Zerbst l Eingeladen zur Feier waren neben Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Mitglieder des Fördervereins. Außerdem konnten die Zerbster Feuerwehrleute Bürgermeister Andreas Dittmann und eine Delegation aus der Partnerstadt Jever, angeführt von Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers (parteilos) und Ortsbrandmeister Andreas Neeland, zu ihrer Feierstunde begrüßen.

Nicht alles eitel Sonnenschein

Schneider zeichnete in seiner Begrüßungsansprache noch einmal die Geschichte der Zerbster Wehr nach, konzentrierte sich dabei auf die vergangenen zehn Jahre, seitdem er selbst der Zerbster Ortswehr vorsteht. „Es war längst nicht immer alles eitel Sonnenschein“, so Schneider. Gerade auch die Neustrukturierung der Feuerwehren in der Einheitsgemeinde nach der Gemeindegebietsreform habe viele Kompromisse gefordert, auch Kompromisse, die schmerzten.

Steffen Schneider ließ die schwersten, kräftezehrendsten aber auch umstrittene Einsätze der vergangenen zehn Jahre Revue passieren. Er erinnerte beispielsweise an die Hausexplosion in der Haselopstraße, an die Hochwassereinsätze 2013, an den großen Waldbrand bei Grimme, wo alle Wehren der Stadt im Einsatz waren oder an das Sturmtief „Niklas“ 2015, das für unzählige Einsätze sorgte.

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Maibaumsetzen

„2017 haben wir auf Bitten der Zerbster Rolandbrüder die Regie für das traditionelle Maibaumsetzen übernommen, dass ohnehin in den meisten Ortschaften durch die Feuerwehren organisiert wird“, blickt der Ortswehrleiter zurück. 2018 habe die Wehr dann mehrere neue Fahrzeuge in Dienst stellen können, was natürlich die Arbeit sehr erleichtere.

„150 Jahre freiwilliges Engagement, 150 Jahre freiwillige Feuerwehr zum Schutz anderer und nicht zuletzt 150 Jahre Kameradschaft – Zusammenhalt, der gelebt wird“, betonte der Ortswehrleiter abschließend.

„Es war 1869 Bürgerwille, den Brandschutz in die eigene Hand zunehmen, nachdem die halbe Stadt Zerbst abgebrannt war“, erinnerte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) an die Ursprünge der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst.

System unter Druck

Daran habe sich bis heute nichts geändert, auch wenn das System Freiwillige Feuerwehr massiv unter Druck stehe. „Die Zahl derer, die bereit sind, sich für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen, deutlich gesunken ist“, so Dittmann.

Das habe durchaus mehrere, auch ganz objektive Ursachen. „Wenn wir uns die Ausrüstungsliste ansehen, die damals bei der Gründung aktuell war, dann musste man vor allen eines mitbringen, halbwegs Gesundheit und guten Willen. Der Rest waren Eimer, Leitern, Haken und ein Paar Handschuhe“, zählte der Rathauschef auf.

Wenn man sich die heutige Feuerwehrtechnik ansehe, sei jedem klar, dass hier eine massive Ausbildung nötig sei, um mit den hoch komplexen Löschsystemen arbeiten zu können.

Ein großes Paket

„Heute genügt es nicht, einsatzbereit zu sein, sondern die Kameraden müssen mindestens einmal in der Woche Aus- und Weiterbildungen absolvieren“, betonte Dittmann. Das sei ein Paket für das man, neben der Gefahr, der man sich im Einsatz aussetze, auch bereit sein müsse.

Dittmann verwies auch auf die Familien und Freunde der Feuerwehrkameraden, die nicht selten auch am Wochenende, an Feiertagen oder zu Familienfesten auf ihre Lieben verzichten müssen, weil sie gerade Einsätze fahren müssen.

Rückhalt ist wichtig

„Ohne Familie und Freunde, die den Kameraden nicht selten den Rücken freihalten, wäre eine funktionierende Feuerwehr wohl kaum möglich“, machte Dittmann deutlich und versprach: „Ich werde auch weiterhin für euch zur Verfügung stehen – da sein, wenn es brennt, auch im übertragenen Sinn.“

Lutz-Georg Berkling, Referatsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Magdeburger Innenministerium, überbrachte die Glückwünsche von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). „Die Feuerwehren des Landes können sich auch weiterhin der Unterstützung des Innenministers sicher sein“, betonte Berkling. Er überreichte eine Ehrenurkunde und ein Glückwunschschreiben des Ministers.

Stütze für die Partnerschaft

Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers und Ortsbrandmeister Andreas Neeland überbrachten die Glückwünsche der Jeveraner und hoben den Beitrag beider Feuerwehren hervor, den sie leisten, um die Städtepartnerschaft mit Leben zu erfüllen. „Ihr, die Feuerwehren beider Städte, seid eine ganz wichtige Stütze für die Partnerschaft, aus der sich längst eine Freundschaft entwickelt hat“, betonte Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers.

Eine zweite Feier wird es am 7. September ab 10 Uhr anlässlich des Tages der offenen Tür auf dem Gelände der Wache geben. Hier haben alle Zerbster die Gelegenheit, den Kameraden zu gratulieren.