Naturschutz

Bürgerinitiative in Zerbst kämpft für Blühstreifen an Straßenrändern

Die einen brauchen es kurz, die anderen lang. Zum Mähen an den Straßenrändern gab es jetzt einen Austausch der Bürgerinitiative „Zerbst blüht auf“ mit der Straßenmeisterei.

Von Petra Wiese
Die Straßenränder müssen kurz gehalten werden, um  Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Die Straßenränder müssen kurz gehalten werden, um Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Foto: Petra Wiese

Zerbst - Zunehmend Müll in der Landschaft, Insektensterben und Artenvielfalt sind Themen der Bürgerinitiative "Zerbst blüht auf“ (BI). Die Initiative war im Dezember des vergangenen Jahres gegründet worden und zählt zirka 40 Mitglieder aus dem Gebiet der Einheitsgemeinde Zerbst. 

Mit einer großen Müllsammelaktion im März machte die Initiative von sich reden. Diese soll künftig zweimal im Jahr – immer im März und September – stattfinden. Mit der Stadt Zerbst erfolgte außerdem bereits ein Austausch zum Mähen auf den städtischen Grünflächen. Nun suchten Vertreter der Bürgerinitiative das Gespräch mit Jan Düben, dem Leiter der Zerbster Straßenmeisterei, und Jörg Jordan, dem Fachgruppenleiter Betriebsdienst im Regionalbereich Dessau. „Wie weit besteht die Möglichkeit, das Mahdregime zu ändern und den Müll aufzulesen vor der Mahd?“, stellte Eckhard Schmidt von der BI die Frage, um die es gehen sollte. 

„Ich würde gerne noch mehr mähen“, machte Jan Düben deutlich, „die Straße steht für uns im Vordergrund. Ich muss für die Verkehrssicherheit sorgen.“ Er erhalte viele Anrufe mit Nachfragen, weshalb nicht gemäht ist, erzählte er. Aber bei 300 Kilometern Straße, also 600 Kilometern Straßenrändern, ist es kein einfaches Unterfangen, immer und überall alles im Top-Zustand zu halten. 

Kurz gemähte Straßenränder will die Bürgerinitiative nicht. Eher das Gras etwas höher, und der Streifen müsste auch nicht so breit gehalten werden. Mehr Raum für Pflanzen und Tiere, und es sollte vermieden werden, beim Mähen den Müll, der an den Straßenrändern liegt, klein zu schreddern, dadurch gelangt er in die Nahrungskette.

Umsetzen lässt sich das nicht so einfach: Das Gras dürfe nicht die Reflektoren an den Leitpfosten verdecken, erläuterte Jörg Jordan. Im Bereich von Radwegen wiederum gebe es bei hohem Gras Schwierigkeiten bei Gegenverkehr. Außerdem brauchen die Autofahrer möglichst gute Sicht. „Wir müssen die Straßenränder wegen der Wildbestände frei halten“, so Jan Düben. Das Reh hockt am Straßenrand. Wildunfälle sollen verhindert werden.

Konkrete Vorgaben, wie hoch und wie breit zu mähen ist, gibt es allem Anschein nach allerdings nicht. Da sei nichts definiert, sagen die Straßenmeister. Stattdessen gibt die Technik das Maß vor. Da seien keine Höhenvariationen möglich, so Jan Düben. Nicht nur öfter, auch breiter würde er gerne mähen. Bei dem externen Bereich werde schon ein gewisser Kompromiss eingegangen, so Jörg Jordan. Einmal im Herbst wird hier nur gemäht, damit sich bestimmte Gräser entwickeln können. Dieser Begleitstreifen neben dem etwa zwei Meter breiten, kurz gehaltenen Straßenrändern wird auf seiner anderen Seite zumeist von der Landwirtschaft bedrängt.

„Die Menschen nehmen immer mehr Lebensraum in Anspruch“, so Eckhard Schmidt. Ändern müssten die Menschen grundsätzlich ihr Verhalten, vor allem was die Müllentsorgung angeht.

„Das Müllsammeln können wir nur leisten, wenn wir personell dazu in der Lage sind“, sagte Jan Düben. „Das Problem hätten wir nicht, wenn die Leute richtig entsorgen würden“, so Jordan. Ob mit Schildern „bitte keinen Müll entsorgen“, etwas bewirkt werden würde, ist zweifelhaft. Ob nicht auch die Müllsammelaktionen Leute eher motivieren würden, ihren Abfall in die Landschaft zu entsorgen, da es ja weggeräumt wird, wurde hin und her diskutiert. Je mehr Menschen bei solchen Aktionen mitmachen, umso weniger werden ihren Müll in die Landschaft werfen, ist Eckhard Schmidt überzeugt. 

Vor allem Überzeugungsarbeit ist also notwendig, um die Menschen zum Umdenken zu bringen. Hier will die Bürgerinitiative einen Beitrag leisten.  Den Bürgern sollte klar sein, dass jeder Einzelne für die Beseitigung des Mülls bezahlen muss, so Jordan. Dafür bezahle jeder Steuern. 

Dennoch bleibt es Aufgabe der Straßenmeisterei, für die Straßenränder zu sorgen. Was lässt sich ändern? Schon zehn Zentimeter höher stehen lassen, würde viel ausmachen, ist Tino Höppner, auch Mitglieder der BI, überzeugt. Hier sollen technische Möglichkeiten noch einmal abgecheckt werden, versprach Jan Düben. Die Personalprobleme liegen derweil auf der Hand. Da bleibt kaum Spielraum, um mehr Müll zu sammeln. 

Die Bürgerinitiative will dran bleiben. Das Thema Winterdienst rückt in wenigen Monaten wieder auf den Plan. Einen nächsten Austausch zwischen Bürgerinitiative und Straßenmeisterei soll es im November geben.