Nuthaer Kirche erstrahlt in neuem Glanz

Ein Grund zum Feiern: In Nutha wird die Kirche nach Sanierungsarbeiten wieder in Dienst genommen

Seit 2015 wurden an und in der Nuthaer Kirche Sanierungsarbeiten durchgeführt. Im neu gestalteten Innenraum konnte jetzt der erste Gottesdienst gefeiert werden. Die neuen Prinzipalstücke wurden geweiht.

Von Von Petra Wiese
Grund zum Feiern: In Nutha wurde die Kirche wieder in Dienst genommen.
Grund zum Feiern: In Nutha wurde die Kirche wieder in Dienst genommen. Foto: P. Wiese
Die neuen Prinzipalstücke in der sanierten Nuthaer Kirche wurden geweiht.
Die neuen Prinzipalstücke in der sanierten Nuthaer Kirche wurden geweiht.
Foto: Petra Wiese

Nutha - „Es ist nicht ganz fertig“, begrüßte Pfarrer Albrecht Lindemann am Sonntagnachmittag die Gäste zum Gottesdienst in der Nuthaer Kirche. Der Abschluss der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen sollte gefeiert werden. Ein paar Kleinigkeiten sind noch offen, aber in neuem Glanz konnte die Dorfkirche auf jeden Fall präsentiert werden. Lange genug hat das Gesamtprojekt gedauert.

2014 ging es los mit den Fenstern. Die hat der Künstler Gerlach Bente entworfen.  Nach der „Glanzlichter“-Ausstellung im Naumburger Dom war die Nuthaer dann die erste Kirche, in der im Rahmen des Projektes Glaskunstfenster eingebaut wurden. Die komplette Verglasung – acht Rundbogenfenster  – konnte nach Bentes Entwürfen erfolgen. Bei den Fenstern, die Teil des Projektes „Lichtungen“ – zeitgenössische Glasmalerei in anhaltischen Kirchen – sind, sollte es für Gerlach Bente jedoch nicht bleiben.  

Prinzipalstücke aus Stahl und Messing

Auch die Entwürfe für die Prinzipalstücke stammen von Gerlach Bente. Ein neuer Altar, eine neue Taufe und ein neues Lesepult konnten geweiht werden. Aus Stahl und Messing wurden die Stücke von der Zerbster Schlosserei Partheil gefertigt. Zur Innenraumgestaltung gehört auch ein riesiges Wandbild im Chorraum, das Malermeister Gordon Friedrich umgesetzt  hat, in dem ebenfalls Metallarbeiten integriert sind. 

Um den Bente'schen Entwurf an die Wand zu bringen, hatte Planer Gunnar Hollenbach selbst Hand angelegt, den Projektor angeschmissen und zum Bleistift gegriffen. Er geht davon aus, dass die dunkler erscheinenden Stellen im Bild noch verschwinden werden. Das liegt an der Beschaffenheit des Mauerwerks in Zusammenhang mit der Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit ist immer die größte Herausforderung bei einer Kirchensanierung, weiß auch Pfarrer Lindemann. 

Kreisoberpfarrer Jürgen Tobies aus Roßlau stand ihm in Nutha zur Seite, um die Kirche wieder in Dienst zu nehmen. Als Vorsitzende des Gemeindekirchenrates unterstützte Raina Brandt die Zeremonie. Für die musikalische Ausgestaltung sorgten Steffen und Susanne Klimt sowie Emma Lindemann von der Empore herunter. Albrecht Lindemann hob das Engagement von Raina und André Brandt hervor, die sehr viel Offenheit während der gesamten Sanierungsmaßnahme gezeigt und dies in die Gemeinde getragen haben.

40 Prozent aus Fördermitteln

Auch allen Verantwortlichen, Beteiligten und Geldgebern dankte Albrecht Lindemann. Insgesamt wurden hier rund 145 000 Euro investiert. 40 Prozent davon konnten aus Fördermitteln fließen. In drei Bauabschnitten wurde das Gesamtprojekt umgesetzt. In den ersten beiden Bauabschnitten wurden die Fenster erneuert und die Außenfassade saniert.

