevor er zum Fußball ging, habe er da auch mal kurz rein geschnuppert, verriet Torsten Jerchel. Nun, das Material zum Thema Boxen war dann doch nicht wie geplant verfügbar. Dafür gab es zum Auftakt einiges über den Fußball in Zerbst.

Bilder

Die kleine Fensterausstellung über den Zerbster Fußball war dann Anstoß, dass Torsten Jerchel, Helmut Hehne, Dittmar Gensch und Achim Lucas im vergangenen Jahr das Lesebuch „11 Freunde müsst ihr sein...! 120 Jahre Fußball in Zerbst“ heraus brachten.

Training am alten Pauschenbock

Die Fensterausstellung zum Boxen konnte danach gestaltet werden. Jetzt sind es die Zerbster Turner, denen das Schaufenster gewidmet ist. Die Askom-Werbeagentur von Mandy Baum hat eine große Collage zusammengestellt mit alten und neuen Fotografien von Zerbster Turnern, deren Auftritten und Wettkämpfen. Ein alter Pauschenbock, an dem durchaus heute noch trainiert wird, ist durch die Scheibe zu sehen, dazu die Fahne der Turner, die sie auch jedes Jahr zum Turnfest nach Freyburg begleitet.

„Sehr schön geworden“, freut sich Turntrainerin Birgit Gohl über die Ausstellung. Die älteren Fotos konnten aus dem Bestand der Familien Beckmann, Gohl, Sliva und Wiese zur Verfügung gestellt werden. So findet sich Helmut Beckmann, der älteste unter den Zerbster Turnern und seit Anfang der 1950-er Jahre aktiv dabei, auf einigen Fotos wieder.

Sechs bis acht Wochen da

Sechs bis acht Wochen verbleiben die einzelnen Themen im Jerchelschen Schaufenster. Dass immer wieder die Leute stehen bleiben und sich alles in Ruhe anschauen, hat auch Mandy Baum schon beobachtet. Torsten Jerchel kann sich über positives Feedback freuen. Es ergibt sich manches Gesprächsthema. Gerne lesen die Leute auch Namen, hat Torsten Jerchel die Erfahrung gemacht. Und da gibt es auch so manchen Wiedererkennungseffekt, Erinnerungen werden wach, unbekannte Gesichter können wieder zugeordnet werden.

Natürlich wirbt die Ausstellung auch für den Sport. Zu DDR-Zeiten war jeder Vierte Mitglied einer Betriebssportgemeinschaft, erinnert Torsten Jerchel. Inzwischen klagen Sportvereine über Nachwuchsmangel, es fehlen unter Umständen Übungsleiter, Schiedsrichter und mehr. Alles steht und fällt mit dem Ehrenamt.

Themen gibt es genug

Zu Themen für seine nächsten Schaufenster-Ausstellungen muss sich Torsten Jerchel eigentlich keine Gedanken machen. Da kann er auf verschiedene Anregungen und Anfragen zurückgreifen. Und auch Sportarten mit Tradition gibt es noch einige in Zerbst, die es lohnt, darzustellen und zu würdigen.