Zerbst l Der Unterricht in der Grundschule „An der Stadtmauer“ hat gerade begonnen, da schrillt im Gebäude die Brandmeldeanlage. Ein Teil der Flure ist verqualmt. Die überwiegende Zahl der Schüler und Lehrer können die Schule verlassen. Doch für eine dritte Klasse ist der Weg abgeschnitten. Der Rauch ist so dicht, dass der Fluchtweg nach Draußen versperrt ist. Sie müssen im Klassenzimmer ausharren, bis Hilfe kommt. So oder so ähnlich lautet das Szenario einer Brandschutzübung, die derzeit in allen sieben Grundschulen der Stadt durchgeführt wird.

Rettung über die Treppe

Es dauert nur zweieinhalb Minuten, bis alle das Gebäude verlassen haben, ausgenommen die vom Rauch eingeschlossene Klasse. In diesem Fall entscheiden sich die Einsatzkräfte, die Flure mittels Lüfter zu entrauchen und die verbliebenen Schüler dann über die Treppe zu retten. „Eine weitere Möglichkeit wäre der Hubsteiger in Verbindung mit dem Rettungsschlauch“, erläutert Ortswehrleiter Steffen Schneider.

Nach knapp 15 Minuten haben dann alle das Gebäude verlassen, insgesamt 247 Schüler und 25 Erwachsene. „Zweieinhalb Minuten ist eine tolle Zeit. Auch das Sammeln und die Übermittlung der Schülerzahlen hat super geklappt“, sagt Schulleiterin Manuela Aretz.

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Feuerwehr ist zufrieden

Auch die Feuerwehr zeigt sich in einer ersten Einschätzung zufrieden mit der Evakuierungsübung. „Ihr habt völlig richtig reagiert, vor allem die vom Rauch eingeschlossene Klasse, im Raum zu bleiben und nicht durch den Qualm versuchen zu flüchten“, lobt Steffen Schneider die Grundschüler.

Das Schlimmste was passieren könne ist, im Qualm keine Luft zu bekommen und dann im Treppenhaus umzufallen. „So konnten wir euch komplett als Klasse retten und mussten euch nicht einzeln im Gebäude suchen. Auch die anderen Klassen waren vorbildlich schnell draußen“, erklärt der Feuerwehrmann den Kindern.

Es geht allerdings nicht nur um die Räumung der Schulen im Ernstfall, es geht um weit mehr – um das richtige Verhalten bei einem Feuer, um erste Hilfe, lebensrettende Rauchmelder, was ein Feuerwehrmann zu tun hat, um die Ausrüstung und natürlich auch um die Fahrzeuge der Lebensretter.

Spielerisches Lernen

„Dies alles ist Teil der Brandschutztage, die noch bis Ende Juni in den Grundschulen in Zerbst, Steutz, Lindau, Walternienburg und Dobritz mit Unterstützung der Ortsfeuerwehren durchgeführt werden“, sagt Thomas Sanftenberg, Sachgebietsleiter Brandschutz im Zerbster Rathaus.

Neben der Evakuierungsübung werde den Kindern an verschiedenen Stationen spielerisch beigebracht, wie man sich im Ernstfall richtig verhält. „An einer Station zeigen die Kameraden mit Hilfe eines Demo-Hauses beispielsweise, wie schnell sich Rauch in den verschiedenen Zimmern ausbreitet“, erklärt Sanftenberg.

Ebenso könne man mit diesem Haus demonstrieren, wie wichtig Rauchmelder sind. „Ein weiteres Thema an dieser Station ist das Absetzen des Notrufes. Ziel ist, mit simulierten Anrufen in einer Leitstelle den Kindern die Angst vor dem Notruf zu nehmen“, so Sanftenberg.

An einer weiteren Station werde für die Kinder verständlich erklärt, wie man verletzten Menschen helfen kann. „Die Schüler können sich hier auch gegenseitig Verbände anlegen, damit sie überhaupt erst einmal ein Gefühl dafür bekommen“, sagt Thomas Sanftenberg. Natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz. So gibt es einen spielerisch-sportlichen Wettkampf, bei dem Schläuche ausgerollt und geflochten werden müssen oder mit einem vollgesaugten Schwamm ein Behälter mit Wasser gefüllt werden muss.

Auch Heike Bengner, Schulleiterin der Grundschule „Astrid Lindgren“ ist zufrieden mit den Brandschutztagen. Schüler und Lehrer waren vor wenigen Tage die ersten Akteure der Übung und an den Stationen. „Stadt und Feuerwehr hatten alles generalstabsmäßig geplant und vorbereitet. Die Feuerwehr hat mit einer Engelsgeduld den Kindern alles gezeigt und erklärt“, schwärmt die Schulleiterin.