Zerbst l Tausende Menschen zieht es zum Fest in die Kirchen. Selbst die, die ansonsten den Religionen nicht so sehr viel abgewinnen können, lauschen gespannt der Geschichte von der Geburt Jesu. Ein festes Ritual in vielen Familien. Kein Wunder, gäbe es diese Geschichte nicht, würden gar kein Weihnachten gefeiert.

Doch in diesem Jahr hielt sich die Zahl der Christvespern und Gottesdienste in Grenzen. Die meisten Veranstaltungen wurden wegen der Corona-Infektionszahlen abgesagt. Und dort, wo sie stattfanden, wie die Open-Air Christvesper am Nachmittag des Heiligabends auf der Zerbster Schloßfreiheit, galten strenge Hygiene- und Abstandsregeln. Alle Besucher mussten sich vorab anmelden. An allen vier Zugängen – von der Volksbank, vom Kirchhof, vom Schlossgarten und vom Wächtergang – wurde kontrolliert und die Namen abgehakt. Das Tragen von Masken gehörten ebenso zur Pflicht, wie die Händedesinfektion und das Abstandhalten.

„Still und heilig, still wird es heute sein, bei vielen Menschen viel stiller als sonst, vielleicht zu still? Können Nächte im 21. Jahrhundert noch heilig sein? Heilig wurde diese Nacht benannt, weil sie an jenen Moment erinnern soll, in dem der Lauf der Welt sich veränderte. Die Geburt eines Kindes vermag so etwas“, betonte Pfarrer Albrecht Lindemann, der gemeinsam mit Ralf Knauer, Gemeindereferent der katholischen Pfarrei „Heilige Familie“ die ökumenische Christvesper leitete.

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Geschichte eines Neuanfangs

Eltern, die sich darauf einlassen, könnten das erleben. „Die Zeit wandelt sich. Die Perspektive auf die Dinge verschiebt sich. Bewertungsmaßstäbe gehen zu Bruch und entstehen völlig neu. Glück und Angst werden von abstrakten Begriffen zu ergreifenden Erfahrungen. Was sind die heiligen Momente in ihrem Leben? Wann haben Sie gespürt, dass sich in ihnen etwas zum Guten verändert, Kraft und Zuversicht wachsen? Die Weihnachtsgeschichte erzählt von einer solchen Erfahrung“, sagte der Pfarrer.

Lindemann: „Es ist das Kind. Es verändert Leben. Es wandelt den Lauf der Welt mit der größten Kraft: Liebe. Und es gibt ihm ein Ziel: Frieden in Ewigkeit. Maria wird ihren Sohn Jesus nennen. Das Kind in der Krippe, Gott und Mensch, macht aus Zeit heilige Zeit, erlebbar, erfahrbar, wenn wir still werden und Ruhe finden, Wenn wir diesem Jesus, jenem stillen Beweger, Raum in unserem Leben geben. Ich wünsche ihnen eine stille, heilige Nacht aus der Kraft und Zuversicht für das Morgen wachsen.“

Ave Maria sorgt für Gänsehaut

Für einen Gänsehautmoment sorgte Nathalie Aretz, als sie in einem Solobeitrag das „Ave Maria“ anstimmte. Begleitet wurde sie von ihrem Vater Helmut auf der Gitarre. Auch Maria Köhn und Ida Schneider begeisterten die Besucher der Christvesper mit ihren Gesangsbeiträgen, begleitet von Tobias Eger an der Orgel.

Das Krippenspiel übernahmen Mitglieder der Kirchengemeinde St-Marien-Ankuhn. So waren Anne und Elisabeth Ganzer als Engel, Andrea Thiem und Christopher Krüger als Maria und Josef sowie Manuela Schmelzer, Conrad und Moritz Gommlich als Hirten erschienen. Den Part des Erzählers hatte Tobias Gommlich übernommen.

Wer nicht an der Christvesper teilnehmen konnte, hatte die Möglichkeit, diese live im Internet auf dem Youtube-Kanal „Zerbst evangelisch“ zu verfolgen. In der Spitze haben sich mehr als 160 Menschen die Christvesper mit dem Krippenspiel an den Bildschirmen angesehen, und wer möchte, kann dies auch weiterhin tun.