Zerbst l Der Anteil der Schulabgänger, die ohne einen Abschluss die Schule verlassen, steigt. Das geht aus der Bildungschancen-Studie der Caritas hervor. Die Caritas hat dazu die Basisdaten der Regionaldatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet. Demnach haben im Jahr 2017 mehr als 52.000 Jugendliche in Deutschland die Schule verlassen, ohne einen Schulabschluss erreicht zu haben. Das sind rund 5000 mehr als noch 2015 und macht insgesamt 6,9 Prozent aller Schüler aus.

Auch in Sachsen-Anhalt ist diese Entwicklung zu beobachten. Im Jahr 2017 sind 10,34 Prozent der Schüler ins Berufsleben gestartet, ohne zumindest einen Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. 2015 lag ihr Anteil bei 9,88 Prozent. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist diese Quote sogar noch höher. Laut der Caritas-Studie hat sich der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss von 8,38 Prozent im Jahr 2015 auf mittlerweile 11,58 Prozent im Jahr 2017 erhöht.

Unteres Mittelfeld

Damit zählt der hiesige Landkreis zum unteren Mittelfeld in Sachsen-Anhalt. Von den 14 Landkreisen beziehungsweise kreisfreien Städten schneiden nur Magdeburg (11,74 Prozent), Mansfeld-Südharz (11,85 Prozent), Halle (12,1 Prozent) und das Jerichower Land (13,94 Prozent) schlechter ab als Anhalt-Bitterfeld.

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Dass es mehr Schüler gibt, die ohne Abschluss die Schule verlassen, lässt sich an der Ciervisti-Schule in Zerbst nicht beobachten, so Schulleiterin Kirsten von Mandel. „Es gibt zwar schon einige Schüler, die hier ohne Hauptschulabschluss ins Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) gehen. Aber dort können sie diesen ja nachholen. Dass der Anteil dieser Schüler jetzt merklich gestiegen sei, kann ich nicht behaupten“, sagt von Mandel.

Zuwanderung als Erklärung

Die Ersteller der Studie suchen indes auch nach Ursachen, weshalb in den meisten Kreisen die Zahlen steigen. Unter anderem heißt es auf der Internetseite der Caritas: „Zuwanderung ist einer der Erklärungsfaktoren für die gestiegenen Zahlen. Für viele der zugewanderten Jugendlichen ist es schwer, gleichzeitig die Sprache zu lernen und einen Schulabschluss zu erzielen.“ Darüber hinaus sei die schulische Vorbildung dieser Jugendlichen sehr unterschiedlich. Erschwerend komme noch hinzu, dass geflüchtete Kinder und Jugendliche oftmals nicht sofort einen Zugang zum deutschen Bildungssystem bekommen.

Zudem erschwere die Zuwanderung einen Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte. „Die Regelungen zur Beschulung neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher sind in den Bundesländern unterschiedlich und die Umsetzung in den Kommunen ist es auch. Zudem verteilt sich die Zuwanderung unterschiedlich auf Bundesländer und Kreise“, heißt es auf der Homepage der Caritas.

Weitere Faktoren

Blickt man auf die Quote der ausländischen Schüler im Kreis Anhalt-Bitterfeld, so zeigt sich, dass ihr Anteil von 2,22 Prozent im Jahr 2015 auf 3,73 Prozent im Jahr 2017 gestiegen ist. Dass die Zuwanderung anderer Schüler ein Grund für die gestiegene Schulabbrecherquote sein könnte, ist also nicht auszuschließen. Neben den neu zugewanderten Jugendlichen, die bei der aktuellen Studie erstmals berücksichtigt wurden, werden aber auch die Anzahl von Förderschülern und die Arbeitslosenquote herangezogen. Zudem fließen auch das Bruttoinlandsprodukt und der Anteil Beschäftigter ohne abgeschlossene Berufsausbildung in die Statistik mit ein, auch wenn der Einfluss nicht allzu groß sei.