Zerbst l In Sachsen-Anhalts Schulen sind mit dem Beginn des neuen Schuljahres verschiedene Neuerungen in Kraft getreten beziehungsweise Modellprojekte gestartet. In Zerbst ist jedoch zunächst nur das Francisceum von Änderungen betroffen, denn für die 11. Klassen greift nun die neue Oberstufenverordnung. Diese besagt, dass die Schüler drei an Stelle von zwei Fächern auf erhöhtem Anforderungsniveau belegen können. Die Schüler wählen also drei Fächer aus, die sie ab Klasse 11 fünfstündig auf erhöhtem Niveau belegen. Zur Auswahl stehen Mathematik, Deutsch, eine Fremdsprache und eine Naturwissenschaft.

Aus diesen drei Fächern wählen die Schüler wiederum zwei Fächer aus, in denen sie die schriftliche Prüfung auf erhöhtem Niveau absolvieren müssen. Zudem belegen die Schüler zwei weitere dreistündige Fächer: Geschichte sowie eine Naturwissenschaft oder eine zweite Fremdsprache.

Zwei schriftliche Prüfungen

Für die Abiturprüfungen gilt nach wie vor: Es werden zwei schriftliche Prüfungen auf erhöhtem Niveau und zwei schriftliche Prüfungen auf grundlegendem Niveau geschrieben sowie eine mündliche Prüfung abgelegt.

Das nunmehr dritte Fach, das auf erhöhtem Niveau belegt wurde, kann auf grundlegendem Niveau schriftlich oder auch mündlich geprüft werden.

Schulleiterin berüßt Regelung

Veronika Schimmel, Schulleiterin im Zerbster Francisceum, begrüßt die neue Regelung. „Zum einen können sich die Schüler so besser spezialisieren. Außerdem sitzen dann nur die Schüler in den Leistungskursen zusammen, die dort auch wirklich hin wollen. Ich denke, dass es sich so noch besser lernen lässt“, sagt Veronika Schimmel.

Neben der neuen Oberstufenverordnung starten auch zwei Modellprojekte in Sachsen-Anhalt. So werden zum Beispiel an 20 Schulen im Land Praxislerntage eingeführt. Die Praxislerntage werden im 8. und 9. Schuljahr in der Sekundarschule und, mit Ausnahme der Gymnasialzweige, in der Gemeinschaftsschule durchgeführt. Im 14-tägigen Rhythmus besuchen die Schüler dabei für einen Tag in der Woche ein Unternehmen in der Region, um die betriebliche Realität kennenzulernen. So sollen sie besser auf Berufs- und Arbeitswelt vorbereitet werden und praxisorientiert lernen, heißt es in einer Pressemitteilung des Bildungsministeriums.

Umsetzung ist schwierig

Kirsten von Mandel, Schulleiterin der Zerbster Ciervistischule, sagt dazu: „Die Idee, dass Schüler verschiedene Unternehmen in der Region besuchen, ist gut. Die Umsetzung ist jedoch schwierig und mit einem sehr hohen Organisationsaufwand verbunden. Bei uns würde das so nicht funktionieren.“ So sei beispielsweise die kontinuierliche Lernbegleitung durch Lehrkräfte kaum realisierbar, meint von Mandel.

Darüber hinaus ist so ein Praxislerntag auch nicht zwingend erforderlich, sagt von Mandel. Hinsichtlich Berufsorientierung würde man an der Ciervistischule schon viel anbieten. „Wir arbeiten eng mit dem Jobcenter zusammen, Berufsberater kommen zu uns in die Schule, die Neuntklässler besuchen das Berufsinformationszentrum und natürlich gibt es die Praktika in der 8. und 9. Klasse“, zählt die Schulleiterin auf.

Schulverwaltungsassistenten sollen helfen

In einem anderen Modellprojekt soll geprüft werden, in wie weit Schulverwaltungsassistenten den Schulen bei der Bewältigung organisatorischer Ausgaben unterstützen können. Die Organisation von Schulkonferenzen und Beratungsgesprächen, das Durchführen der Öffentlichkeitsarbeit, die Koordination der Schülerbeförderung und viele weitere Einsatzgebiete wären denkbar. Heike Bengner, Schulleiterin der Grundschule Astrid Lindgren, ist überzeugt, dass so ein Assistent eine große Hilfe für die Schulleitung wäre. „Man muss aber klar definieren, was in den Aufgabenbereich fällt. Ich denke, dass sich da sonst einiges mit dem Sekretariat überschneidet“, sagt Bengner.