Zerbst l Nun ist auch eine Zerbster Pflegeeinrichtung von Covid-19 betroffen. In der Seniorenresidenz „Valenta“ sind insgesamt 21 Personen positiv auf das Virus getestet worden. „Aus der Einrichtung liegen insgesamt 21 positive Testergebnisse vor, davon entfallen 16 auf Bewohner und fünf auf das Personal“, schreibt Landkreissprecherin Marina Jank auf Nachfrage.

Am Donnerstag war in der täglichen Pressemitteilung des Landkreises zur Corona-Pandemie von 50 Neuinfektionen im Landkreis die Rede, davon 21 in der Einheitsgemeinde Zerbst. Der Landkreissprecher teilte weiter mit, dass auch eine Senioreneinrichtung aus Zerbst betroffen sei, aber nicht explizit, dass alle 21 Neuinfektionen mit der Seniorenresidenz in Zusammenhang stehen.

Mängel beim Hygienekonzept?

„Weitere Testungen sind vorerst nicht geplant, da sowohl alle Bewohner als auch das gesamte Personal Anfang der Woche getestet worden sind“, teilt die Landkreissprecherin am Freitag weiter mit. Es sei ein Besuchsverbot ausgesprochen worden. Zum möglichen Grund für die schnelle Weiterverbreitung befragt, schreibt Marina Jank: „Das Hygienekonzept ist nicht konsequent eingehalten worden.“

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„Erst einmal sind wir froh, dass keiner der infizierten Bewohner und Mitarbeiter akut erkrankt ist. Allen geht es den Umständen entsprechend gut, abgesehen von einer Bewohnerin, die momentan stationär behandelt wird“, sagt der Inhaber der Einrichtung auf Volksstimme-Nachfrage und weist gleichzeitig die erhobenen Vorwürfe des Landkreises entschieden zurück.

Einrichtung bestreitet dies

„In unseren Residenzen legen wir größten Wert auf die konsequente Einhaltung des Hygienekonzeptes“, sagt Jens Erxleben im Gespräch mit der Volksstimme. Allerdings sei die Seniorenresidenz in erster Linie auch eine Wohngemeinschaft, wo man schon rein rechtlich keinem Bewohner verbieten dürfe, das Haus zu verlassen, und die Bewohner sich in ihren Wohnbereichen frei bewegen dürfen.

Erxleben bemängelt im Gespräch eine unzureichende Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt. „Seit Ausbruch der Pandemie waren am Dienstag das erste Mal Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Zusammenhang mit Corona in der Einrichtung, nämlich um die Tests durchzuführen“, ärgert sich Erxleben. Erkannt habe man die ersten Infektionen durch Schnelltests, die vom Personal durchgeführt wurden.

Schlechte Kommunikation mit Gesundheitsamt?

„Das war am Mittwoch vergangener Woche. Daraufhin haben wir das Gesundheitsamt informiert, das dann am Dienstag dieser Woche Mitarbeiter für weitere Testungen geschickt hat. Getestet wurden im Übrigen nur Bewohner und Mitarbeiter ohne Symptome“, schildert Erxleben. Auch die Personen, bei denen durch Mitarbeiter der Einrichtung schon Schnelltests durchgeführt wurden, seien nicht noch einmal getestet worden. „Nicht einmal auf unser Bitten hin. Eine nochmalige Testung wurde strikt abgelehnt“, macht er seinem Ärger Luft.

„Auch telefonisch sind die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes nur schwer zu erreichen. Man spricht mit einer Telefonistin. Diese legt einen Vorgang an und so wartet man dann auf einen Rückruf, der vielleicht irgendwann einmal kommt. Das kann doch in Zeiten einer Pandemie nicht die Lösung sein“, so der Inhaber der Einrichtung.

Vielleicht draußen infiziert

Er gehe davon aus, dass eine Bewohnerin, die regelmäßig nach draußen geht, sich irgendwo infiziert habe, denn auch deren Betreuerin sei eine der ersten gewesen, die positiv getestet wurde. „Die Bewohner der einzelnen Wohnbereiche können sich dort frei bewegen, nehmen gemeinsam Mahlzeiten ein und treffen sich in der Gemeinschaftsküche. So hat sich das Virus wohl in diesem Wohnbereich ausgebreitet“, sagt Jens Erxleben.

„Die Einrichtung steht auf Anordnung der Heimaufsicht bis 19. Dezember unter Quarantäne. Dienste werden über zwölf Stunden Schichten abgedeckt. Die Versorgung der Bewohner ist weiterhin gesichert“, schreibt Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes auf Nachfrage.

Personelle Unterstützung

Man habe der Heimleitung mitgeteilt, dass die Möglichkeit besteht, zur Unterstützung bei der Rekrutierung von Personal Honorarkräfte über einen anderen Pflegedienst zu bekommen, falls weitere Mitarbeiter erkranken und die Versorgung der Bewohner dadurch nicht mehr gesichert werden kann.

„Die Heimleitung kann zudem über die Hotline der Task Force in Magdeburg, die rund um die Uhr besetzt ist, jederzeit weitere Hilfsleistungen abfordern, falls das notwendig werden sollte“, so Vopel. Das Gesundheitsamt habe am 8. Dezember alle Bewohner und Mitarbeiter getestet. „Weitere Testungen sollen nach unserem Kenntnisstand durch Hausärzte oder durch die Einrichtung erfolgen, falls Verdachtsfälle vorliegen sollten“, erklärt die Pressesprecherin.