Steckby l Eine Drohne erhebt sich über der Steckbyer Hauptstraße in die Luft. Sie nimmt die Häuserreihe mit dem Gasthaus „Zum Biber“ auf. Peter Ibe wird beim Betreten der Lokalität gefilmt. Er will gerade zum Treffen des Arbeitskreises Biber. 50 Jahre gibt es den schon. Das Treffen konnte wegen Corona nun im kleinen Kreis stattfinden und wird dann im nächsten Jahr in Steckby mit all den Ehrenamtlichen nachgeholt.

Was die Drohne filmt, ist nur nachgestellt. Ein Dokumentarfilm soll entstehen. Eine Geo-Reportage für den Fernsehsender Arte, 52 Minuten lang über den Elbebiber. „Im Reich des Elbebibers“ lautet derzeit der Arbeitstitel.

Berliner Firma

Die Aufnahmen macht die Berliner Produktionsfirma Medienkontor. Ein dreiköpfiges Team aus Regisseurin, Kamerafrau und Tontechniker war in Steckby vor Ort. Eigentlich hätten Bernadette Hauke und ihre Kamerafrau einen Dreh in Indien gehabt. Corona kam dazwischen, und es wurden Themen vor der Haustür gesucht. „Wir waren nördlich an der Elbe spazieren und Rad fahren, als wir Biberspuren gesehen haben“, erzählte Hauke, wie sie auf die Idee kam, sich den Elbebiber vorzunehmen. Es ging an die Recherche. „Anfangs sollte das ein Naturfilm werden“, so die Regisseurin. Aber je mehr man sich damit beschäftigte, um so mehr rückten die Menschen in den Vordergrund, die mit dem Biber zu tun haben.

Bilder

Und wenn es um den Biber geht, da kommt niemand vorbei an Peter Ibe. So rückte der Steckbyer in den Focus der Filmemacher. Er war mit dem Filmteam einige Tage unterwegs. Er kennt die Elbelandschaft und das Biosphärenreservat wie seine Westentasche. Er weiß, wo die Nager, die schon vom Aussterben bedroht waren, zu finden sind, wo und wie sie die Landschaft geprägt haben. „Wir haben schöne Reviere gesehen“, so Bernadette Hauke. Im Moment gehe es da eher ruhig zu. Eigentlich sei das jetzt der falsche Zeitpunkt, um Aktivitäten zu filmen. Aber es gibt wandernde Jungbiber.

Auch in Oranienbaum im Biosphärenreservat Mittelelbe gab es Stoff für die Kamera. Da gab es ein verletztes Tier, das aus einem Garten entnommen werden musste. Das war schon interessant für den Film. So wie die Person Peter Ibe selbst. Biberexperte und Naturschützer, der seit 50 Jahren mit der Elbelandschaft verbunden ist. Als Biber-Vater hat er Geschichte geschrieben.

Ausstrahlung im Oktober geplant

Entlang der Elbe in Sachsen-Anhalt hat er zusammen mit einigen Kollegen um die 500 Biber gefangen und sie für Wiederansiedlungsprojekte ins Saarland, nach Holland und Dänemark gebracht, wo die Nager sich als Landschaftsgestalter einbringen konnten.

Der 72-Jährige ist Mediator, wie die anderen Mitglieder im Arbeitskreis, wenn es Konflikte zwischen Biber und Menschen gibt, denn die Burgen und Dämme der Nager passen nicht immer in das Konzept der Menschen. Und er ist leidenschaftlicher Naturfotograf, der die Bilder für das 2018 erschienene Kinderbuch „Dem Biber auf der Spur“ lieferte. Ein Leben, das reichlich Filmmaterial bietet. Zwei Drehabschnitte sind für die Reportage eingeplant. Ausgestrahlt werden soll der Beitrag im Oktober.

Dokumentationen sind das Spezialgebiet von Bernadette Hauke, die seit 1998 im Geschäft ist. Sie produzierte unter anderem eine Geschichtsdoku über die Prager Botschaft mit den Ereignissen des Umbruchs im Herbst 1989 und über die Menschen, die beteiligt waren, oder darüber, wie das Bier nach Deutschland kam. Sach- und Naturfilme für Kinder hat sie schon einige gemacht, zuletzt für den Kinderkanal über den Moorschutz und über das Insektensterben.

Dokumentation ist Spezialgebiet

Nun darf man also gespannt sein, wie sie uns in das Reich des Elbebibers entführt.