Lindau l Für die dreiteilige Schiebeleiter, mit der die Feuerwehr Lindau ausgerüstet ist, stellt der Burgturm in der Kleinstadt kein Problem dar, wenn es um die Rettung von Menschen geht. Die Leiter, deren Länge ausgezogen immerhin 14 Meter beträgt, lässt die Menschenrettung bis zu einer Gebäudehöhe von zwölf Metern zu. Die Feuerwehr setzte die Leiter bei einer Übung am Mittwochnachmittag ein. Ortsbürgermeister Helmut Seidler hatte die Kameraden mit dem Gerät angefordert, um die Evakuierung des Burgturms zu simulieren.

Mit dem Anleitern will der Ortsbürgermeister den Behörden zeigen, dass im Brandfall die Menschen den Turm über eine Leiter problemlos verlassen könnten. Das ist wichtig, um den Turm bald wieder wie gewohnt nutzen zu können. Aus Brandschutzgründen hatte der Landkreis die Nutzung des Turms stark eingeschränkt und nur noch wenigen Personen gleichzeitig den Aufenthalt erlaubt.

Aufstellen der Leiter klappt schnell

Die Feuerwehr, sagt Helmut Seidler, habe nicht lange gebraucht, um die Leiter an dem hohen Gebäude in Stellung zu bringen. Das Aufstellen der Leiter sei sehr schnell gegangen, erzählt er seine Eindrücke von der kleinen Übung. Er habe zudem einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung eingeladen, die Übung zu verfolgen. Die Verwaltung soll nun mit den entsprechenden Behörden Kontakt aufnehmen und vor allem mit der Denkmalbehörde kommunizieren.

Wegen des geringen Abstands der Zinnen oben auf dem Dach habe er auf die reale Rettung von Personen verzichtet. Die gemauerten Zinnen stehen so dicht zusammen, dass Personen dort nur sehr schwer durchgehen können, beschreibt er. Nun gehe es darum, bei der Denkmalbehörde die Genehmigung zu erhalten, eine der gemauerten Zinnen durch eine abnehmbare Attrappe zu ersetzen. Im Ernstfall könnte die dann abgeklappt werden und so den Weg zur rettenden Leiter freigeben. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Denkmalbehörde der Logik der Kleinstadt folgen werde. Schließlich sei auch der Denkmalschutz daran interessiert, dass Denkmale von den Bürgern genutzt und damit auch akzeptiert werden. Wie schnell mit einer Entscheidung der Denkmalbehörde zu rechnen ist, ließ er dabei offen.

Brandgefahr nicht sehr groß

Sollten die Behörden der Idee zustimmen, wonach die Personenrettung vom Turm praktikabel ist, müsste die Feuerwehr dies auch regelmäßig üben, um im Ernstfall die Leiter schnell anstellen zu können.

Eigentlich sei die Gefahr eines Brandes nicht sehr groß, schätzt der Ortsbürgermeister ein. In dem Turm könne er keine großen Brandlasten erkennen. Sollte es dennoch zu einem Feuer kommen, sei vor allem der Brandrauch gefährlich. Vor dem könnten sich die Menschen aber auf dem Dach des Turms sehr schnell in Sicherheit bringen. Das sei eigentlich kein Problem, schätzt er ein. Er hoffe, dass die Kreisverwaltung ihre Einschätzung zur Nutzung des Turms überarbeite, wenn das Konzept anerkannt werde und wieder mehr Leute gleichzeitig den Turm besuchen können.

Wieder mehr Veranstaltungen auf der Burg

Das ist die Voraussetzung, damit der Heimat- und Verkehrsverein der Stadt wieder die historische Anlage für Veranstaltungen nutzen kann. Seit der Einschränkung der Personenzahl ist dies nicht mehr möglich. Momentan machte sich die Nutzungseinschränkung wegen der Corona-Pandemie kaum bemerkbar, weil größere Veranstaltungen bislang kaum durchführbar sind. Doch es werde auch eine Zeit nach der Corona-Pandemie geben, ist sich Helmut Seidler sicher.

Dann wollten die Vereinsmitglieder den Turm wieder mehr nutzen. Die historische Burganlage soll in der Zukunft eine größere Rolle in der Stadt spielen. Der Verein will kulturell mehr Aktivitäten entwickeln. Damit soll die Burg wieder mehr in den Fokus der Bürger rücken und zu einem Anziehungspunkt über die Grenzen der Kleinstadt hinaus werden.