Nutha l Wer bei der Überraschungsveranstaltung zum Jahresabschluss mitmachen wollte, musste angemeldet sein. Um genügend Platz zu haben, wurde das Gemeindehaus in Nutha statt der Aktivwerkstatt im Kornmuseum als Lokalität gewählt. Da gibt es auch eine relativ große Küche, denn der Plan für die Überraschung war diesmal das gemeinsame Plätzchenbacken, nachdem in den Vorjahren ein weihnachtliches Dessert gekocht und Pralinen hergestellt wurden.

Um jemanden für eine tolle Anleitung zu finden, mussten die Mitglieder vom Kornmuseumsteam gar nicht weit schweifen. An der Nuthaschen Mühle wohnt Gisela Schmelzer. Von ihr hatte Hildegard Schunke schon im September Kostproben von Plätzchen mitgebracht, erzählte Roswitha Schrödter. Die schmeckten so gut, dass man auf die Idee kam, anzufragen, ob sie bereit wäre, ihr plätzchenbäckerisches Können zu teilen.

Um die 15 Teilnehmer waren dann mit von der Partie, als Gisela Schmelzer, das Zepter in der Gemeindehausküche führte. Die Aufgaben waren schnell verteilt. Die einen mussten Trockenfrüchte schneiden, die anderen Teig anrühren. Zehn verschiedene Rezepte hatte Gisela Schmelzer vorab herausgesucht. Spritzgebäck, Engelsaugen, Fruchtbaiser, Mandelmakronen und Knusperbissen wurden in Angriff genommen.

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Aus dem alten Kochbuch

Gisela Schmelzer hatte so manchen Tipp parat, den die anderen gestandenen Hausfrauen noch nicht kannten. Erst als junge Ehefrau habe sie angefangen zu kochen und zu backen, erzählte sie. Viele ihrer Rezepte sind sehr alt, einige um 1880. Ein altes Kochbuch begleitet sie bis heute. Zu DDR-Zeiten, als sie noch in Stendal gewohnt hat, habe ihr Mann für die Gemeinde Sero (Sekundärrohstoffe) eingesammelt, erzählte Gisela Schmelzer. Dabei seien ein paar alte Bücher vom Wagen gefallen. Die brachte er mit nach Hause. Darunter war auch ein altes Kochbuch...

Seit 1981 wohnt Gisela Schmelzer inzwischen in Nutha. In Richtung Kochen, Backen, Küche schwenkte sie beruflich erst nach der Wende um, machte 1996 eine Umschulung mit IHK-Abschluss, betrieb dann bis vor fünf Jahren einen Partyservice.

Nun bäckt die 61-Jährige nur noch für sich, Freunde und Bekannte. „Die ersten Plätzchen gibt es bei mir schon im September“, sagte sie. Zum Glück, denn sonst hätte es den Plätzchenkurs wohl nicht gegeben. Die Frauen waren emsig bei der Sache und hatten Spaß am gemeinsamen Tun. Beim Kosten aus Schüssel oder Topf gab es schon einmal einen Vorgeschmack auf die Endprodukte.

Nach getaner Arbeit nahmen alle Platz an der liebevoll gedeckten Tafel. Doch nicht alle Plätzchen wurden gegessen, schließlich sollte jeder noch Kostproben mit nach Hause nehmen. Birgit Herrmann vom Kornmuseumsteam hatte sich zudem die Arbeit gemacht, die Rezepte von Gisela Schmelzer noch als kleines Heftchen zusammen zu stellen, damit alle sie zum Nachbacken mit nach Hause nehmen konnten.

Natürlich durfte auch das Glas Sekt zum Anstoßen auf den Abschluss eines ereignisreichen Veranstaltungsjahres nicht fehlen. Die Pause über den Jahreswechsel ist allerdings nicht lang. Schon am Sonnabend, 13. Januar, geht es wieder los in der Aktivwerkstatt des Nuthaer Kornmuseums. Da wird zum Stricken mit den Landfrauen eingeladen.