Barby/Walternienburg l Im vergangenen Jahr mobilisierten die Barbyer Hunderte Bürger, die sich auf der ehemaligen Eisenbahnbrücke aufbauten. Von beiden Seiten des Flusses strömten vor einem Jahr Frauen und Männer mit ihren Rädern auf die Stahlkonstruktion. Mit der Aktion machten die Organisatoren des Festes wieder einmal deutlich, wie wichtig für die Bürger die Brücke auch heute noch ist. Das 757 Meter lange Brückenbauwerk sorgte einst dafür, dass die Züge auf der Kanonenbahn die Elbe überqueren konnte. Neben der Eisenbahn gab es einen Weg für Fußgänger und Radfahrer. Unabhängig vom Wasserstand und den Fährzeiten der Gierseilfähre können die Menschen hier den Fluss überwinden.

Brücke unter Denkmalschutz

Mit der Aufgabe der Kanonenbahn und dem Rückbau und der Privatisierung der Eisenbahnstrecke rückte die Zukunft der Eisenbahnbrücke immer wieder in den Fokus. Die neuen Eigentümer der Strecke hatten zunächst vor, die Eisenbahnbrücke abzubauen. Dagegen organisierten die Barbyer ein Brückenfest und zeigten damit in der Öffentlichkeit, wie wichtig für sie die Verbindung ist. Einem Rückbau der Eisenbahnbrücke stehe aber der Denkmalschutz im Wege, sagt der Barbyer Eisenbahnfachmann Jürgen Krebs. Der Eisenbahner kennt sich mit der Brücke und der dazugehörigen Strecke aus.

Die Idee, auf der Trasse der ehemaligen Kanonenbahn einen Radweg zu bauen, um den Großraum Berlin mit der Elbe zu verbinden, sei nicht mehr umsetzbar, weil die Bahn die Privatisierung der stillgelegten Strecke ab Landesgrenze Brandenburg nicht mehr durchgeführt hat, weiß er.

Wiederaufbau gefordert

Inzwischen werden die Rufe immer lauter, zumindest Teile der ehemaligen Kanonenbahn wieder in Betrieb zu nehmen. Nicht nur der Salzlandkreis, der den Wiederaufbau der Verbindung bis Güterglück angeregt hat, befindet sich darunter. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, sagt Jürgen Krebs, fordere inzwischen den Wiederaufbau der Strecke mindestens bis Güterglück für den Personen- und Güterverkehr. Vor allem der steigende Güterverkehr auf der Schiene sorge für eine angespannte Auslastung der Kapazitäten auf den noch vorhandenen Strecken. Als Nadelöhr erweisen sich in der Praxis vor allem die Übergänge über die Elbe. Teilweise müssten die Güterzüge bis zu 45 Minuten warten, um den Fluss überqueren zu können, sagt Jürgen Krebs. Der Bahn fehle eine Brücke über die Elbe, um den Verkehr abzuwickeln. Das hätten inzwischen viele erkannt. Aus dem Ausland gebe es ebenso bereits Forderungen, die Strecke wieder in Betrieb zu nehmen, sagt er. Die öffentliche Hand müsste die Brücke und die Strecke einfach nur wieder erwerben, schlägt er vor.

Der Verkehr sei ein zunehmendes Problem in der Bundesrepublik. Die Straßen seien permanent überlastet. Vor allem der stetig steigende Lkw-Verkehr stoße an die Grenzen. In Zukunft müsse die Bahn wieder mehr in der Fokus rücken, wenn es um den Umweltschutz gehen soll. Doch dafür benötige die Bahn auch die entsprechende Infrastruktur. Hier wurde in den vergangenen Jahren zu viel gespart, ist er überzeugt. Aus erster Hand gibt es heute um 16 Uhr wieder Führungen auf der Brücke. Jürgen Krebs freut sich über das Bürgerinteresse an dem Stahlbauwerk. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Stahlkonstruktion erbaut. Im Krieg wurde sie zum Teil stark beschäftigt und später ersetzt und erneuert. Dennoch könnte die Brücke auch heute noch schwere Züge tragen, hat er keinen Zweifel. Vor allem aber verbindet die Brücke die Menschen auf beiden Seiten der Elbe. Das soll sie auch in Zukunft tun und deshalb setzen sich die Barbyer weiter für den Fortbestand der Brücke ein.

Fest ab 14 Uhr

Das Brückenfest beginnt heute um 14 Uhr. Ein wesentlicher Punkt ist dabei wieder die Bürgermeisterwette. Im vergangenen Jahr wetteten die Organisatoren, dass es der Bürgermeister nicht schaffe, die Brücke mit Radfahrern zu füllen. Viele kamen, doch es blieben auch große Lücken. In diesem Jahr läuft die Aktion genau anders herum, sagt Jürgen Krebs. Dann wolle der Bürgermeister gegen die Organisatoren wetten. „Es bleibt auf jeden Fall spannend“, freut er sich schon. Den ganzen Tag gibt es zudem wieder Tanz und Gesang auf der Bühne an der Elbe. „Wir freuen uns dabei auch über jeden Besucher, der aus der Stadt Zerbst anreist und mit uns gemeinsam das Brückenfest feiert“, sagt er. Schließlich soll die Veranstaltung verbinden.