Deetz l „Wir hatten volle Auftragsbücher“, sagt Ulrich Weimeister. Der Chef des Jugendbauernhofes in Deetz hat die Saison sowie das ganze Jahr abgeschrieben. Nach der Winterruhe sollte das Schullandheim im Frühjahr wieder voll sein. Bis zum Sommer hätten viele Schulklassen die Einrichtung mit dem ländlich geprägten Programm besucht und die Schüler hätten hier in der Praxis viel über das Leben auf dem Land erfahren sollen. Dann kam die Corona-Pandemie.

Die Bundesländer verboten den Schulen die Klassenfahrten bis zum Schuljahresende. Plötzlich stand das Haus ohne Buchungen da. Auch wenn sich jetzt die Bundesländer darin überbieten, Lockerungen durchzusetzen und wieder in den Normalbetrieb zu kommen, bleibe das Schullandheim weiter leer, schildert Ulrich Weimeister die Situation. Als Einrichtung, die an den Schulen hängt, hätten ihn die Lockerungen längst nicht erreicht. Im Gegenteil, schildert er. Die Mitarbeiter seien weiter in Kurzarbeit. Das Haus sei leer.

Hilfe reichen nur für 3 Tage

Hilfen habe der Betrieb bekommen. „Die haben drei Tage und nicht drei Monate gereicht“, sagt er. Es gehe längst nicht mehr darum den Betrieb hochzufahren, sondern über das Jahr zu kommen, ist er überzeugt. Den Buchungsausfall in den ersten Monaten des Jahres werde die Einrichtung nicht wieder aufholen können. Das Saisongeschäft sei so angelegt, dass die Einrichtung in den Frühlings-, Sommer- und Herbstmonaten Überschüsse erwirtschafte, um über den Winter zu kommen. „Das können wir in diesem Jahr vergessen“, ist er sicher.

Zumal die Verunsicherung groß sei. Zwar riefen auch mal Schulen an, um sich nach Terminen für das kommende Jahr zu erkundigen. In diesem Jahr werde aber nicht mehr viel stattfinden. Zumindest die Ferienspiele sollen durchgeführt werden, kündigt er an. Die Schulkinder können hier in den Sommerferien wochenweise in dem Schullandheim leben und entweder eine normale Ferienwoche oder Reiterferien verbringen. Im Haus sei ausreichend Platz, um die derzeit geltenden Bestimmungen einzuhalten, betont er. Der Platz sei sogar so groß, dass die Schulen sogar hier unterrichten könnten, wenn bei ihnen der Platz nicht ausreichen sollte.

Hilfe bis 2021 gebraucht

Doch er mache sich nichts vor, das Jahr könne er abschreiben. Es gehe nur noch darum die kommenden Monaten zu überstehen. „Wir brauchen eine Hilfe bis März 2021“, sagt er. Über den Verband der Landschulheime weiß er, dass es anderen Häusern ähnlich geht. Die Besucher bleiben aus und die Kosten liefen weiter. Für stornierte Reisen müsse er sogar noch Teilrechnungen bezahlen, schildert er die Situation.

Dabei war das Schullandheim in den zurückliegenden Jahren immer gewachsen und weiter ausgebaut worden. Die Zahl der Betten war erhöht worden, zuletzt hatte das Haus Fördermittel für den Ausbau eines Dachgeschosses eines ehemaligen Stalls erhalten, um damit die Möglichkeit zu haben, auch Tagungen organisieren zu können.

Schule sind Hauptkunden

Doch die Hauptkunden der Schullandheime sind die Schulen. Sie sorgen schon allein zahlenmäßig für die meisten Besucher im Jahr. Vor allem aus Berlin kommen die Schulklassen gern auf den Bauernhof in Deetz. Die Stadtkinder sehen hier mitunter das erste Mal aus der Nähe jede Menge Tiere, die früher auf jedem Bauernhof zu finden waren. Auch wenn die Schulklassen nun ausbleiben, müssen die Tiere weiter versorgt werden. Erst kürzlich habe er eine vierstellige Rechnung vom Tierarzt für die Versorgung der Tiere bekommen, sagt Ulrich Weimeister. Ohne Einnahmen sei es schwer, die laufenden Kosten zu bezahlen.

Mit einem umfangreichen Themenprogramm hatte sich das Schullandheim in der Landwirtschaft und zuletzt zunehmend in der Frage der nachhaltigen Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten engagiert. In verschiedenen Modulen konnten die Schüler hier erfahren, wie die Milch in die Flasche kommt und wie die Landwirte die Felder bestellen. Benachbarte Betriebe geben den Mädchen und Jungen dabei Einblicke in die moderne Landwirtschaft, wie sie heute funktioniert.

Mit ihren Programmen verstehen sich die Schullandheime als auch Bildungseinrichtungen, die einen praktischen Zugang zu vielen Lebensbereichen ermöglichen. Ohne die Schullandheime und ihre speziellen Ausrichtungen würde es den Schulen viel schwerer fallen, Klassenfahrten zu organisieren. Für viele Kinder ist es zudem die einzige Möglichkeit im Jahr, einmal ohne die Eltern und entfernt vom Elternhaus einige Tage zu verbringen. Die Einrichtungen seien daher wichtig, sagt er.