Zerbst/Deetz l Silvester – die Partynacht schlechthin, überall wird ausgelassen mit der Familie und Freunden gefeiert. Doch für gleich drei Ortsfeuerwehren hat der letzte Tag des Jahres bereits am Mittag mit einem Einsatz begonnen. Gegen 12.15 Uhr wird den Einsatzkräften ein Brand in der Deetzer Nedlitzer Straße gemeldet. „Als wir eingetroffen sind, stand ein Bungalow bereits in Vollbrand“, sagt der Deetz-Badewitzer Ortswehrleiter und Einsatzleiter Denis Hofmann.

Dachpappe entzündet sich immer neu

Das Problem, die Datsche steht inmitten von Gestrüpp, Sträuchern und Bäumen, sodass die Einsatzkräfte erst einmal mit Heckenschere und Kettensäge zu Werke gehen müssen, um an das brennende Gebäude zu kommen. „Die tropfende Dachpappe entzündet sich immer wieder neu, so ist es schwierig das Feuer endgültig gelöscht zu bekommen“, erklärt Hofmann. Immer wieder schlagen Flammen aus dem Dach.

Die insgesamt 50 Einsatzkräfte der Ortswehren Deetz-Badewitz, Lindau und Zerbst brauchen gut drei Stunden, bis das Feuer endlich gelöscht ist. „Zur Brandursache kann ich noch nicht viel sagen. Die Polizei hat dazu Ermittlungen aufgenommen“, so der Einsatzleiter. „Wir gehen derzeit von fahrlässiger Brandstiftung aus“, heißt es seitens der Polizei am Neujahrsmorgen. Die Ermittlungen seien eingeleitet worden. Die Schadenshöhe könne derzeit noch nicht beziffert werden. Der Bungalow habe seit Länerem leer gestanden. Erst vor wenigen Tagen ist in zwei Bungalows in der Nachbarschaft eingebrochen worden.

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Party gut gefeiert

Am Abend beginnt dann allerorts die Partynacht. Im Gartenlokal „Blume“ steigt alljährlich eine kleine und gemütlich-familiäre Feier. „Wir haben zu Beginn unsere Gäste mit allerlei Köstlichkeiten verwöhnt. Dabei ist natürlich ein traditioneller Silvesterkarpfen, Schweinefilet, Wildschweinrücken, Wildlachsfilet oder Hirschbraten“, sagt Gastwirt Tom Hebäcker, der mit dem Team des Gartenlokals für das Wohl seiner Partygäste sorgt.

Nach dem Essen wird getrunken, getanzt, gesungen, geschunkelt und natürlich Tischfeuerwerk gezündet. Die Auswahl der gespielten Hits aus der Konserve reicht von Kult-Schlagern aus den 1970er Jahren bis in die Gegenwart – sehr zum Gefallen der Gäste.

In der Notaufnahme der Zerbster Helios-Klinik ist um 22 Uhr noch nichts los. Hier haben Schwester Petra, Chirurg Gregor Pintschovius und Internist Vinoo Ish Nachtdienst. „Für uns ist das ein Dienst wie in jeder anderen Nacht“, sagt Schwester Petra. In den Großstädten sei das schon eine andere Situation, aber hier bei uns in den kleineren Städten werde das Personal in der Silvesternacht nicht aufgestockt.

Ärzte und Schwestern in Bereitschaft

„Es gibt natürlich mehrere Ärzte im Hintergrunddienst. Außerdem hat ein OP-Team Bereitschaft, für den Fall der Fälle. Aber das ist in jeder anderen Nacht genauso“, erklärt die Schwester. Was sie hier noch nicht weiß, es wird nicht so ruhig bleiben. Insgesamt sieben Patienten werden im Laufe der Silvesternacht noch die Notaufnahme aufsuchen, so Schwester Carmen am Neujahrsmorgen. „Es ist ein bunter Mix gewesen, angefangen von internistischen Beschwerden bis hin zu Stürzen“, schildert Schwester Carmen den Verlauf der Nacht.

Auch Patienten mit übermäßigem Alkoholkonsum seinen darunter gewesen. „Verletzungen oder Verbrennungen durch Feuerwerkskörper sind glücklicherweise nicht dabei gewesen. Eigentlich sind es Fälle, wie in jeder anderen Nacht auch und Gott sei Dank nichts Dramatisches“, berichtet Schwester Carmen.

Nur wenige Hundert Meter von der Notaufnahme entfernt, im Lokal „Tivoli“ in der Dessauer Straße, kocht die Stimmung zu dieser Zeit bereits. Hier heizt Lokalmatador und Schlagersänger Martin „Zimmi“ Zimmermann den Partygästen ordentlich ein. Spätestens bei Zimmis zweitem Lied – Udo Jürgens Kult-Hit „Griechischer Wein“ – hält die Gäste nicht mehr auf den Stühlen. Es wird geklatscht, gesungen, getanzt und geschunkelt.

Zerbster sind "artig" in der Nacht

Insgesamt ist die Silvesternacht in der Einheitsgemeinde Zerbst ruhig verlaufen. „Wir mussten zu keinen Silvester-typischen Einsätzen ausrücken“, informiert Frank Steinmetz, Polizeihauptkommissar im zuständigen Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld in Köthen auf Volksstimme-Nachfrage. Bis Neujahr 11 Uhr seien weder Anzeigen wegen Sachbeschädigung noch wegen Körperverletzungen erstattet worden.

„Lediglich ein Auffahrunfall hat sich gegen 3 Uhr Morgens in der Magdeburger Straße ereignet. Eine Opel-Fahrerin wollte nach links in eine Grundstückszufahrt abbiegen. „Der Fahrzeugführer eines nachfolgenden Renault hat dies zu spät erkannt und ist auf den Opel aufgefahren“, so Steinmetz. Während der Unfallaufnahme hätten die Polizeibeamten festgestellt, dass der Renault-Fahrer unter Alkohol-einfluss gestanden hat.

„Daher wurde eine Blutprobenentnahme veranlasst und der Führerschein sichergestellt. An beiden beteiligten Fahrzeugen ist Sachschaden entstanden“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Im Übrigen sei die Silvesternacht im gesamten Landkreis ruhig und ohne besondere Vorkommnisse verlaufen. „Auch in Köthen und in Bitterfeld ist es ruhig geblieben. Auch hier mussten wir zu keinen für solche eine Partynacht typischen Einsätze ausrücken“, sagt Steinmetz.

Einzig die Zerbster Ortswehr wurde gegen 1.30 Uhr noch einmal zu einem vermeintlichen Kleinbrand in den Zerbster Amtsmühlenweg gerufen. „Als wir eingetroffen sind, hatte ein Anwohner eine kleine zurückgelassene und brennende Feuerwerksbatterie bereits gelöscht. Das ist so ein typischer Einsatz in der Silvesternacht, wo die Dringlichkeit fraglich scheint“, sagt Ortswehrleiter Steffen Schneider. Zehn Kameraden sind zu dem morgendlichen Einsatz ausgerückt.