Radtourismus steht in den Startlöchern

Besucher dürfen im Zerbster Umland noch nicht übernachten, aber die Landschaft entdecken

Der Fahrradtourismus an der Elbe in Steutz und Walternienburg muss noch warten. Denn in den Landkreisen, die der Fluss berührt, gelten je nach Inzidenzlage sehr verschiedene Regelungen, die der Radtourist bei seiner Tour beachten müsste.

Von Thomas Höfs

Steutz/Walternienburg - Der Magdeburger Tourismusverband Elbe-Börde-Heide hat gestern die Hinweise für den Radtourismus an der Elbe aktualisiert. Obwohl es bereits Mitte Mai ist, hat der Tourismus auf zwei Rädern entlang der Elbe und anderer Flüsse noch nicht begonnen. Schuld ist die Corona-Pandemie. Der Tourismus wird erst in den kommenden Wochen wieder zaghaft starten, hoffen die Touristiker. Nördliche Bundesländer, wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen haben das Übernachten für touristische Zwecke bereits wieder erlaubt. In Sachsen-Anhalt ist die Situation noch etwas komplizierter. Hier gibt es noch keine Öffnung. Weil die Landkreise immer noch sehr unterschiedlich von der Corona-Pandemie betroffen sind, gelten hier verschiedene Regelungen, je nach Höhe des Inzidenzwertes. Touristen dürfen aber noch nicht übernachten. Mitunter macht es auch einen Unterschied, auf welcher Seite des Flusses der Radtourist unterwegs ist. Das ist im nördlichen Teil des Bundeslandes Sachsen-Anhalt zu sehen. Während der Landkreis Stendal noch bei einer Inzidenz gestern bei 114,2 war, lag der benachbarte Landkreis Prignitz bei 39,4.

Allerdings gehen die Zahlen seit Tagen landesweit zurück. Hält der Trend an, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Tourismus im Land wieder beginnen kann. Die Nachfrage nach Möglichkeiten im Inland, sich zu erholen, dürfte in diesem zweiten Jahr der Corona-Pandemie wieder groß sein. Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der Bürger, die erstmals auf einem Fahrrad Urlaub verbrachten, groß.

Radreisen boomen seit 2020

Die Corona-Pandemie hat gerade beim sanften Radtourismus viel erreicht. „Viele Menschen haben im vergangenen Jahr das Radreisen und damit auch den Elberadweg für sich entdeckt. Laut ADFC Radreiseanalyse 2021 waren in 2020 deutschlandweit 3,5 Millionen Radreisende unterwegs. 54 Prozent von ihnen haben zum ersten Mal eine Radreise unternommen. Ziel ist es nun, die Neueinsteiger langfristig für Radreisen zu begeistern“, sagt Melanie Diedrich-Schüller, Geschäftsführerin des

Magdeburger Tourismusverbandes Elbe-Börde-Heide. Weil die Situation im Ausland zum Teil sehr unübersichtlich ist, kann damit gerechnet werden, dass viele Bürger wieder das Rad nutzen werden, um das eigene Land zu erkunden. Das zeigt sich bereits an der Nachfrage nach Fahrrädern. Der Fachhandel ist bereits seit einigen Wochen kaum noch in der Lage, gut nachgefragte und gängige Modelle zu liefern. Auch hier hat die Corona-Pandemie in der jüngeren Vergangenheit für einen enormen Absatz gesorgt. Der Verkauf von Fahrrädern wuchs im vergangenen Jahr um rund 60 Prozent.

Zerbst profitiert vom Tourismus vor der Haustür

Wer sich jetzt nach einem neuen Rad umsieht, wird kaum noch fündig oder muss oft viele Wochen oder bis zu Jahresende auf die Lieferung warten. Auch bei Ersatzteilen für Fahrräder sieht es aktuell schlecht aus. Grund sind hier Lieferschwierigkeiten der Zulieferer aus Asien. Weil es wenig freie Container gibt, lässt der Nachschub auf sich warten. Trotz der großen Nachfrage und der Lieferprobleme dürften viele Radfahrer bereits in den Startlöchern stehen und nur darauf warten, dass die Saison bundesweit endlich anläuft. Wer von der Quelle der Elbe starten will, muss sich zudem noch etwas gedulden. Das Nachbarland Tschechien erlaubt bislang noch keinen Tourismus. Wenn aber auch dort die Impfungen Wirkung zeigen und die Zahl der Corona-Erkrankten und -Infizierten deutlich sinkt, dürfte auch das Nachbarland wieder öffnen.

Etwas entgegen kommt den aktuellen Schließungen und Verboten die Wetterlage. Bislang zeigte sich der Mai noch nicht von seiner sonnigen und schönen Seite. Dabei muss es gar nicht so warm sein, um an der Elbe zu radeln.

Die Einheitsgemeinde Zerbst gehört zu den wenigen Gemeinden am Fluss, die vom stetigen Strom der Radfahrer profitieren und durch den Radtourismus einen echten Wirtschaftsfaktor vor der Haustür haben. Längst haben sich die Elbdörfer auf den wachsenden Strom der Radfahrer eingestellt. Liebevoll werden die Orte seit Jahren schon herausgeputzt. Der Elberadweg führt hier durch eine seit langer Zeit wenig veränderte Landschaft. Die Elbaue zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite. Viele Radfahrer sind begeistert von der Region und der Natur.

Wasserburg bei Walternienburg lockt Radler an

Zu einem Anlaufpunkt der Radfahrer hat sich hier Walternienburg entwickelt. Die Wasserburg ist hier ein Informationspunkt für die Radler. Es gibt aber im Ort noch mehr zu entdecken. Regelmäßig machen Radfahrer inzwischen auch am Umweltzentrum in Ronney Station. Oftmals geht es dabei um allzu menschliche Bedürfnisse, wissen die Mitarbeiter. Das Haus verlangt inzwischen einen kleinen Obolus für den Toilettenbesuch. Zukünftig will sich die Einrichtung mit Informationen noch mehr an die Radfahrer richten und informieren.