Lindau l Wie viele andere regionale Erzeuger, muss auch Bärbel Warnke den Absatz ihrer Produkte aus Ziegenmilch selbst organisieren. In der Vorweihnachtszeit war sie in den zurückliegenden Jahren immer viel unterwegs, bis weit in den Salzlandkreis hinein auf den verschiedenen Weihnachtsmärkten. Doch die finden in diesem Jahr nicht statt. Wie sehr sich der Ausfall der Weihnachtsmärkte auf den Absatz auswirkt, ist deshalb noch offen. Spuren werde die Corona-Pandemie auch am Jahresende hinterlassen, ist sie sicher.

Allerdings spüre sie auch wie andere Erzeuger, dass sich mehr Menschen für die lokal hergestellten Produkte interessieren und zu ihr auf den Hof kommen. Das gleiche den Verlust der Absatzmöglichkeiten auf den Weihnachtsmärkten womöglich etwas aus, meint sie. Dabei sind die kleinen Erzeuger auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen. Denn im Januar gehe die Nachfrage eigentlich immer zurück. Die kleinen Produzenten hätten dann bis Ostern eine ziemlich lange Durststrecke zu überstehen. Aber sie wolle nicht jammern, sagt sie. Es gebe noch andere Branchen, denen es noch viel schlechter gehe als ihr, beruhigt sie sich. Und erinnert an Schausteller, die in diesem Jahr zur Untätigkeit verurteilt sind. Bei ihnen liefen auch die Kosten weiter, ohne die Möglichkeit Einnahmen zu bekommen. Sie habe die Möglichkeit auf ihrem Hofladen ihre Produkte abzusetzen, beruhigt sie sich. Manche Besucher entscheiden sich zudem bewusst für die Fahrt aufs Land, hat sie in Gesprächen erfahren. Manchen Menschen ist der Trubel und die Nähe zu anderen Menschen in den Supermärkten zu groß. Sie suchten ganz bewusst den Hofladen aus, sagt sie.

Trend zu regionalen Produkten

Auch wenn vielleicht in absehbarer Zeit die Corona-Pandemie besiegt werden könne, werde sich die Ausnahmesituation dieses Jahres auch noch in den kommenden Monaten bemerkbar machen, schätzt sie ein. Wirtschaftlich werde der kleine Betrieb die Corona-Pandemie noch eine Weile spüren. Sie hoffe natürlich, dass bald wieder öffentliche Veranstaltungen möglich sein werden, an denen sie teilnehmen könne. Doch noch müsse sie wie andere Unternehmen abwarten. Ebenso hoffe sie, dass der Trend zu regional hergestellten Produkten auch in der Zukunft anhalten werde und die Menschen mehr darauf achten. Für die lokalen Erzeuger sei dies eine schöne Erfahrung.

Als Halter von vielen Ziegen war das auslaufende Jahr aber dennoch wieder nicht so einfach, was die Futterversorgung der Tiere angeht. Die Möglichkeiten Futter auf den Wiesen zu machen, seien seit Jahren eingeschränkt, schildert sie. „Wir hatten im Frühjahr einen richtig guten Schnitt“, bestätigt Bärbel Warnke. Das habe sich aber leider nicht wiederholt. Einen zweiten oder gar dritten guten Schnitt habe es wieder nicht gegeben. Früher sei dies anders gewesen, erinnert sie sich noch gut.

Futterversorgung großes Thema

Die Ausbeute beim Grünfutter liege sicherlich auch an den zur Verfügung stehenden Böden, schränkt sie ein. Dennoch sei die Futterversorgung noch ausbaufähig in der Zukunft. In der Vergangenheit hatte sie bereits auf die Situation reagiert und die Zahl ihrer Ziegen reduziert. Lieber kaufe sie von anderen Haltern die Milch zu, um sie zu verarbeiten, hatte sie erklärt. Das nehme ihr den Druck bei der Futterversorgung.

In den vergangenen drei Jahren war die Futterversorgung bei vielen Tierhaltern immer wieder ein Thema. Vor allem Halter von Kühen mussten in den vergangenen Jahren sehr mit dem Tierfutter haushalten. Vor allem Mais fiel zum Teil als Futter aus, weil es zu wenig regnete in den Sommern.

Qualität der Milch hängt vom Futter ab

Bei der Ziegenhaltung ist die Lage etwas entspannter. Die Ziegen gelten als anspruchslos und geben sich auch mit magerem Futter noch zufrieden. Das zeigt schon das große Verbreitungsgebiet der Tiere. Sie kommen mit vielen Situationen klar und können auch noch in Gebieten überleben, in denen anderen Tiere keine Chance haben. Da der Ziegenhof allerdings auf die Milch der Tiere aus ist, kommt es allerdings doch etwas auf das Futter an. Je besser es ist, desto gehaltvoller ist auch die Milch. Je nach Jahreszeit variiert die Milch auch anhand des Futters und verleiht den Produkten mitunter ein intensiveres Aroma.

Nach der unterdurchschnittlichen Futterernte in diesem Jahr hofft auch Bärbel Warnke, dass sich die Situation in Zukunft noch mehr entspannt und im kommenden Jahr der Regen wieder gleichmäßiger auch im Sommer fällt. In guten Jahren legen die Halter Reserven an, die ihnen dann in schlechteren Jahren zur Verfügung stehen. Nach den vergangenen drei trockenen Jahren haben aber viele Tierhalter kaum noch Reserven zur Verfügung, sondern müssen mit dem Futter haushalten.

Kreativität ist gefragt

Vorteilhaft erweist sich da für die Haltung anspruchsloser Tiere, dass sich die Vegetationsperiode seit einigen Jahrzehnten sich immer weiter nach vorn verschiebt. Zu sehen ist das an einer immer früher einsetzenden Obstblüte. Wird es früher warm, beginnt auch das Gras früher zu wachsen. Die Versorgung mit Frischfutter vom Grünland kann dann früher beginnen.

Problematisch wird die Futterversorgung vor allem bei länger anhaltender Trockenheit, wenn auf den Wiesen nichts mehr wächst. Dann ist Kreativität gefragt, weiß die Ziegenhalterin. In den vergangenen Jahren hat sie dazu bereits einige Erfahrungen gesammelt, um die Tiere auch in dieser Jahreszeit jeden Tag wieder satt zu bekommen.