Der dritte und letzte Bauabschnitt umfasste die Innenraumgestaltung. Die Evangelische Landeskirche, die Kunststiftung Sachsen-Anhalt und die Stiftung Entschlossene Kirchen unterstützten das Vorhaben. Lindemann lobte den Landkreis Anhalt-Bitterfeld, „der Jahr für Jahr dafür sorgt, dass in kleinen Dörfern kulturelles Erbe erhalten bleibt.“

Mit der Frage, ob es zeitgemäß sei, die Wiederindienstnahme der Kirche zu feiern, wandte sich der Pfarrer an die versammelte Gemeinde. Es gebe nichts, was zeitgemäßer wäre, als Hoffnung in Zeiten der Angst zu machen, als ein Zeichen zu setzen in einem kleinen Dorf namens Nutha. 

Künftig rund um die Uhr geöffnet

„Wir blicken nicht in ein schwarzes Loch“, so Lindemann. Die Menschen in der Kirche konnten das Neue, das Positive erblicken. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, bekundete Oberkirchenrätin Franziska Bönsch, die für Bau und Finanzen zuständig ist. „Ich komme rein und mein Herz geht auf“, sagte Manon Bursian, die Direktorin von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt. 

Sonja Hahn von der Stiftung Entschlossene Kirchen freute sich, dass nun auch die Nuthaer Dorfkirche zu den stets geöffneten Kirchen gehören wird. Es ist die 24., die im Kirchenkreis offen ist, das heißt rund um die Uhr „entschlossen“. Sonja Hahn bemerkte eine wunderbare Atmosphäre in der Kirche. Sie wird Touristen, Nuthaern und Gläubigen gleichermaßen Anlaufpunkt sein, prophezeite sie. Sie übergab Raina Brandt eine Urkunde der Stiftung und ein erstes Gästebuch, das sich bald füllen soll.

Holger Brülls, Gebietsreferent vom Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege, hob noch einmal die Besonderheit in Nutha hervor: „dass einem Künstler der ganze Raum anvertraut werden konnte“, und dass die Kirche, die ihre historische Ausstattung verloren hat, wieder neu eingerichtet werden konnte. Er schwärmte von den wunderbaren Lichtverhältnissen, den frischen Farben und der Ausstattung, die mit wenig Effekten die stärkste Wirkung erzielt.

Wunderbare Lichtverhältnisse und frische Farben in der Kirche

Gerlach Bente selbst war zum Gottesdienst gekommen. „Ich bin sehr angetan“, sagte der Glaskünstler aus Radevormwald. Für ihn war das Projekt ebenfalls Neuland gewesen. Zum einen ist Metall sonst nicht das Material, mit dem er arbeitet. Zum anderen habe er noch nie etwas insgesamt entwerfen können. 

Nun bleiben die kleinen Dinge bis zur eigentlichen Fertigstellung: Der Eingangsbereich soll noch barrierefrei gestaltet werden. Bei Bänken, Gestühl und Empore fehlt noch der Anstrich. Und die Orgel ist noch reparaturbedürftig, bevor sie wieder auf die Empore kommen kann, doch das ist ein anderes Projekt...

Die Feldsteinkirche in Nutha wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt. 1707 folgte ein Umbau, bei dem der Turm seine barocke Haube erhielt. Außerdem wurde das Kirchenschiff nach Osten verlängert. Im alten Teil der Kirche blieben die Fenster in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Die Kirche besitzt eine Bronzeglocke von 1887. Durch Beschuss 1945 und einen Brand in der Nachkriegszeit erlitt die sie starke Schäden, die zwischen 1953 und 1960 behoben wurden. 

Die Kirchengemeinde Nutha hat 25 Gemeindemitglieder von 1 bis 94 Jahren. Zwei Taufen und eine Trauung sind dieses Jahr angemeldet. Mit der ersten Taufe wird auch die neue Taufschale in Dienst genommen. Gottesdienstlicher Höhepunkt in Nutha ist neben Heiligabend jedes Jahr der Reformationstag.